OECD-Studie Mehr Armut, mehr Ungleichheit

In Deutschland hat sich nach einer Studie der OECD die Schere zwischen Arm und Reich stärker geöffnet als in fast allen anderen Industriestaaten

Deutschland war lange Zeit stolz auf sein im Vergleich zu anderen Ländern geringes Einkommensgefälle. Das galt als wichtiger Grund für den sozialen Frieden in der alten Bundesrepublik. Doch in den vergangenen zwei Jahrzehnten hat die soziale Ungleichverteilung stark zugenommen.

Dies geht aus einer Untersuchung hervor, die im Auftrag der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) erstellt und am Dienstag veröffentlicht wurde. Allerdings wuchs die Einkommensungleichheit zwischen 1985 und 2005 nicht nur in Deutschland, sondern in drei Viertel aller OECD-Länder. Lediglich in fünf Ländern (Frankreich, Spanien, Irland, Griechenland und der Türkei) wurde sie geringer. 

Anzeige

Besonders drastisch war die Entwicklung seit dem Jahr 2000. Seit der Jahrtausendwende ist die soziale Ungleichheit in Deutschland rasant gestiegen – stärker, als in allen anderen 30 OECD-Staaten.

Die Studie geht, weil nur dafür international vergleichbare Zahlen vorliegen, lediglich bis 2005. Neuere Studien des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), das die OECD-Daten im Rahmen des Sozioökonomischen Panels (SOEP) erhoben hat, zeigen jedoch, dass die relative Armut in Deutschland 2006 noch weiter  zugenommen hat. 2007 ist sie aufgrund der sinkenden Arbeitslosigkeit aber wieder deutlich gefallen.

Gehörte Deutschland Mitte der achtziger Jahre laut OECD mit einem Anteil von etwa 6 Prozent Armen noch zu den Ländern mit geringen Einkommensunterschieden, betrug die sogenannte Armutsrate 2005 bereits 11 Prozent. Bei Kindern stieg die Rate in demselben Zeitraum von 7 auf 16 Prozent.

Von relativer Armut sind nach der OECD-Definition Personen betroffen, die über weniger als 50 Prozent des durchschnittlichen Pro-Kopf-Einkommens verfügen. Unter den Industrieländern besitzen die skandinavischen Länder Dänemark und Schweden die geringste Einkommensungleichheit, Portugal, die Türkei und Mexiko die größte.

In allen OECD-Länden hat sich der Studie zufolge zudem das Armutsrisiko von älteren Menschen auf jüngere verlagert. In Deutschland vollzog sich diese Entwicklung am ausgeprägtesten, was auf die relativ gute Altersversorgung zurückzuführen ist.

Leser-Kommentare
    • gayorg
    • 21.10.2008 um 10:17 Uhr

    Da faselt unsere Kanzlerin und ihr Wirtschaftsminister dummes Zeug von einem Konjun kturprogramm um die Nachfrage anzukurbeln. So ein Quatsch. eine der wichtigsten Ursachen für den Nachfragemangel ist doch wohl der immer größer werdende Unterschied zwischen Reich ( prozentual ein BRUCHTEIL der Bevölkerung aber mit einem riesigem prozentualem Anteil an Vermögen und Einkommen ) und arm. Um nachhaltig eine Ankurbelung zu erreichen muß dieser Trend der Umverteilung umgekehrt werden: Das kann und will man aber nicht. Statt dessen wird die stark ansteigende Zahl an geringverdienern als Reformerfolg verkauft. Tja wie sagt man doch so schön: Man muß dem Pferd nur genug Hafer geben, damit die Spatzen dahinter auch noch was davon haben.

    • Anonym
    • 21.10.2008 um 10:22 Uhr
    2. Armut

    Eine Unzulänglichkeit des Menschen ist es, jedes vermeintliche Übel an der Wurzel ausrotten zu wollen. Ohne Zweifel führt der Perfektionismus auch zu einigem Guten, aber man sollte die Sinnhaftigkeit dieses Tuns schon in Einzelfällen hinterfragen.

    Im vorliegenden Fall fragt sich: Was ist mit Armut gemeint ? Kann sie überhaupt beseitigt werden ?

    Was ist Armut ? Armut in Deutschland ist etwas völlig anderes als Armut in Afrika. Jeder Arme in Deutschland hat mindestens ein Handy, einen Fernseher, einen PC, möglicherweise noch ein Auto, einen mindestens halbvollen Kühlschrank und der eine oder andere Arme kann immerhin mit seinen Geldmitteln noch eine Alkoholsucht finanzieren.

