Es sei ein "verbotenes Thema", aber man komme nicht drum herum, schreibt der konservative Kommentator Patrick Buchanan heute in seinem Blog und fragt: Welche Rolle spielte die gemeinsame Hautfarbe, als Colin Powell am Wochenende öffentlich zur Wahl Barack Obamas aufrief?

Im vergangenen Jahr hatte Powell die höchste zulässige Summe von 2300 Dollar an John McCain gespendet und war zeitweise sogar als dessen möglicher Vizekandidat gehandelt worden. Doch am Sonntag sprach sich der Republikaner und frühere Außenminister unter George W. Bush für Obama aus . Patrick Buchanan, der bereits unter den Präsidenten Richard Nixon, Gerald Ford und Ronald Reagan als Berater im Weißen Haus tätig war, sieht darin einen Verrat, für den es nur einen Grund geben könne: " Tribal Politics ", Politik nach "Stammeszugehörigkeit".

"Indem er Barack als 'Figur des Wandels' bejubelt, dessen Wahlsieg 'unser Land und die Welt begeistern' würde, scheint Powell die Bedeutung von Baracks Ethnie in seiner Entscheidung zu bezeugen", so Buchanan. "Denn wie sonst könnte der Junior-Senator, der keine bedeutenden gesetzgeberischen Erfolge erzielt hat, unsere Politik anders verändern und die Welt anders begeistern als durch die Tatsache, dass er der erste afroamerikanische Präsident wäre?"

So ausdrücklich hatte das bisher nur der prominente Radiokommentator Rush Limbaugh gesagt, einer der Einpeitscher des konservativen Amerikas. "Powell sagt, seine Wahlunterstützung hat nichts mit Hautfarbe zu tun", wird Limbaugh in der Zeitung The Politico zitiert . "Okay, gut. Ich recherchiere jetzt seine früheren Wahlempfehlungen, um zu sehen, ob ich unerfahrene, linksliberale, weiße Kandidaten finden kann, die er unterstützt hat."

Andere Powell-Kritiker vermieden tunlichst, sich auf das Glatteis der gegenseitigen Rassismus-Vorwürfe locken zu lassen. Als "Sieg der Hoffnung über die Realität" bezeichnet etwa die konservative Bloggerin Michelle Malkin Powells Wahlempfehlung. Sie distanzierte sich nachträglich ausdrücklich von Kommentatoren, die dem Ex-Außenminister in ihrem Blog vorwarfen, er habe sich vor allem von ethnischen Überlegungen bewegen lassen und nicht von politischen Inhalten.

Powell, der im New Yorker Schwarzenviertel Harlem geboren wurde und in der South Bronx aufwuchs, muss den Vorwurf erwartet haben. Als er 1958 die Offizierslaufbahn bei der US Army einschlug, waren gerade vier Jahre vergangen, seit der Oberste Gerichtshof die Rassentrennung an öffentlichen Schulen für verfassungswidrig erklärt hatte. Noch 1957, ein Jahr vor seinem Dienstbeginn als Second Lieutenant, war der Schutz der Army notwendig, um neun schwarzen Teenagern den Besuch einer bis dato weißen Schule in Little Rock, Arkansas, zu ermöglichen – gegen den Willen des Gouverneurs und der weißen Anwohner. Später wurde Powell der erste schwarze Chef der amerikanischen Streitkräfte und unter George W. Bush der erste schwarze Außenminister der USA.