Es sollte die ganz große Feier werden. Allerdings war die Stimmung am europäischen Kernforschungszentrum CERN in Genf ein wenig getrübt. Denn der Hauptdarsteller der Party war sozusagen verhindert. Seit Ende September steht der Large Hadron Collider (LHC), der weltweit größte Teilchenbeschleuniger, nämlich still. Das Problem: ein riesiges Heliumleck im Kühlsystem.

Trotzdem wurden der 27 Kilometer lange unterirdische Ring und seine tonnenschweren Magnete nun auch offiziell eingeweiht. Eingeladen waren hohe Staatsgäste aus Europa. Allerdings ließen sich etwa Angela Merkel und ihr französischer Kollege Nicolas Sarkozy vertreten. An der Zeremonie nahmen stattdessen Bundesforschungsministerin Schavan und der französische Premierminister François Fillon teil.

Deutschland stemmt einen großen Teil der Lasten des Forschungsprojekts. 200 deutsche Mitarbeiter und 1000 ebenfalls deutsche Gastwissenschaftler seien am CERN tätig, sagte Schavan in ihrer Rede. Deutschland ist mit einem Beitrag von rund 800 Millionen Euro der größte Geldgeber des Drei-Milliarden- Euro-Experiments. 20 europäische Staaten hatten sich am Etat für den Bau des LHC in den vergangenen 13 Jahren beteiligt. Jetzt sollen neben jungen Wissenschaftlern auch Schüler eingeladen werden, um am Teilchenbeschleuniger ihr Wissen zu vertiefen und Einblick in die Physik zu bekommen, fuhr Schavan fort. 

Physiker aus aller Welt wollen mit dem LHC den Ursprung des Universums erforschen. Am 10. September war es den CERN-Technikern unter großer öffentlicher Aufmerksamkeit gelungen, den ersten Protonenstrahl durch die Tunnel der Maschine zu lenken. Derzeit wird der Beschleuniger nach dem Leck im Kühlsystem auf weitere Schäden untersucht. Die Anlage benötigt eine Betriebstemperatur von minus 271 Grad, um Protonen nahezu bei Lichtgeschwindigkeit aufeinanderprallen zu lassen. Dadurch hoffen die Forscher, ähnliche Bedingungen wie einst beim Urknall erschaffen zu können.

Erst im Frühjahr nächsten Jahres können nun die eigentlichen Experimente beginnen. Während des Winters ist der LHC sowieso abgeschaltet. Denn in dieser Jahreszeit sind die Stromkosten für die Anlage, die einen Energiebedarf einer Kleinstadt hat, einfach zu hoch.