    Kann sie überhaupt beseitigt werden ? Dazu müssten alle Informationsdefizite, welche zu einer suboptimalen Verteilung der Arbeitskräfte auf den Arbeitsmarkt führen, beseitigt werden. Weniger kompetente Arbeitnehmer müssten sich veränderlichen Nachfragebedingungen ohne Zeitverzögerung durch Fortbildung anpassen können.

    Meiner Ansicht nach sind diese Anforderungen sehr unrealistisch. Daher vertrete ich den Standpunkt: wir sind eine Gesellschaft, die es sich leisten kann, Arme mit dem zum Leben notwendigen zu versorgen.

    Das ALG II als demütigende, Unzufriedenheit und Ausgrenzung erzeugende, Sozialleistung ist - sage ich - daher zu ersetzen durch ein bedingungsloses Bürgergeld für alle Bürger, ob arm oder reich. Als Konsequenz müssen wir uns damit abfinden, dass es Armut gibt und immer geben wird, dass man aber trotz Armut glücklich sein kann, da man - im Gegensatz zu den Menschen in Afrika - durch die ökonomische Kraft der Gemeinschaft versorgt ist.

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Um den Preis einer fast stagnierenden Wirtschaftsentwicklung scheint es momentan so zu sein, als könnten wir Deutsche es uns tatsächlich leisten, unsere "Armen" zu subventionieren. Aber ist es auch sinnvoll??

    - Es ist bekannt, daß der "Beruf" der meisten Kinder aus Hartz-4-Haushalten eben wieder Hartz-4-empfänger ist. Unter diesen Umständen halte ich es für sekundär, über die Höhe dieser Sozialleistung zu diskutieren - Selbstachtung und Würde kann der Mensch nur erreichen, wenn er auch für sich selbst geradestehen kann!

    Wir müssten statt dessen hier viel mehr über eine verbesserte Arbeitsvermittlung und (vorübergehende) Lohnsubventionen reden!

    Armut in Deutschland - gibt es eigentlich gar nicht- höchstens relative Armut !

    So ein Unsinn. Auto, Handy, Fernseher - das alles kann man vom Hartz IV-Satz nicht bezahlen. Wenn Empfaenger von Hartz IV das besitzen, dann doch nur, weil sie es sich frueher einmal angeschafft haben, als sie noch ein regelmaessiges Einkommen hatten. Oder vielleicht auch, weil sie einen ausgemusterten Fernseher geschenkt aus der Verwandtschaft geschenkt bekommen haben. Plaedieren Sie im Ernst dafuer, dass man den Leuten auch noch ihre frueheren Anschaffungen komplett wegnimmt, bevor man sie subventioniert?

    Um den Preis einer fast stagnierenden Wirtschaftsentwicklung scheint es momentan so zu sein, als könnten wir Deutsche es uns tatsächlich leisten, unsere "Armen" zu subventionieren. Aber ist es auch sinnvoll??

    - Es ist bekannt, daß der "Beruf" der meisten Kinder aus Hartz-4-Haushalten eben wieder Hartz-4-empfänger ist. Unter diesen Umständen halte ich es für sekundär, über die Höhe dieser Sozialleistung zu diskutieren - Selbstachtung und Würde kann der Mensch nur erreichen, wenn er auch für sich selbst geradestehen kann!

    Wir müssten statt dessen hier viel mehr über eine verbesserte Arbeitsvermittlung und (vorübergehende) Lohnsubventionen reden!

    Armut in Deutschland - gibt es eigentlich gar nicht- höchstens relative Armut !

    So ein Unsinn. Auto, Handy, Fernseher - das alles kann man vom Hartz IV-Satz nicht bezahlen. Wenn Empfaenger von Hartz IV das besitzen, dann doch nur, weil sie es sich frueher einmal angeschafft haben, als sie noch ein regelmaessiges Einkommen hatten. Oder vielleicht auch, weil sie einen ausgemusterten Fernseher geschenkt aus der Verwandtschaft geschenkt bekommen haben. Plaedieren Sie im Ernst dafuer, dass man den Leuten auch noch ihre frueheren Anschaffungen komplett wegnimmt, bevor man sie subventioniert?

  1. Um den Preis einer fast stagnierenden Wirtschaftsentwicklung scheint es momentan so zu sein, als könnten wir Deutsche es uns tatsächlich leisten, unsere "Armen" zu subventionieren. Aber ist es auch sinnvoll??

