Qualität im Fernsehen Der Skandal der Intendanten

Thomas Gottschalk und Marcel Reich-Ranicki diskutieren über das Fernsehen. Es geht darum, wie Scham und Schamlosigkeit das TV prägen

Es wird sie geben heute Abend, um 22:30 Uhr im ZDF: die Sendung über die Qualität des Fernsehens, die der Moderator Thomas Gottschalk auf der Gala der Verleihung des Deutschen Fernsehpreises Marcel Reich-Ranicki angeboten hatte, nachdem der den Ehrenpreis für sein Lebenswerk gerade abgelehnt hatte.

Wir sehen nun also Gottschalk und den eben noch erbosten Kritiker in heimeliger Kulisse des öffentlich-rechtlichen Fernsehens „aus gegebenem Anlass“ über das Fernsehen sprechen. Damit soll dann der Eklat schnell vergessen sein. Dabei war nicht Marcel Reich-Ranickis Auftritt ein Eklat, wie es zahllose Medien am Tag nach der Preisverleihung behaupteten, sondern der Umgang mit seiner Kritik.

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Ist eine kollektive Amnesie ausgebrochen unter den Kommentatoren, die jetzt über die bevorstehende Sendung schreiben als sei dies ein Zeugnis von Selbstkritik, und nicht einfach nur ein Sedativ, mit dem hinweggetäuscht werden soll darüber, wie schäbig sich die Intendanten gerade benehmen? Erinnert niemand mehr, worum es in Gottschalks Angebot eigentlich ging?

Ein Gespräch mit den zuständigen Intendanten hatte der Moderator von der Bühne herunter angeregt. Dabei hatte er die einzelnen Sender-Verantwortlichen in den ersten Reihen vor laufenden Kameras abgefragt, ob sie dazu bereit wären. Zumindest die Chefs der öffentlich-rechtlichen Anstalten hatten für jeden sichtbar genickt. Was ist daraus geworden? Warum soll dieses Versprechen nun nicht mehr gelten?

Bei aller Liebe zu dem freundlichen und selbst-ironischen Gottschalk - damit ist der Skandal der Kritik des Fernsehens nun wirklich zu einem Skandal geworden, nämlich zu einem der Intendanten. Die Sender-Verantwortlichen zeigen heute Abend durch ihre Abwesenheit, dass sie sich als Un-Verantwortliche verstehen.

Gewiss (das hatte auch Reich-Ranicki am Abend der Preisverleihung selbst ganz deutlich gesagt) gab es wunderbare Produktionen, die dieses Jahr zu Recht von der Jury mit dem Fernsehpreis ausgezeichnet wurden: Eric Friedlers Dokumentation Das Schweigen der Quandts , der von Connie Walther gedrehte Stasi-Film 12 heißt: Ich liebe dich oder auch die Contergan -Produktion sind exzellente Beispiele für die Fähigkeit des Fernsehens, auch komplexe, sozial und politische relevante Themen in eine schöne Erzählform zu bringen.

Es stand also niemals das Medium an sich auf dem Prüfstand. Und alle, die die Kritik von Reich-Ranicki einfach als Pauschalverurteilung abtun oder die den Kritiker als alten Greis pathologisieren wollten, haben nichts verstanden. Die Abwesenheit der Intendanten heute belegt vielmehr, dass die Kritiker des Fernsehens seine eigentlichen Verteidiger sind.

Leser-Kommentare
  1. ... das fleischgewordenen symbol überteuerter und niveauloser senderpolitik der öffentlich-rechtlichen!

  2. Die Damen und Herren Indentanten haben öffentlich und sichtbar abgenickt – eine Stunde Diskussion und Sendezeit mit MRR über Kriterien eines guten Fernsehens.

    Die Erwartungen von MRR waren nicht sehr groß, dass bei dem versprochenen Gespräch Vernünftiges zustande kommen könnte. Zu Recht, wie sich zeigt, schon die Sendezeit wird halbiert und von den hoch bezahlten Intendanten keine Spur. Das bedeutet doch, die Damen und Herren haben keine Lust ihre Positionen zu erläutern.

    Die Sender verkaufen der Bevölkerung soviel >Mist< weil sie behaupten, das Publikum wünscht das so. Der Gott des Fernsehens ist die Quote – hohe Quote, gute Sendung, niedrige Quote - schlechte Sendung. Übertrüge man das auf die Finanzbrache, bedeutete das – die Leute haben den >Mist< doch gekauft, also gutes Produkt.

    An die intellektuellen Ansprüche der Intendanten muss man aber doch höhere Ansprüche stellen. Zumal das öffentlich rechtliche Fernsehen doch keiner Zwangsbindung wegen seiner Finanzierung mit Einflüssen aus den Werbeabteilungen der Industrie ausgesetzt ist. Sie hätten die Freiheit ohne Not intelligentere Unterhaltung anzubieten. Es muss doch keinen Wettstreit nach unten geben – >wer macht die dümmste Serie<.

    MRR kennt das aus der Literatur. Er käme nie auf die Idee die >Feuchtgebiete< für Literatur zu halten oder Bushidos Ergüsse, nur weil sie in den Bestsellerlisten ganz oben stehen.

    Wagt doch mal was, ihr Öffentlich Rechtlichen – macht mal Programme, die Programme, die ihr der Quote wegen angeblich nicht senden könnt. Das Volk ist klüger als ihr denkt.

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    • Medley
    • 18.10.2008 um 18:53 Uhr

    "MRR kennt das aus der Literatur. Er käme nie auf die Idee die >Feuchtgebiete< für Literatur zu halten oder Bushidos Ergüsse, nur weil sie in den Bestsellerlisten ganz oben stehen."

