In der Debatte über Anspruch und Bildungsauftrag des deutschen Fernsehens stellt sich immer wieder die Frage: War denn früher wirklich alles besser?

Ein Blick zurück zeigt: Ja! Genau vor 30 Jahren, in der Ausgabe vom 20. Oktober 1978, listete das ZEITmagazin das Wochenprogramm der Dritten Fernsehprogramme auf. Die Redaktion schrieb, sie wolle ihren Lesern damit die "anfänglich als spröde und schulmeisterlich gemiedenen" Sender schmackhaft machen.

Die Sendewoche vom 21. bis 27. Oktober 1978 enthält tatsächlich erstaunliche Fernseh-Juwelen: Douglas Fairbanks jr. stellt in der Südkette (dem damaligen Zusammenschluss aus Süddeutschem Rundfunk, Saarländischem Rundfunk und Südwestfunk) die Anfangsjahre des Films vor. Die Nordkette präsentiert ein Instrumental-Quartett aus Iran. Ebenfalls ausgefallene Kultur-Kost zeigt der WDF (Vorläufer des WDR) mit dem Beitrag Die Zauberlehrlinge - Etüden über Boris Vian.

Auch an politischen Sendungen mangelt es nicht: In der Nordkette diskutiert man über die Gefahr von rechts, beim WDF über Medikamentenmissbrauch bei Kindern und in der Südkette über die Schule in der Krise.

Man kann dem damaligen Fernsehprogramm sicherlich einiges vorwerfen - aber nicht, dass es seinen Bildungsauftrag nicht erfüllt hat. Zugegeben: Wie viele Menschen tatsächlich das Gespräch zwischen Klaus Piper und Hildgart Eichholz über den Umgang mit Gedichten verfolgten, kann man heute nicht mehr nachvollziehen, Einschaltquoten wurden 1978 noch nicht gemessen. Das war angesichts fehlender Konkurrenz auch nicht nötig.

Wie anders die Fernseh-Zeiten damals waren, zeigt der Blick auf die Letzten Nachrichten. Die kamen um 23 Uhr. Danach wurde es dunkel in den deutschen Wohnzimmern.