    - Es ist bekannt, daß der "Beruf" der meisten Kinder aus Hartz-4-Haushalten eben wieder Hartz-4-empfänger ist. Unter diesen Umständen halte ich es für sekundär, über die Höhe dieser Sozialleistung zu diskutieren - Selbstachtung und Würde kann der Mensch nur erreichen, wenn er auch für sich selbst geradestehen kann!

    Wir müssten statt dessen hier viel mehr über eine verbesserte Arbeitsvermittlung und (vorübergehende) Lohnsubventionen reden!

    Antwort auf "Armut"
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
    • Anonym
    • 21.10.2008 um 11:41 Uhr

    "Selbstachtung und Würde kann der Mensch nur erreichen, wenn er auch für sich selbst geradestehen kann!"

    Da sind wir vollkommen einer Meinung. Allerdings frage ich mich, ob der Staat wirklich den "Armen" oder Empfängern von Sozialleistungen noch zusätzlich eins auf die Zwölf geben muss. Vor allem aber fragt sich, ob man mit der Entwürdigung der Armen dem gesteckten Ziel der Kostenreduktion im Sozialwesen auch nur einen Schritt näher kommt.

    Vielmehr stellt sich mir die gegenwärtige Problematik grob vereinfacht so dar: Jemand der ALG II bekommt, fragt sich, warum er arbeiten sollte, wenn er dafür weniger bekommt. Jemand der einen Verdienst nahe oder unter ALG II hat, fragt sich, warum er sich nicht lieber arbeitslos werden lässt.

    Dem ließe sich doch unzweifelhaft abhelfen, indem jede zusätzliche Arbeit auch mehr Einkommen bringt, oder nicht ? Und damit sich die ohnehin arbeitende Bevölkerung nicht übervorteilt fühlt, bekommt auch sie "ALG II". Dieses würden sie natürlich selber z.B. aus ihrem Bruttolohn finanzieren, so dass sich für sie, wie für die Arbeitslosen zunächst unter dem Strich nichts ändert.

    Der entscheidende Unterschied liegt darin, wie das System auf die Initiative zum Arbeiten reagiert: mit ALG II wird zusätzliche Arbeit bestraft, mit einem allgemeinen Bürgergeld wird Arbeit belohnt.

    Ja klar, es ist natürlich besonders einfach jemanden an den Strassenrand zu stellen und zu sagen " da, die freie Welt, jetzt such mal die Reichtümer..."

    Dabei vergessen alle und besonders die Erfolgreichen (welch lustiges Wort), das niemand ohne die Hilfe anderer etwas werden kann... das fängt schon als Kind an, zieht sich durch während der Jugend und führt weiter in die Welt der Erwachsenen und geht bis in das hohe Alter...

    ;-)

    “When I give food to the poor, they call me a saint. When I ask why the poor have no food, they call me a communist." — Dom Helda Camara

    ist Ihnen auch bekannt, dass ein Leben auf Hartz IV Niveau tatsächlich Hunger bedeutet, vor allen Dingen für die Kinder? Dass diese mit hungrigem Magen in der Schule sitzen? Dass der für den Schulbedarf angerechnete Regelsatz Hartz IV Regelsatz für Schüler viel zu niedrig ist?
    Dass es auch Menschen gibt, die aus gesnundheitlichen Gründen nicht arbeiten können, weil sie etwa blind oder taub sind, und auch nicht mehr als das viel zu niedrige Hartz IV bekommen? Dass beisppielsweise Blinden der Blindenhund gestrichen wurde?
    Dass es eine Reihe von Akademikern gibt, die auch keine Arbeit finden? Dass über 50jährige selbst mit guter Ausbildung nicht mehr genommen werden?

    Hartz IV hat nur dazu geführt, dass die Menschen in ARbeiststellen gezwungen wurden, die sie sonst nicht angenommen hätten, weil ihnen das Geld zum Leben nicht reicht. Ist Ihnen das bekannt? Ist das sinnvoll?????

    Wäre es denn nicht sinnvoller, Leute, die eventuell wirklich nicht arbeiten wollen, zumindest nicht unter den genannten Bedingungen, einfach in Ruhe zu lassen, denn das würde es für diejenigen, die arbeiten wollen, dann leichter machen, eine Arbeit zu finden und auch die Löhne stabiler halten - was wiederum der Binnenkonjunktur zugute käme.

