Finanzkrise Weltfinanzgipfel soll Märkte beruhigen
Die EU und die USA wollen die Schwellenländer nach Washington einladen, um über eine strenge Verfassung für die globalen Finanzmärkte zu beraten

© Dominique Faget/AFP/Getty Images
Der französische Präsident Nicolas Sarkozy spricht nach dem gestrigen Treffen der europäischen Staats- und Regierungschefs in Brüssel vor Journalisten
Ein solches Treffen der wichtigsten Wirtschaftsnationen könnte noch im November stattfinden. Teilnehmen sollen auch bedeutende Schwellenländer wie China, Indien und Brasilien sowie große Volkswirtschaften wie Australien, Korea oder Indonesien. Die Runde will sich darüber verständigen, wie strengere Regeln für die globale Finanzwirtschaft gefunden werden können. Der amtierenden EU-Ratsvorsitzende und französische Präsident Nicolas Sarkozy hatte ein solches Gipfeltreffen vorgeschlagen. Sarkozy sagte am Mittwoch, nur so könnten in Zukunft schwere Krise vermieden werden. Das weltweite Finanzsystem müsse auf eine neue Basis gestellt werden.
Zuvor hatten sich die Staats- und Regierungschefs in Brüssel getroffen, um über das weitere Vorgehen in der Finanzkrise zu beraten. Die 27 EU-Staaten billigten bei dem Gipfel das von den 15 Euro-Ländern am Sonntag in Paris beschlossene Rettungskonzept. Danach können die Banken mit direkten staatlichen Finanzspritzen, Teilverstaatlichungen oder öffentlichen Garantien für ihre Verbindlichkeiten vor einem Zusammenbruch bewahrt werden. Jedes Land entscheidet über die konkreten Hilfen selbst. Tschechien und andere Länder bestanden jedoch in einer gemeinsamen Erklärung darauf, dass die EU-Wettbewerbsregeln und der Stabilitäts- und Wachstumspakt weiter gelten. Zuletzt hatte es eine Diskussion darüber gegeben, ob letzterer kurzzeitig ausgesetzt werden soll, um den Ländern eine höhere Verschuldung zu ermöglichen.
Sarkozy kündigte an, zusammen mit EU-Kommissionspräsident Jose Manuel Barroso am kommenden Wochenende bei einem Treffen mit US-Präsident George W. Bush erste Schritte für eine Neuordnung des globalen Finanzsystems zu erörtern. Thema des Treffen sollen auch Steuerparadiese und Hedgefonds sein. Zu einer Neuordnung des Finanzsystems auf der Basis internationaler Verhandlungen sind grundsätzlich inzwischen auch Japan, Kanada und Russland bereit. "Eine neue, tragfähige Architektur der Finanzmärkte kann nur gemeinsam entworfen werden", sagte Kanzlerin Angela Merkel. Der britische Premierminister Gordon Brown forderte, der Internationale Währungsfonds (IWF) müsse erneuert und an die Erfordernisse des globalen Finanzsystems angepasst werden. Es müsse ein Frühwarnsystem für Krisen und eine grenzübergreifende Aufsicht geben.
- Datum 16.10.2008 - 11:44 Uhr
- Quelle ZEIT ONLINE, Reuters
- Kommentare 1
- Versenden E-Mail verschicken
- Empfehlen Facebook, Twitter, Google+
- Artikel Drucken Druckversion | PDF
-
Artikel-Tools präsentiert von:




Es sollen die Ursachen bekämpft werden, aber es wird kein Wort über die Ursache verloren, nämlich die krassen Leistungsbilanzunterschiede, die durch den Finanzmarkt ausgeglichen, ja konterkariert werden. Durch welches Finanzcasinospiel dieses geschieht, ist dabei mehr als nebensächlich.
Es geht nicht, das Volkswirtschaften wie die USA, England, Spanien, Frankreich, Italien jahrelang ein riesiges Leistungsbilanzdefizit aufbauen und nichts dagegen tun, sondern dieses über das Finanzcasino kompensieren. In funktionierenden volkswirtschaftlichen Beziehungen, kommen sie entweder zur Vernunft oder werden vom Warenimport ausgeschlossen. Nur diese Spielregeln gelten nicht mehr, so konnte sich die USA ein kumuliertes Leistungsbilanzdefizit von ca. 4,4Billionen Dollar (deutsch) seit 2001 leisten, seine Nettoauslandsverschuldung von 2,3 auf 1,7 zurückführen und noch jährlich 90Milliarden an Zinseinnahmen vom Ausland erzielen, absurd. Nach Herausrechnung von Holland und Deutschland aus dem Euro-Währungsverbund ist die Situation der restlichen Länder nicht viel anders als in der USA und UK. Wir können nicht für gemeinsame Aktionen geradestehen, wenn nicht die Ursache bekämpft wird. Weiß der Teufel warum die Leistungsbilanz nicht an oberster Stelle in die Maastrichtkriterien aufgenommen wurde. Wenn dieses nicht in Ordnung kommt, fliegt uns als nächstes der Euro um die Ohren.
Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren