Stammzellforschung Die Macht der Zelle

In Mäusen haben US-Forscher eine komplette Prostata gezüchtet. Der Clou: Nur eine einzige Stammzelle war hierfür nötig. Gleiches könnte bald auch im Menschen möglich sein und gegen Krebs helfen

Sie ist gerade mal so groß wie eine Walnuss und dennoch kann sie Mann so richtig in Wallung bringen. Wird sie stimuliert, kann das sexuell erregend wirken. Auch sonst hat die Prostata wichtige Aufgaben, hält sie doch Spermien fit und beweglich. Allerdings werden Männer erst spät auf die kleine Drüse aufmerksam. Dann nämlich, wenn sie zum Problem wird.

Etwa die Hälfte aller über 60-Jährigen leiden an einer gutartigen Vergrößerung der Prostata, die Schmerzen beim Wasserlassen verursacht. Ist die Vergrößerung bösartig, bedeutet das Krebs. Allein in Deutschland sterben jährlich mehr als 10.000 Männer an dieser Erkrankung. Zwar lässt sich der Prostatakrebs recht gut behandeln, dennoch weckt eine Studie jetzt ungeahnte Perspektiven.

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Krankes Prostatagewebe könnte in Zukunft entweder gezielt nach- oder vollkommen neu wachsen. Genau das ist Wei-Qiang Gao und seinem Team vom kalifornischen Unternehmen Genentech nun erstmals gelungen. Wie die US-Forscher im Wissenschaftsmagazin Nature schreiben, konnten sie in Mäusen aus einer einzigen Stammzelle eine komplette Prostata züchten. Und das gleich 14 Mal. Was in der Maus geklappt hat, ist den Forschern zufolge auch im Menschen denkbar. Gao und seine Kollegen entdeckten geringe Mengen der gleichen Stammzellen auch im menschlichen Prostatagewebe. Der erste Schritt für mögliche Therapien gegen den Prostatakrebs?

"Die Forscher haben die zwei funktionellen Kriterien, die Stammzellen ausmachen, klar herausgearbeitet", sagt Stammzellforscher Albrecht Müller von der Universität Würzburg. "Die entdeckten Zellen können Gewebe aufbauen und neue Stammzellen ausbilden", erläutert Müller. Der entscheidende Schritt sei allerdings die erfolgreiche Transplantation der Zelle in lebendes Gewebe von Mäusen gewesen. Jetzt sei es wichtig, das Tumorgeschehen auch im Menschen mit den gefundenen Stammzellen genau zu beobachten.

Seit Jahren ist bekannt, dass die Prostata Stammzellen besitzt. Bislang war es aber nicht gelungen, diese klar nach ihren Aufgaben zu trennen, geschweige denn jene zu finden, die das Potenzial besitzen, eine komplette Prostata auszubilden. Die Forscher fahndeten nach sogenannten adulten Stammzellen und wurden auf eine kleine Gruppe von Zellen aufmerksam, die ein bestimmtes Molekül namens CD 117 auf ihrer Oberfläche tragen. Anschließend isolierten Gao und sein Team die CD-117-Zellen und testeten sie zunächst im Labor auf ihre Fähigkeiten und anschließend in Mäusen.

"Dann mussten sie nur noch schauen, ob die neu entwickelten Zellen auch tatsächlich von der implantierten Stammzelle ausgegangen sind", sagt Müller. Ähnliche Versuche haben bereits Stammzellen aus dem Blut, den Nerven und der Haut isoliert, die sich selbst teilen und zu Gewebe entwickeln können. Ob menschliche CD-117-Zellen sich genauso züchten lassen, muss jetzt noch überprüft werden. Doch allein die Möglichkeit, die Stammzellen der Prostata genau unterscheiden zu können, wird die Suche nach Krebszellen deutlich erleichtern, hoffen die US-Forscher.

 
Leser-Kommentare
  1. Wir können immer geschicktere Zauberlehrlinge werden, wenn wir weiter so die Grenzen des Machbaren erweitern. Wir werden zum Opfer unserer Kunststücke werden, wenn wir die Folgen unseres Handelns weiter wie lästiges und zeitraubendes Palaver behandeln, das wir denen überlassen, die in ihren vorläufig sicheren Türmchen sitzen.
    Die Illusion des Schöpfenden und des Herrn über Sein und Nichtsein bringt uns keinen Millimeter dem Wissen über die Regeln der Schöpfung näher.
    Solange wir das Geheimnis der Schöpfung und ihrer Überlebensbedingungen nur rudimentär kennen, fehlen uns die Voraussetzungen für Ansprüche, die einige Stammzellenforscher aus ihren Träumen in die Realität gerettet haben.
    Die Dimensionen jenseits unserer Wahrnehmung werden uns nicht den Gefallen tun, zu schweigen, nur weil wir für ihre Klänge und Botschaften "kein Ohr" haben.

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    Jeden Tag leiden Menschen, die von ihren Qualen befreit werden könnten, wenn wir die Funktionsweise des Körpers und seiner Zellen besser verstehen und therapeutisch manipulieren können.

    Das hilft den Kranken wirklich und keine Ausflüge ins Metaphysische und in die Moral des Leidens

    Jeden Tag leiden Menschen, die von ihren Qualen befreit werden könnten, wenn wir die Funktionsweise des Körpers und seiner Zellen besser verstehen und therapeutisch manipulieren können.

    Das hilft den Kranken wirklich und keine Ausflüge ins Metaphysische und in die Moral des Leidens

  2. Jeden Tag leiden Menschen, die von ihren Qualen befreit werden könnten, wenn wir die Funktionsweise des Körpers und seiner Zellen besser verstehen und therapeutisch manipulieren können.

    Das hilft den Kranken wirklich und keine Ausflüge ins Metaphysische und in die Moral des Leidens

  3. Tierversuche - wissenschaftlicher Betrug:
    Das beliebteste Versuchstier hat ein Gewicht von 20-30 g, sein Herz hat die Länge von 0,8 cm, der Magen ein Fassungsvermögen von 1,5 ml. Die Rede ist vom Pharmavorkoster des Menschen: Der Maus.
    Obwohl diese Daten eindeutig beweisen, daß eine Maus niemals Modellcharakter für den 70.000 Gramm schweren Menschen haben kann, wird mit ihr millionenfach experimentiert - weil sie so billig ist und so handlich. Neben Meerschweinchen, Kaninchen und Ratten werden Mäuse als »klassische Laboratoriumstiere« beschrieben, »da ihre Zucht, Haltung und Pflege weniger aufwendig ist als die der größeren Tiere«. Ausschließlich wirtschaftliche Aspekte bestimmen demnach diese Auswahl, die mit wissenschaftlicher begründeter Selektion nicht das Geringste zu tun hat. (»Größere Tiere« sind übrigens auch kein Abbild des Menschen und deswegen genauso wenig geeignet.)

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