    Mit Hartz IV wurden nicht mehr Arbeitsstellen geschaffen, vielmehr hat diese gegen Grund- und Menschrecht verstoßende GEsetzgebung zum Stellenabbau geführt, weil aufgrund der sinkenden Binnennachfrage immer mehr für den Binnenmarkt arbeitende Unternehmen schließen mussten. während für den Export arbeitende Firmen (vorwiegend in der Auto- und Maschinenindustrie) und Leiharbeitsfirmen auf dem Rücken der Arbeitnehmer in den letzten Jahren Rekordgewinne machten.
    __________________________________________________________________

    Bürger, sei wachsam!

    bitte maßen Sie sich nicht an, bestimmen zu wollen, wann ein anderer Mensch Selbstachtung und Würde erreichen kann.

    __________________________________________________________________

    Bürger, sei wachsam!

    unser derzeitiges Wirtschaftssystem unterstüzt Faulheit. Hat man es nämlich in unserer Gesellschaft erst einmal geschafft, so reich zu werden, dass man von den Zinsen, also von den Erträgen, die andere Leute erarbeiten leben kann, kann man sich ein Leben lang auf die faule Haut legen.

    Die Kinder brauchen dann gar nicht erst anfangen zu arbeiten, und können schon in frühen Jahren ausprobieren, wie man mit Aktien und so mit Leben der Arbeitnehmer und den davon abhängigen Familien herumspekulieren kann, ohne jemals selbst erfahren zu haben, oder jemals erfahren zu müssen, was Arbeit wirklich ist:

    http://www.morgenpost.de/...

    So produziert eine Generation von Nichtsnutzen dann immer wieder die nächste ( denn es ist ja längst nicht jede Tätigkeit sinnvoll, wie uns die derzeitige Bankenkrise lehrt).

    Das derzeitige, auf Verzinsung angelegte Geldsystem, sorgt dann immer weiter dafür, dass die Schere auseinander geht, und Reichtum und Macht sich in den Händen immer weniger Menschen konzentrieren, es sei denn es würde mit einer vernünftigen Steuer- und Abgabenpolitik ein Ausgleich geschaffen werde, aber das Passiert seit Jahrzehnten immer weniger, weil die Renditeerwartungen von Herrn Ackermann und Kumpannen bedient werden müssen, mit den Bekannten Folgen.

    Trotzdem werden es gerade Leute, die von dieser Problematik selbst ganz offenssichtlich nicht betroffen sein können, nicht müde, irgendwelche Möchtegern-Dokus aus dem Privaten Fernsehen, seit Neuestem auch schon im Öffentlich-Rechtlichen Fernsehen, zu zitieren.

    __________________________________________________________________

    Bürger, sei wachsam!

    • Anonym
    • 21.10.2008 um 11:41 Uhr

    "Selbstachtung und Würde kann der Mensch nur erreichen, wenn er auch für sich selbst geradestehen kann!"

    Da sind wir vollkommen einer Meinung. Allerdings frage ich mich, ob der Staat wirklich den "Armen" oder Empfängern von Sozialleistungen noch zusätzlich eins auf die Zwölf geben muss. Vor allem aber fragt sich, ob man mit der Entwürdigung der Armen dem gesteckten Ziel der Kostenreduktion im Sozialwesen auch nur einen Schritt näher kommt.

    Vielmehr stellt sich mir die gegenwärtige Problematik grob vereinfacht so dar: Jemand der ALG II bekommt, fragt sich, warum er arbeiten sollte, wenn er dafür weniger bekommt. Jemand der einen Verdienst nahe oder unter ALG II hat, fragt sich, warum er sich nicht lieber arbeitslos werden lässt.

    Dem ließe sich doch unzweifelhaft abhelfen, indem jede zusätzliche Arbeit auch mehr Einkommen bringt, oder nicht ? Und damit sich die ohnehin arbeitende Bevölkerung nicht übervorteilt fühlt, bekommt auch sie "ALG II". Dieses würden sie natürlich selber z.B. aus ihrem Bruttolohn finanzieren, so dass sich für sie, wie für die Arbeitslosen zunächst unter dem Strich nichts ändert.

    Der entscheidende Unterschied liegt darin, wie das System auf die Initiative zum Arbeiten reagiert: mit ALG II wird zusätzliche Arbeit bestraft, mit einem allgemeinen Bürgergeld wird Arbeit belohnt.

    Ja klar, es ist natürlich besonders einfach jemanden an den Strassenrand zu stellen und zu sagen " da, die freie Welt, jetzt such mal die Reichtümer..."

    Dabei vergessen alle und besonders die Erfolgreichen (welch lustiges Wort), das niemand ohne die Hilfe anderer etwas werden kann... das fängt schon als Kind an, zieht sich durch während der Jugend und führt weiter in die Welt der Erwachsenen und geht bis in das hohe Alter...

