Nach der bislang unter Verschluss gehaltenen Studie, die nun der Agentur dpa vorliegt, haben allein vom Abiturienten-Jahrgang 2006 bis zu 18.000 junge Menschen wegen der neuen Gebühren kein Studium aufgenommen. 2006 hatten erst zwei Bundesländer - Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen - Gebühren verlangt. Danach erfolgte ihre Einführung in fünf weiteren unionsgeführten Ländern - in Baden-Württemberg, Bayern, Hamburg, im Saarland sowie in Hessen, wo sie jedoch nach der jüngsten Landtagswahl wieder abgeschafft wurden.

Politiker anderer Parteien sind empört darüber, von Schavan nicht über die Ergebnisse der Studie informiert worden zu sein. "Wir haben bereits mehrfach nachgefragt, denn wir wussten ja, dass die Studie in Auftrag gegeben wurde", sagte die bildungspolitische Sprecherin der Linken, Nele Hirsch. "Es überrascht mich eigentlich wenig, dass die Ergebnisse unterschlagen wurden. Das ist ein einfacher Trick, um unliebsame Informationen zu vertuschen."

Die Vorsitzende des Bundestags-Bildungsausschusses, Ulla Burchardt (SPD), forderte Schavan dazu auf, die Studie unverzüglich zu veröffentlichen. Die Ergebnisse dürften vor dem Bildungsgipfel von Bund und Ländern "nicht vertuscht werden". Der Bildungssprecher der FDP-Bundestagsfraktion, Patrick Meinhardt, sagte: "Es kann nicht sein, dass das Bildungsministerium eine Studie zu den Auswirkungen von Studiengebühren unter Verschluss hält, nur weil darin Erkenntnisse sind, die nicht ins Bild passen."

Der Präsident des Deutschen Studentenwerkes, Rolf Dobischat forderte: "Studiengebühren gehören abgeschafft". Jeder vierte Studienverzichtler habe Angst vor Studiengebühren und Verschuldung.

Der bildungspolitische Obmann der CDU/CSU-Fraktion, Michael Kretschmer (CDU), sagte, die Hochschulen seien wegen ihrer schlechten Ausstattung auf die Gebühren als private Zuwendungen der Studierenden angewiesen. Gleichwohl dürften "diejenigen, die ernsthaft und engagiert studieren wollen, nicht abgeschreckt werden". Deshalb müssten die Rahmenbedingungen verbessert werden. Dazu gehörten Studienkredite, Stipendien und Bafög.