Schach-WM "Das ist wie Fußball"Seite 2/2

ZEIT ONLINE: Gibt es auch Psychotricks beim Schach?

Pfleger: Der ehemalige Weltmeister Kasparow hat das durchaus gemacht, auch gegen Anand, als sie 1995 gegeneinander spielten. Als Kasparow nach der 9. Partie zurücklag, fing er an, die Türen zu schlagen und Grimassen zu schneiden. Das hat Anand damals wirklich beeindruckt und er hat das Match verloren. Ein anderes Beispiel ist dieses durchdringende Anstarren, was man von Kasparow oder auch Karpow kennt. Solche Taktiken sind bei diesem Match zwischen Kramnik und Anand aber undenkbar. Sie gehen sehr fair miteinander um.

ZEIT ONLINE: Vor zwei Jahren gab es einen Eklat um einen Toilettenbesuch Kramniks.

Pfleger: Das war im Match gegen Wesselin Topalow. Kramnik führte damals drei zu eins, als die Gegenseite in einer wirklich äußerst unappetitlichen Weise behauptete, Kramnik würde betrügen und empfange in seinem Ruheraum während des Spiels Informationen. Es war absurd, hat aber trotzdem seine Spuren bei Kramnik hinterlassen. Er war zutiefst in seiner Ehre verletzt, ist zur fünften Partie nicht angetreten und hat sie kampflos verloren und dann sogar noch die sechste. Schließlich gewann Kramnik doch noch im Tiebreak. Es gab aber auch Fälle, in denen tatsächlich Betrug nachgewiesen werden konnte. Das macht es leider notwendig, dass man die Spieler heutzutage wie auf dem Flughafen mit Metalldetektoren untersucht.

ZEIT ONLINE: Am 31. Oktober wird die letzte Partie des Matches stattfinden. Glauben Sie, dass es bis dahin spannend bleibt?

Helmut Pfleger: Es kann sein, dass Kramnik noch die letzte Partie gewinnen muss, um einen Gleichstand zu erzielen, dann käme es zum Tie-Break. Es kann aber auch sein, dass Anand heute nochmal gewinnt und mit zwei Punkten fast uneinholbar in Vorsprung geht. Das ist wie im Fußball – der eine schießt zweimal gegen die Latte, aber der Gegner kontert und schießt das Tor. Es ist nicht vorherzusehen.

 
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