    ;-)

    “When I give food to the poor, they call me a saint. When I ask why the poor have no food, they call me a communist." — Dom Helda Camara

    ist Ihnen auch bekannt, dass ein Leben auf Hartz IV Niveau tatsächlich Hunger bedeutet, vor allen Dingen für die Kinder? Dass diese mit hungrigem Magen in der Schule sitzen? Dass der für den Schulbedarf angerechnete Regelsatz Hartz IV Regelsatz für Schüler viel zu niedrig ist?
    Dass es auch Menschen gibt, die aus gesnundheitlichen Gründen nicht arbeiten können, weil sie etwa blind oder taub sind, und auch nicht mehr als das viel zu niedrige Hartz IV bekommen? Dass beisppielsweise Blinden der Blindenhund gestrichen wurde?
    Dass es eine Reihe von Akademikern gibt, die auch keine Arbeit finden? Dass über 50jährige selbst mit guter Ausbildung nicht mehr genommen werden?

    Hartz IV hat nur dazu geführt, dass die Menschen in ARbeiststellen gezwungen wurden, die sie sonst nicht angenommen hätten, weil ihnen das Geld zum Leben nicht reicht. Ist Ihnen das bekannt? Ist das sinnvoll?????

    Wäre es denn nicht sinnvoller, Leute, die eventuell wirklich nicht arbeiten wollen, zumindest nicht unter den genannten Bedingungen, einfach in Ruhe zu lassen, denn das würde es für diejenigen, die arbeiten wollen, dann leichter machen, eine Arbeit zu finden und auch die Löhne stabiler halten - was wiederum der Binnenkonjunktur zugute käme.

    Mit Hartz IV wurden nicht mehr Arbeitsstellen geschaffen, vielmehr hat diese gegen Grund- und Menschrecht verstoßende GEsetzgebung zum Stellenabbau geführt, weil aufgrund der sinkenden Binnennachfrage immer mehr für den Binnenmarkt arbeitende Unternehmen schließen mussten. während für den Export arbeitende Firmen (vorwiegend in der Auto- und Maschinenindustrie) und Leiharbeitsfirmen auf dem Rücken der Arbeitnehmer in den letzten Jahren Rekordgewinne machten.
    __________________________________________________________________

    Bürger, sei wachsam!

    bitte maßen Sie sich nicht an, bestimmen zu wollen, wann ein anderer Mensch Selbstachtung und Würde erreichen kann.

    __________________________________________________________________

    Bürger, sei wachsam!

    unser derzeitiges Wirtschaftssystem unterstüzt Faulheit. Hat man es nämlich in unserer Gesellschaft erst einmal geschafft, so reich zu werden, dass man von den Zinsen, also von den Erträgen, die andere Leute erarbeiten leben kann, kann man sich ein Leben lang auf die faule Haut legen.

    Die Kinder brauchen dann gar nicht erst anfangen zu arbeiten, und können schon in frühen Jahren ausprobieren, wie man mit Aktien und so mit Leben der Arbeitnehmer und den davon abhängigen Familien herumspekulieren kann, ohne jemals selbst erfahren zu haben, oder jemals erfahren zu müssen, was Arbeit wirklich ist:

    http://www.morgenpost.de/...

    So produziert eine Generation von Nichtsnutzen dann immer wieder die nächste ( denn es ist ja längst nicht jede Tätigkeit sinnvoll, wie uns die derzeitige Bankenkrise lehrt).

    Das derzeitige, auf Verzinsung angelegte Geldsystem, sorgt dann immer weiter dafür, dass die Schere auseinander geht, und Reichtum und Macht sich in den Händen immer weniger Menschen konzentrieren, es sei denn es würde mit einer vernünftigen Steuer- und Abgabenpolitik ein Ausgleich geschaffen werde, aber das Passiert seit Jahrzehnten immer weniger, weil die Renditeerwartungen von Herrn Ackermann und Kumpannen bedient werden müssen, mit den Bekannten Folgen.

    Trotzdem werden es gerade Leute, die von dieser Problematik selbst ganz offenssichtlich nicht betroffen sein können, nicht müde, irgendwelche Möchtegern-Dokus aus dem Privaten Fernsehen, seit Neuestem auch schon im Öffentlich-Rechtlichen Fernsehen, zu zitieren.

    __________________________________________________________________

    Bürger, sei wachsam!

