Islam Glaubenskrieg um Berliner Moschee

Zum ersten Mal eröffnet ein islamisches Gotteshaus in einem Ostberliner Stadtteil. Unter großem Polizeiaufgebot

Die umstrittene Khadidja-Moschee im Berliner Stadtteil Pankow-Heinersdorf

Die umstrittene Khadidja-Moschee im Berliner Stadtteil Pankow-Heinersdorf

In Berlin gibt es bereits mehr als 40 Moscheen. Aber noch nie hat ein Neubau für so viel Aufruhr gesorgt wie der der Khadidja-Moschee im Ostberliner Stadtteil Pankow-Heinersdorf. Vor der Eröffnungsfeier am Abend warben daher Prominente und Politiker für Toleranz und Religionsfreiheit. Erwartet wurden aber auch mehrere Hundert Demonstranten, die seit langem gegen die Moschee protestieren. Die Polizei schickte zum Schutz der Festgemeinde rund 500 Beamten zum Einsatz.

Anfang 2006 hatte die Ahmadiyya-Gemeinde bekannt gegeben, in Pankow ein Gebetshaus bauen zu wollen, mit Minarett und Kuppel. Bezirksamt und Verfassungsschutz winkten den Plan durch. Die Nachbarschaft aber spaltete sich sofort in zwei Lager: das der Empörten und das der Toleranten.

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Die Ahmadiyya-Gemeinde sieht sich als konservative Reformbewegung innerhalb des Islam. Ihre Anhänger bezeichnen sich als „wahre Muslime“ und wollen zurück zum „unverfälschten Koran“. In Deutschland leben 60.000 sogenannte Ahmadis, in Berlin knapp 200. Obwohl der Verfassungsschutz sie als friedlich einstuft, hat man im Kiez Angst vor Extremisten. Die Moschee-Gegner der Initiative Pankow Heinersdorfer Bürger (Ipahb) haben deshalb zwei Jahre lang versucht, mit Demos, Bürgerbegehren und Strafanzeigen den Bau zu stoppen. Unterstützt wurden sie dabei von der NPD und der örtlichen CDU.

In ihrer Argumentation berufen sich die Gegner auf Schriften der Ahmadis. Darin wollen sie Texte gefunden haben, in denen Gewalt gegen Frauen verherrlicht und Homosexuelle diskriminiert würden. Die Bürgerinitiative zeigte sich in einem Aufruf zur Demonstration bei der Eröffnung empört darüber, dass Ahmadiyya-Frauen durch das „Reichen negativer Zärtlichkeiten“ diszipliniert werden dürften. Ihrer Ansicht nach seien die Ahmadis eine „frauenfeindliche Sekte“.

Abdul Basit Tariq, Imam der Gemeinde, wehrt sich gegen solche Vorwürfe. Diese seien aus dem Zusammenhang gerissen. Die Frauen der Gemeinde dürfen sogar im Kuppelsaal beten. Männer müssen sich mit einer Etage tiefer begnügen. Das Gebäude, das den Namen der ersten Frau des Propheten Mohammed trägt, wurde von einer muslimischen Architektin entworfen.

Mittlerweile ist der Kreisvorsitzende der Pankower CDU Peter Kurth ins Lager der Ahmadiyya-Freunde übergewechselt. Er hat sich der Anwohnerinitiative „Wir sind Pankow-tolerant und weltoffen“ angeschlossen und setzt sich nun für Religionsfreiheit ein. Grund für seinen Sinneswandel war eine angekündigte Mahnwache der NPD, mit der er nicht in Verbindung gebracht werden wollte. SPD, Grüne und Linkspartei waren von Anfang an auf der Seite der Ahmadis. Auch viele Heinersdorfer Bürger unterstützen in Plakataktionen und Gegenkundgebungen die muslimische Gemeinde vor Ort. So wollten sie auch am Abend der Eröffnung mit einem Friedensband durch Heinersdorfer Straßen marschieren.

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