Weltwirtschaft

Kampf den Steuerparadiesen

Deutschland und Frankreich wollen die Finanzkrise nutzen, um Steueroasen auszutrocknen. Als besonders kooperationsunwillig gelten drei europäische Kleinstaaten

Auf Initiative von Deutschland und Frankreich beraten am Dienstag in Paris rund zwanzig Länder über ein entschlossenes Vorgehen gegen Steuerparadiese. Neben Bundesfinanzminister Peer Steinbrück und dem französischen Haushaltsminister Eric Woerth nehmen an dem halbtägigen Treffen die Minister von acht weiteren Ländern teil, darunter Dänemark, Großbritannien und Australien. Die Teilnehmer wollen gemeinsame Richtlinien veröffentlichen, mit denen sie den Steuerparadiesen in aller Welt den Kampf ansagen.

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Bevor das Finanzsystem nach der derzeitigen Krise wieder aufgebaut werden könne, müssten die "schwarzen Löcher" verschwinden, forderte Frankreichs Regierungschef François Fillon vor wenigen Tagen. Die USA nehmen an dem Treffen nicht teil.

Ein gesundes Finanzsystem könne nur zustande kommen, wenn die "undurchdringlichen" Steuerparadiese aufgelöst würden, sagte auch der OECD-Fachmann Pascal Saint Amans. Allerdings stoßen die Länder dabei auf passiven Widerstand von Staaten wie Österreich, Luxemburg und der Schweiz, die dem OECD-Ministertreffen gegen Steuerparadiese in Paris am Dienstag fernblieben.

"Es gibt etwa 50 Steuer- und Justizparadiese weltweit", sagte der Ex-Chef der Großbank BNP, Daniel Lebègue, vor der Konferenz. "Das sind rechtsfreie Zonen", wo auch Geld gewaschen werde. Dazu gehören nach Angaben der OECD die Niederländischen Antillen, die britischen Kanalinseln Guernsey und Jersey sowie Belize, Panama und die Seychellen.

Die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) hat dagegen nur drei Staaten auf ihrer "schwarzen Liste" der kooperationsunwilligen Steuerparadiese: Liechtenstein, Monaco und Andorra.

Alle anderen wurden gegen Versprechen besserer Zusammenarbeit von der Liste gestrichen. Jetzt fordern Berlin und Paris, dass die OECD bis zum kommenden Jahr eine neue Liste der Staaten aufstellt, die Steuerflucht und Geldwäsche fördern. "Es ist Zeit, dass Länder wie Belgien, Luxemburg, Österreich oder die Schweiz sich bewegen", sagte der französische Haushaltsminister Woerth.

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Leser-Kommentare

  1. Wenn es keine Selbstvermehrungsschlupflöcher, keine Steueroasen, keine Steuerparadise usw. für die weltweit 40 000 Milliarden Dollar der 10 Millionen Reicsten (0,16 % der Menschheit) mehr geben würde, dann könnte die Milliarden endlich in sinnvolle Projekte investiert werden:

    Umstieg auf Erneuerbare Energien und viele "Weltrettungsprojekte"

    Siehe "Albert Einsteins Brief aus dem Jenseits an die 10 Millionen Reichsten":

    http://www.sonnenseite.co...

    dort:

    Die Gehalter der Manager, Finazjoungleure müssen auf:

    1 €insteingehalt = 100 000 € beschränkt werden.,

    damit die Zocker nicht wieder ihr gieriges Unwesen treiben!:

    Es reicht: für alle Zukunft!

    Mit Geldliegenlassen darf nicht mehr Geld verdientt werden als mit ehrlicher und harter Arbeit !

    Also müssen die Zinsen niedriger sein als die Zuwachsraten durch Arbeit!

  2. "Das durchschnittliche Einkommen der zwanzig höchstbezahlten Finanzmanager in den USA belief sich im Jahr 2006 auf

    650 Millionen Dollar

    und stieg im Jahr darauf, also im Jahr vor der Krise, auf fast

    eine Milliarde US-Dollar an, wohlgemerkt pro Kopf." 

    http://www.sueddeutsche.d...

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    Von dem 700-Milliarden-Dollar-US-Paket sollen die US-Banker mit 70 Milliarden Dollar - also rund 10 Prozent - bedient ("belohnt") werden, wie ich neulich in der Süddeutschen las: Den Link finde ich nicht mehr !

    Für die US-Banker hat sich die Panik und Angst vor dem Bankenkrach voll gelohnt.

    Darauf konnten sie vertrauen. Siehe auch:

    "Getriebene in einem unmenschlichen System"
    Mit "Let's Make Money" kommt Ende des Monats der Film zur Finanzkrise in die Kinos. Dokumentarfilmer Erwin Wagenhofer begleitete Investmentbanker und Fondsmanager über mehrere Jahre - auch durch die Grauzonen der Finanzwelt. Sein ernüchterndes Fazit: Die Krise hatte man bereits vor Jahren vorhergesehen - nur hat es niemanden interessiert, solange die Rendite stimmte."

    http://www.tagesschau.de/...