  2. Mechanisierung und Arbeitsplatzexport in Billigländer machen es den Leuten mit den "falschen" oder mit zuwenig Qualifikationen immer schwerer, Arbeit zu finden. Prägnant: Die Wirtschaft braucht immer weniger Leute, die Handys zusammenschrauben können und immer mehr Leute mit MINT-Wissen.
    Die Wertschöpfung hat aber immer weiter zugenommen. Und zwar gerade wegen Mechanisierung und Arbeitsplatzexport in Billigländer.
    Also wäre es sinnvoll, Grundeinkommen und Arbeit zu entkoppeln.
    Die Leute, deren Qualifikationen nicht gefragt sind, können immer noch an gemeinnützigen Projekten arbeiten, die sie selber gestalten. Das kann man sogar eine Zeitlang subventionieren.

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
    • gauss
    • 21.10.2008 um 11:53 Uhr

    Dies trifft den Kern des Problems. Der deutsche und auch europäische Arbeitsmarkt wird sich weiter teilen: zum einen gibt es da die Billiglöhner, die ohne Zuschuß des Sozialstaats nicht mehr (über)leben können, und zum anderen die gut ausgebildete Fraktion von Facharbeitern, MINT-Akademikern sowie BWLer.
    Je eher man begreift, dass dieses Schicksal nicht mehr abzuwenden ist, desto eher ist es auch möglich entsprechende Gegenmaßnahmen einzuleiten, wie z.B. das Grundeinkommen. Denn das Verhältnis von Beitragszahler und Beitragsempfänger hat sich gegenüber dem Wert von 1971 geradezu invertiert! Nur noch ein Bruchteil der Bevölkerung Deutschlands gehört zur Fraktion der Beitragszahler (seien es die Sozialkassen oder die Steuern). Diese Schicht wird immer kleiner, und muss beim jetzigen System immer mehr geschröpft werden, da ansonsten keiner mehr zahlen will und kann. Die Firmen werden auch in Zukunft entlastet, von ihnen ist keine nennenswerte Hilfe zu erwarten.
    Das System muss schlußendlich im Kollaps enden, alles andere wäre nicht logisch. Denn durch die immer höheren Zahlungen, die zu leisten sind, ist ein hoher brain-drain entstanden, zugleich kommen massenweise Unqualifizierte nach Deutschland.

    Die homogene Verteilung der Einkommen war die Basis für den soliden sozialen Frieden in Deutschland. In zunehmenden Maße wird es unruhiger (werden). In Berlin werden mittlerweile Wohnareale gebaut, die komplett abgeriegelt sind. Ähnliches kannte man bisher nur aus Süd- und Nordamerika.

    Wenn kein Systemwandel bzgl. der Sozialkassen stattfindet, wird uns sicher auch ein breiter Abschwung wie seinerzeits in Argentinien und Uruguay drohen. Man kann diesem Experiment gespannt zusehen.

    --
    "that book is dead sexy" -- Xach on #lisp about "Practical Common Lisp"

    • gauss
    • 21.10.2008 um 11:53 Uhr

    Dies trifft den Kern des Problems. Der deutsche und auch europäische Arbeitsmarkt wird sich weiter teilen: zum einen gibt es da die Billiglöhner, die ohne Zuschuß des Sozialstaats nicht mehr (über)leben können, und zum anderen die gut ausgebildete Fraktion von Facharbeitern, MINT-Akademikern sowie BWLer.
    Je eher man begreift, dass dieses Schicksal nicht mehr abzuwenden ist, desto eher ist es auch möglich entsprechende Gegenmaßnahmen einzuleiten, wie z.B. das Grundeinkommen. Denn das Verhältnis von Beitragszahler und Beitragsempfänger hat sich gegenüber dem Wert von 1971 geradezu invertiert! Nur noch ein Bruchteil der Bevölkerung Deutschlands gehört zur Fraktion der Beitragszahler (seien es die Sozialkassen oder die Steuern). Diese Schicht wird immer kleiner, und muss beim jetzigen System immer mehr geschröpft werden, da ansonsten keiner mehr zahlen will und kann. Die Firmen werden auch in Zukunft entlastet, von ihnen ist keine nennenswerte Hilfe zu erwarten.
    Das System muss schlußendlich im Kollaps enden, alles andere wäre nicht logisch. Denn durch die immer höheren Zahlungen, die zu leisten sind, ist ein hoher brain-drain entstanden, zugleich kommen massenweise Unqualifizierte nach Deutschland.

    Die homogene Verteilung der Einkommen war die Basis für den soliden sozialen Frieden in Deutschland. In zunehmenden Maße wird es unruhiger (werden). In Berlin werden mittlerweile Wohnareale gebaut, die komplett abgeriegelt sind. Ähnliches kannte man bisher nur aus Süd- und Nordamerika.

