"Wir brauchen einen Präsidenten, der nicht nur weitermacht wie bisher...", sagte Powell am Sonntag im TV-Sender NBC. "Der neue Präsident muss das Ansehen wiederherstellen, das wir in der Welt hatten", so der 71-jährige Powell, der unter dem Republikaner George W. Bush als erster Schwarzer in der US-Geschichte Außenminister war. Ein Präsident Obama wäre auch ein "Generationenwechsel".

Die öffentliche Unterstützung für Obama gilt als schwerer Schlag für den republikanischen Kandidaten John McCain, der in den Umfragen zwei Wochen vor den Wahlen deutlich zurück liegt. Powell machte ausdrücklich klar, dass er Obama nicht unterstütze, nur weil er Afro-Amerikaner sei. Obama verstehe es, die Amerikaner zu inspirieren, er habe "alle in seine Kampagne eingeschlossen". Die Amerikaner sollten "stolz sein", wenn er gewinne, sagte Powell. "Nicht nur die Afroamerikaner." Allerdings fügte Powell hinzu, dass er für Obama keinen Wahlkampf machen werde.

Bereits zuvor hatten sich mehrere US-Zeitungen für Obama ausgesprochen. Nach der Washington Post und der Los Angeles Times gab am Samstag auch die Chicago Tribune eine Wahlempfehlung zugunsten Obamas ab. Auch die konservative Londoner Zeitung The Times hatte sich öffentlich zu Obama bekannt.

Zugleich gab das Obama-Lager am Sonntag bekannt, man habe allein im September 150 Millionen an Wahlkampfspenden eingenommen. Wie die New York Times berichtete, kann Obama angesichts sprudelnder Spendeneinnahmen derzeit mindestens vier Mal so viel für Wahlkampf-Fernsehspots ausgeben als sein republikanischer Gegner John MacCain. Der ist verbittert über diese Entwicklung. "Sie haben Ihr Wort gebrochen, Senator Obama", hielt er seinem Gegner in der jüngsten TV-Debatte vor. Tatsächlich hatten beide Kandidaten anfangs versprochen, ihre Kampagnen mit öffentlichen Mitteln zu finanzieren. Demnach standen ihnen beiden jeweils 84 Millionen Dollar zu.

Doch die unerwartet sprudelnden Gelder zu seinen Gunsten veranlassten Obama zum Sinneswandel: Er verzichtete auf die Staatshilfen und setzte ganz auf Spenden - mit durchschlagenden Erfolg. Der Demokrat begründete seine Wende mit dem Hinweis auf viele "dunkle" Kanäle und sogenannte unabhängige Organisationen, die traditionell republikanische Kandidaten unterstützen.