Viele Wirtschaftsexperten sagen Spanien seit Jahren die schlimmste Wirtschaftskrise der Geschichte voraus. Ähnlich wie in den USA herrschte auch hier seit Jahren ein ungebremster Bauwahn. Die Privathaushalte verschuldeten sich über ein gesundes Maß hinaus, während die Kreditzinsen stetig stiegen. Es schien nur eine Frage der Zeit, bis auch in Spanien Zustände herrschen würden wie in den USA.

Doch bislang hat das Land die Gefahr gut gemeistert. Die Spanier haben ihr Finanzsystem im Griff. Inzwischen gehört es zu den rentabelsten und effizientesten der Welt. Der ehemalige Notenbankchef Jaime Caruna hat die "Basel II" genannten Vorschriften für Banken mit vorangetrieben, und in Spanien wurden sie schon im vergangenen Jahr von vielen großen Banken und Sparkassen umgesetzt. In Deutschland geschah das erst pflichtgerecht Anfang 2008.

Die spanische Bankaufsicht agiert effizient und streng. Schon seit Jahren beobachtet sie mit Vorsicht das wachsende Kreditvolumen der spanischen Finanzdienstleister. Sie hatte sich Monat für Monat im Detail über die Transaktionen im großen Stil informieren lassen und den Kauf von Subprime-Kreditderivaten von Anfang an verboten.

Doch das intelligentere Vorgehen der Spanier in Sachen Bankenaufsicht und Krisenbewältigung findet in der europäischen Entscheidungsfindung weniger Gehör als es verdient.

Spaniens Banken hatten sicherlich Glück, aber auch mehr Verstand als viele andere Wettbewerber. Ihre Verwicklungen mit der US-Investmentbank Lehman Brothers und anderen Pleite-Finanzdienstleistern waren nicht so groß wie zum Beispiel in Belgien oder Island. Die Abhängigkeit von der Refinanzierung durch internationale Finanzmärkte ist geringer, die Einlagen der Spanier in den nationalen Banken vergleichsweise hoch. Zudem ist Lateinamerika, wo die zwei großen Banken Santander und BBVA in vielen Märkten marktführend sind, nicht so stark von der Finanzkrise betroffen. Hier boomt die Wirtschaft seit Jahren.