    Wenn kein Systemwandel bzgl. der Sozialkassen stattfindet, wird uns sicher auch ein breiter Abschwung wie seinerzeits in Argentinien und Uruguay drohen. Man kann diesem Experiment gespannt zusehen.

    --
    "that book is dead sexy" -- Xach on #lisp about "Practical Common Lisp"

    • Anonym
    • 21.10.2008 um 11:41 Uhr

    "Selbstachtung und Würde kann der Mensch nur erreichen, wenn er auch für sich selbst geradestehen kann!"

    Da sind wir vollkommen einer Meinung. Allerdings frage ich mich, ob der Staat wirklich den "Armen" oder Empfängern von Sozialleistungen noch zusätzlich eins auf die Zwölf geben muss. Vor allem aber fragt sich, ob man mit der Entwürdigung der Armen dem gesteckten Ziel der Kostenreduktion im Sozialwesen auch nur einen Schritt näher kommt.

    Vielmehr stellt sich mir die gegenwärtige Problematik grob vereinfacht so dar: Jemand der ALG II bekommt, fragt sich, warum er arbeiten sollte, wenn er dafür weniger bekommt. Jemand der einen Verdienst nahe oder unter ALG II hat, fragt sich, warum er sich nicht lieber arbeitslos werden lässt.

    Dem ließe sich doch unzweifelhaft abhelfen, indem jede zusätzliche Arbeit auch mehr Einkommen bringt, oder nicht ? Und damit sich die ohnehin arbeitende Bevölkerung nicht übervorteilt fühlt, bekommt auch sie "ALG II". Dieses würden sie natürlich selber z.B. aus ihrem Bruttolohn finanzieren, so dass sich für sie, wie für die Arbeitslosen zunächst unter dem Strich nichts ändert.

    Der entscheidende Unterschied liegt darin, wie das System auf die Initiative zum Arbeiten reagiert: mit ALG II wird zusätzliche Arbeit bestraft, mit einem allgemeinen Bürgergeld wird Arbeit belohnt.

  3. Ja klar, es ist natürlich besonders einfach jemanden an den Strassenrand zu stellen und zu sagen " da, die freie Welt, jetzt such mal die Reichtümer..."

    Dabei vergessen alle und besonders die Erfolgreichen (welch lustiges Wort), das niemand ohne die Hilfe anderer etwas werden kann... das fängt schon als Kind an, zieht sich durch während der Jugend und führt weiter in die Welt der Erwachsenen und geht bis in das hohe Alter...

    ;-)

    “When I give food to the poor, they call me a saint. When I ask why the poor have no food, they call me a communist." — Dom Helda Camara

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Es ist sogar die Frage, ob die Leute mit wenig Geld auch gerade die Unqualifizierten sind, ich glaube, nicht unbedingt. Zwei Beispiele sollen das erhellen:
    1.) Jetzt kann man leicht Musik downloaden ohne zu zahlen. Das heißt, die Musiker bringen eine Leistung, die nachgefragt wird, aber kriegen kein Geld dafür. Unqualifiziert sind sie auch nicht.
    2.) Eine Reihe Leute haben eine ordentliche Schulausbildung und könnten Nachhilfe in den Fächern geben, wo sie gute Noten hatten. Viele Migranten sind darunter; die könnten sogar in fremden Sprachen unterrichten, eine Fähigkeit die bei verbeamteten Lehrer nur selten vorkommt. Bloß sind die potenziellen Kunden nicht wirtschaftlich potent. Die zahlen vielleicht maximal 4 Euro.
    Da könnte der Staat mit Subventionen einspringen. Schließlich liegt es im allgemeinen Interesse, auch Migrantenkinder zu bilden.
    Auf diese Weise könnte sich sogar für solche und ähnliche Projekte ein Markt herausbilden. Einer, der von Angebot und Nachfrage gesteuert wird.

    Es ist sogar die Frage, ob die Leute mit wenig Geld auch gerade die Unqualifizierten sind, ich glaube, nicht unbedingt. Zwei Beispiele sollen das erhellen:
    1.) Jetzt kann man leicht Musik downloaden ohne zu zahlen. Das heißt, die Musiker bringen eine Leistung, die nachgefragt wird, aber kriegen kein Geld dafür. Unqualifiziert sind sie auch nicht.
    2.) Eine Reihe Leute haben eine ordentliche Schulausbildung und könnten Nachhilfe in den Fächern geben, wo sie gute Noten hatten. Viele Migranten sind darunter; die könnten sogar in fremden Sprachen unterrichten, eine Fähigkeit die bei verbeamteten Lehrer nur selten vorkommt. Bloß sind die potenziellen Kunden nicht wirtschaftlich potent. Die zahlen vielleicht maximal 4 Euro.
    Da könnte der Staat mit Subventionen einspringen. Schließlich liegt es im allgemeinen Interesse, auch Migrantenkinder zu bilden.
    Auf diese Weise könnte sich sogar für solche und ähnliche Projekte ein Markt herausbilden. Einer, der von Angebot und Nachfrage gesteuert wird.

