Buchmesse "Ach ja, ihr Literaten"Seite 2/2

Der erste 2. Tag:
Vor Frankfurt hatte ich mich mit dem Gedanken gewappnet, dass ich dort unzählige Bücher und Autoren sehen würde, von denen ich noch nie im Leben etwas gehört oder gelesen habe. Was ich jedoch nicht erwartet hatte, war die schier endlose Zahl von Verlagen. Ganz zu schweigen von den Massen an Besuchern, die sich die Gänge entlangschieben wie auf einem großen Basar. Man schlendert von einer Attraktion zur nächsten, erwirbt Souvenirs, nippt an einem Gläschen Wein, kostet  eine türkische Delikatesse und lässt sich mit einem netten Mann im Langenscheidtkostüm fotografieren.
Überhaupt werden viele Fotos geschossen. Vor allem von Autoren. Und zwar immer von denselben Fotografen vor denselben Motiven. Die Autoren stehen an, um unter freiem Himmel vor dem Quader mit dem roten Strich oder der königsblauen ARD-Wand geknipst zu werden. Man wird gebeten, das eigene Buch vor die Brust zu halten, dicht unters Kinn, was irgendwie die Erinnerung an ein Fahndungsfoto wachruft.
Andererseits ist man dort zumindest an der frischen Luft. Die kann nämlich bei Interviews in den Rückzugsräumen des Verlags, die etwa so geräumig sind wie eine Umkleidekabine im Schwimmbad, schon mal etwas dünn werden.

Der erste 3. Tag:
Nun sitze ich hier und tippe. Es ist sechs Uhr morgens. Im Zimmer über mir übt  jemand Gehen in Stöckelschuhen. Sonne kann ich draußen noch keine ausmachen – gut so. Ein wenig Zeit bleibt noch.
Welche Eindrücke werden bleiben von meiner ersten Frankfurter Buchmesse?
Dass die Aufschrift "This is a Minivan“ im Sammeltaxi übersetzt wird mit "Das ist ein Großraumwagen“?
Dass Jasmin Tabatabai viel kleiner ist als ich dachte und furchteinflößend die Miene verziehen kann, sobald sie bemerkt, dass man sie erkannt hat?
Dass es kaum ein beunruhigenderes Gefühl gibt als zu beobachten, wie ein potenzieller Leser im eigenen Buch herumblättert, die Stirn runzelt und es dann zurück ins Regal stellt?
Ich weiß es nicht. Ich weiß nur: man kommt wegen der Bücher, doch in Erinnerung bleiben werden ganz andere Dinge.


 

 
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