Zwei Wochen vor der Präsidentenwahl setzt sich unter den Republikanern die Ansicht durch, dass wohl etwas fundamental schief gelaufen ist in diesem Wahlkampf. Von der einstigen Kampfbrigade der neokonservativen Autoren ist nichts mehr zu sehen und zu lesen. Stattdessen gehört den Abweichlern das Feld.

Peggy Noonan zum Beispiel. Sie hat besonderes Gewicht. Nicht allein, weil sie eine wöchentliche Kolumne im Wall Street Journal schreibt. Vielmehr ist Noonan eine Legende unter den Neocons: Sie war einst Redenschreiberin von Ronald Reagan, und durch sie erscheint es weiten Teilen der konservativen Bewegung in den USA, als spreche der große Lehrmeister auch weiterhin wöchentlich zu ihnen.

Noonans Hauptobjekt der Kritik ist McCains Entscheidung, Sarah Palin zu seiner Mitstreiterin im Wahlkampf zu machen. Ihre Kandidatur, schreibt Noonan, sei "Symptom und Ausdruck einer neuen Vulgarisierung der amerikanischen Politik".

Für Noonan beginnt das Drama schon bei der Sprache der Vize-Kandidatin, die beständig Silben verschluckt, um volkstümlich zu wirken. Ist denn, fragt Noonan, ein Snob, wer korrektes Englisch spricht? Wann gehe gesunder Populismus in gefährliche Propaganda über?

Sieben Wochen hat sie Palin beobachtet und sieht kaum Anzeichen dafür, dass die Gouverneurin von Alaska "das Handwerkszeug, die Kenntnis oder die philosophischen Grundlagen besitzt, von denen man hofft und erwartet, dass ein Spitzenpolitiker sie mitbringe". Sie sage "Dinge nur so" und verstehe anscheinend "die Implikationen ihrer eigenen Gedanken nicht."

Palin scheint die Republikaner inzwischen im Innersten zu zersetzen. Während große Teile der Parteibasis die schiere Chuzpe dieser Frau bewundern und sie bei ihren Auftritten regelrecht anbeten, ist sie der Parteielite bisweilen peinlich. Heather MacDonald vom konservativen Manhattan Institute erwartet von einer Vizepräsidentin in spe "Sätze, die einen minimal-logischen Gedankenaufbau" anbieten und nicht ständig "in syntaktischen Einbahnstraßen" enden. Für Colin Powell ist Palins Ernennung einer der Gründe, zu Barack Obama überzulaufen. Der konservative Kolumnist David Brooks nennt Palin sogar "das Krebsgeschwür der Republikanischen Partei".