"Notfalls muss man zusätzliches Geld bereitstellen. Das ist besser, als sich in eine hohe Arbeitslosigkeit zu sparen", sagte Müntefering der ZEIT. Der SPD-Chef plädiert dafür, nach dem Schnüren des Rettungspaktes für die Banken in einer "zweiten Phase etwas für die Sicherung und Schaffung von Arbeitsplätzen" zu unternehmen. "Es könnte also sein, dass man sagt: Wir geben Geld für Wohnen, für Gesundheit, für Dienst am Mensch, für Infrastruktur." Man müsse Programme finden, wie öffentliches und privates Geld möglichst effektvoll eingesetzt werden könne für mehr Arbeit.

Explizit sprach sich Müntefering für Investitionen aus, die zugleich den Kampf gegen den Klimawandel forcierten: "Ich hätte kein Problem, wenn Bund, Länder und Gemeinden erklären, dass alle öffentlichen Gebäude in den nächsten fünf oder zehn Jahren energetisch saniert werden. Das wäre eine Win-win-win-Situation: Arbeit für das Handwerk, gut für die Umwelt und schnelle Amortisation über sinkende Energieausgaben."

Müntefering sprach sich zudem für die generelle Festsetzung von Maximallöhnen für Manager aus. Ihm wäre es am liebsten, wenn die Wirtschaft das über einen Ehrenkodex selbst regeln würde. "Da das aber offenkundig mit den Ackermännern nicht geht, muss der Gesetzgeber ran", sagte der SPD Chef.

Priorität habe aber die Stabilisierung der Lage. Man könnte sich jetzt zwar "alle Oberkadetten packen und sie rütteln und schütteln", sagte Müntefering. Aber was wäre gewonnen? Man müsse zuerst sehen, was zu tun sei, damit im Interesse der Leute möglichst viel Stabilität gewonnen werde. "Spareinlagen sichern! Arbeitsplätze erhalten! Anschließend können wir den Verantwortlichen immer noch den Hintern versohlen."

Den global agierenden Bankern warf Müntefering vor, in den vergangenen Jahren "kapitalistisches Roulette" gespielt zu haben. "Selbst die allergrößten Banker, die sonst immer voller Verachtung auf uns kleine Politiker gucken, haben offensichtlich nicht gewusst, was sie eigentlich anstellen", sagte er. "Ich musste auch erst lernen, was die Kameraden da machen. Wir lernen jetzt alle bitter dazu."