    Ubbs. Woher wissen Sie denn, dass die "Feuchtgebiete" und Bushidos "Ergüsse" keine Literatur sind? Haben Sie diese Publikationen denn überhaupt schon mal gelesen, um sich ein Urteil darüber bilden und erlauben zu können? Mutmaßlich reden Sie doch über diese Art von Büchern wie der Herr Ranizki über's Fernsehen, nämlich ohne Sachkenntnis. Der Herr Ranizki ist ein Literaturkritiker, der als Schuster mal besser bei seinen Sohlen bleiben sollte. Im Übrigen haben die Fernsehintendanten ja auch durchaus Recht, wenn sie sagen, dass MRR ja nie mit Leuten über Literatur reden würde, die keinerlei Bücher in ihren Wohnzimmerregalen stehen haben. Warum aber sollten sie dann mit ihm fachkompetent über das Fernsehprogramm diskutieren wollen, wenn er diese Fernsehprogramme ja garnicht anschaut? Dieser Einwand ist doch eigentlich berechtigt, oder?

    • Medley
    • 18.10.2008 um 18:53 Uhr

    "MRR kennt das aus der Literatur. Er käme nie auf die Idee die >Feuchtgebiete< für Literatur zu halten oder Bushidos Ergüsse, nur weil sie in den Bestsellerlisten ganz oben stehen."

    Ubbs. Woher wissen Sie denn, dass die "Feuchtgebiete" und Bushidos "Ergüsse" keine Literatur sind? Haben Sie diese Publikationen denn überhaupt schon mal gelesen, um sich ein Urteil darüber bilden und erlauben zu können? Mutmaßlich reden Sie doch über diese Art von Büchern wie der Herr Ranizki über's Fernsehen, nämlich ohne Sachkenntnis. Der Herr Ranizki ist ein Literaturkritiker, der als Schuster mal besser bei seinen Sohlen bleiben sollte. Im Übrigen haben die Fernsehintendanten ja auch durchaus Recht, wenn sie sagen, dass MRR ja nie mit Leuten über Literatur reden würde, die keinerlei Bücher in ihren Wohnzimmerregalen stehen haben. Warum aber sollten sie dann mit ihm fachkompetent über das Fernsehprogramm diskutieren wollen, wenn er diese Fernsehprogramme ja garnicht anschaut? Dieser Einwand ist doch eigentlich berechtigt, oder?

    • iDog
    • 17.10.2008 um 19:32 Uhr

    eine vernuenftiger artikel der ZEIT.

  3. Elke Heidenreich, als Prominente von den Chefs lange gepäppelt, macht jetzt dieselbe Erfahrung wie andere, nicht durch Festanstellung geschützte interne Kritiker der Anstalten: sie wird als Nestbeschmutzerin behandelt, mit Rauswurf bestraft.
    Parallelen zum Fall Biermann sind kein Zufall.
    Der Zustand der inneren Demokratie in aufs Grundgesetz verpflichteten Einrichtungen unseres Landes sagt einiges über die politische Situation insgesamt.

    • yato
    • 17.10.2008 um 21:10 Uhr

    Das ist doch ein Witz, dass diese TV Intendanten, die vom Volk (mit einer Stasi- ähnliche Institution) GEZ Gebühren erpressen nicht bereit sind sich persönlich der offenen Kritik bei der heutigen Sendung mit Marcel Reich-Ranicki zu stellen.
    Das sagt schon alles!

    Z.B. Arte, 3-Sat, Phoenix sind gute Sender, die der Bildung und Aufklärung dienen. Die sollten vom Staat weiterhin unterstützt werden. ARD und ZDF gehört abgewickelt oder privatisiert (und die besten Info Sendungen von dort zu Arte oder Phoenix). Die GEZ gehört abgeschafft!
    Was unterscheidet die Tagesschau oder Tagesthemen (mit ihren aalglatten Themen und Nachichtensprechern) heute von der Spießigkeit der Aktuellen Kamera im DDR Fernsehen?

    "Mit dem Zweiten sieht man besser" - von Wegen - auch hier gehören nicht nur 2 Finger vor 1 Auge, sondern beide Hände vor beide Augen!

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    So als seien die Deutschen zu arm um GEZ-Gebühren zu zahlen, geht mir das populistische Gejammere auf die Nerven.
    Der Kommentator ignoriert schließlich in seiner Argumentation, dass 3sat, Phoenix etc. sehr häufig von ARD und ZDF-OProduktionen "lebt".

    So als seien die Deutschen zu arm um GEZ-Gebühren zu zahlen, geht mir das populistische Gejammere auf die Nerven.
    Der Kommentator ignoriert schließlich in seiner Argumentation, dass 3sat, Phoenix etc. sehr häufig von ARD und ZDF-OProduktionen "lebt".

  4. Zwei Grundlegende Fragen für angehende (Land)wirtschaftsexperten:

    1. Woran erkennt man Mist, wenn einem nur Mist vorgesetzt wird?

    2. Wenn Mist Mist misst, wer misst Mist?

    Go Ranicki, plätte das Goldlöckchen :).

  5. So als seien die Deutschen zu arm um GEZ-Gebühren zu zahlen, geht mir das populistische Gejammere auf die Nerven.
    Der Kommentator ignoriert schließlich in seiner Argumentation, dass 3sat, Phoenix etc. sehr häufig von ARD und ZDF-OProduktionen "lebt".

  6. es wurden seit es fernsehen / kino gibt klassische stoffe massentauglich, damit kommerziell erfolgreich verfilmt: bspw. burton / tayler in der widerspenstigen zähmung oder in den 90ern romeo und julia mit di caprio. ich meine, da ist fernsehen ein guter türöffner zum original.

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