    • gauss
    • 21.10.2008 um 11:53 Uhr

    Dies trifft den Kern des Problems. Der deutsche und auch europäische Arbeitsmarkt wird sich weiter teilen: zum einen gibt es da die Billiglöhner, die ohne Zuschuß des Sozialstaats nicht mehr (über)leben können, und zum anderen die gut ausgebildete Fraktion von Facharbeitern, MINT-Akademikern sowie BWLer.
    Je eher man begreift, dass dieses Schicksal nicht mehr abzuwenden ist, desto eher ist es auch möglich entsprechende Gegenmaßnahmen einzuleiten, wie z.B. das Grundeinkommen. Denn das Verhältnis von Beitragszahler und Beitragsempfänger hat sich gegenüber dem Wert von 1971 geradezu invertiert! Nur noch ein Bruchteil der Bevölkerung Deutschlands gehört zur Fraktion der Beitragszahler (seien es die Sozialkassen oder die Steuern). Diese Schicht wird immer kleiner, und muss beim jetzigen System immer mehr geschröpft werden, da ansonsten keiner mehr zahlen will und kann. Die Firmen werden auch in Zukunft entlastet, von ihnen ist keine nennenswerte Hilfe zu erwarten.
    Das System muss schlußendlich im Kollaps enden, alles andere wäre nicht logisch. Denn durch die immer höheren Zahlungen, die zu leisten sind, ist ein hoher brain-drain entstanden, zugleich kommen massenweise Unqualifizierte nach Deutschland.

    Die homogene Verteilung der Einkommen war die Basis für den soliden sozialen Frieden in Deutschland. In zunehmenden Maße wird es unruhiger (werden). In Berlin werden mittlerweile Wohnareale gebaut, die komplett abgeriegelt sind. Ähnliches kannte man bisher nur aus Süd- und Nordamerika.

    Wenn kein Systemwandel bzgl. der Sozialkassen stattfindet, wird uns sicher auch ein breiter Abschwung wie seinerzeits in Argentinien und Uruguay drohen. Man kann diesem Experiment gespannt zusehen.

    --
    "that book is dead sexy" -- Xach on #lisp about "Practical Common Lisp"

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
    • jvz
    • 21.10.2008 um 12:10 Uhr

    Kannst du mir für die sache mit den abgeriegelten arealen in berlin einen link zukommen lassen? das interessiert mich!

    • jvz
    • 21.10.2008 um 12:10 Uhr

    Kannst du mir für die sache mit den abgeriegelten arealen in berlin einen link zukommen lassen? das interessiert mich!

    • jvz
    • 21.10.2008 um 12:10 Uhr

    Kannst du mir für die sache mit den abgeriegelten arealen in berlin einen link zukommen lassen? das interessiert mich!

    Antwort auf "Teilung"
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
    • QUOTE
    • 21.10.2008 um 12:14 Uhr

    ...kann ich nichts sagen.

    Aber: http://www.arcadia-potsdam.de/

    Sicherheit geht vor: http://www.arcadia-potsdam.de/d/service/service.htm

    • gauss
    • 21.10.2008 um 12:30 Uhr

    Einen direkten Link habe ich nicht, es kam am 16.09.2008 auf SpiegelTV. Ist auch noch einsehbar:

    http://www.spiegel.de/video/, Beitrag heraussuchen mit Datum des 16.09.2008.

    --
    "that book is dead sexy" -- Xach on #lisp about "Practical Common Lisp"

    • QUOTE
    • 21.10.2008 um 12:14 Uhr

    ...kann ich nichts sagen.

    Aber: http://www.arcadia-potsdam.de/

    Sicherheit geht vor: http://www.arcadia-potsdam.de/d/service/service.htm

    • gauss
    • 21.10.2008 um 12:30 Uhr

    Einen direkten Link habe ich nicht, es kam am 16.09.2008 auf SpiegelTV. Ist auch noch einsehbar:

    http://www.spiegel.de/video/, Beitrag heraussuchen mit Datum des 16.09.2008.

    --
    "that book is dead sexy" -- Xach on #lisp about "Practical Common Lisp"

Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren

Service