  3. Ländern partiell und nicht nur in der Bankenwelt gut. Zürich und Vaduz/Triesen sind nach eigenener Erfahrung besonders mit abgehobenen Menschen durchsetzt, welche eine Kriminalität ohne klassische Waffen und Blut fast vollständig negieren. Diese Leute glauben, Sie hätten ein Recht auf das, was Sie tun. In den Grenzen ihres Landes mag das wohl gelten, nicht aber im Verbund mit Anderen. Um es ganz einfach zu sagen. Schauen Sie sich die Beschleunigungsorgien und das allgemeine
    Verkehrsverhalten gesetzter Schweizer hinter der Grenze Schaffhausen auf deutschen Autobahnen an. Noch Fragen ?

    • 21.10.2008 um 18:11 Uhr
    • QUOTE

    ...seit Jahrzehnten sind diese Steueroasen bekannt. Nichts ist geschehen, man duldete, drückte beide Augen zu, ja, förderte sogar die Steuerflucht...bis nun die Politiker in den Abgrund des totalen Finanzcrashs schauen mußten, und dort erkannten:

    WENN DER STAAT BANKROTT GEHT, SIND AUCH DIE POLITIKERRENTEN NICHT MEHR SICHER!

    Und wie das bei Nahtoderlebnissen manchmal der Fall ist: das Leben danach hat sich möglicherweise dauerhaft verändert...

    ...naja. Wir werden sehen. Ich jedenfalls GLAUBE erst, daß etwas unternommen wird, WENN ich es SEHE.

  4. Für das Problem der Steuerhinterziehung gäbe es eine ganz einfache Lösung: Quellensteuer auf Zinsen, Dividenden und ähnlichen Einkommensquellen. Und zwar auf der Höhe des Grenzsteuersatzes. Damit entfällt jeder Anreiz zur Steuerhinterziehung.
    In der Schweiz haben wir dies schon. Einem Schweizer kommt es nie in den Sinn, Zinsen und Dividenden von Schweizer Wertpapieren zu hinterziehen. Dies machen wir nur bei Wertschriften aus der EU, wo es keine Quellensteuer gibt. Auch die Deutschen, die bei uns Geld schwarz anlegen, kaufen keine Schweizer, sondern quellensteuerfreie EU-Papiere!
    Statt Kontenschnüffelei durch die Steuerbehörden zu organisieren sollte Steinbrück besser darauf dringen, dass endlich EU-weit eine Quellensteuer zum Grenzsteuersatz eingeführt wird.

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    Bravo! Endlich eine sachliche Analyse.
    Übrigens: Steueroasen gibt es nur inmitten von Steuerwüsten (bzw. Höllen). Frankreich und Deutschland liefern dazu leider den dürren Boden - viel Pomp und Klage, wenig Wille den eigenen Garten zu kehren. Da ist es viel einfacher auf die bösen Nachbarn zu zeigen. Nun, diese tragen's mit Fassung. (Was kümmerts den Mond wenn die Steinbrücks bellen).

    Was Sie vorschlagen gibt es doch schon längst, nur funktioniert es nicht, so lange manche Parasitenstaaten systematische Anstiftung und Beihilfe zur Steuerhinterziehung betreiben, weil sie davon profitieren und ihren eigenen Wohlstand zu einem erheblichen Teil damit auf Kosten anderer finanzieren.

  5. Von dem 700-Milliarden-Dollar-US-Paket sollen die US-Banker mit 70 Milliarden Dollar - also rund 10 Prozent - bedient ("belohnt") werden, wie ich neulich in der Süddeutschen las: Den Link finde ich nicht mehr !

    Für die US-Banker hat sich die Panik und Angst vor dem Bankenkrach voll gelohnt.

    Darauf konnten sie vertrauen. Siehe auch:

    "Getriebene in einem unmenschlichen System"
    Mit "Let's Make Money" kommt Ende des Monats der Film zur Finanzkrise in die Kinos. Dokumentarfilmer Erwin Wagenhofer begleitete Investmentbanker und Fondsmanager über mehrere Jahre - auch durch die Grauzonen der Finanzwelt. Sein ernüchterndes Fazit: Die Krise hatte man bereits vor Jahren vorhergesehen - nur hat es niemanden interessiert, solange die Rendite stimmte."

    http://www.tagesschau.de/...

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  6. Die Rot-Grüne Koalition unter Schröder hatte die Erlöse von Unternehmensverkäufen steuerfrei gestellt. Sie hatte das Gesetz von einer internationalen Anwaltskanzlei schreiben lassen, die anschließend in den USA darüber Seminare abhielt und US-Firmen darüber beriet. Hedge-Fonds wie KKR und Lone Star sind ja mittlerweile hier auch zugelassen. Das Ergebnis kann man sich an an deutschen Unternehmen wie Pitstop anschauen, die ihren eigenen Kauf mit Krediten finanzieren müssen und dann in Liquidation gehen. Deutschland wird ausgepresst wie eine Zitrone dank solchen Leuten wie Schröder, Eichel und Fischer.

    • 21.10.2008 um 21:25 Uhr
    • Gafra
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  • Von Schlieben
  • Datum 21.10.2008 - 16:04 Uhr
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  • Quelle ZEIT ONLINE, dpa, Reuters
  • Kommentare 37
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