Kapitalismuskritik "Dieses Wirtschaftssystem ist brutal"
Für den Regisseur von "Let's Make Money", Erwin Wagenhofer, ist klar: Das globale Finanzsystem bringt vor allem Verlierer hervor. Ein Interview

© Allegro Film
Die Deutsche Bank ist weltweit aktiv, auch in Entwicklungsländern. Dass die meisten Menschen dort von den enormen Gewinnen der Banken nichts haben, kritisiert Regisseur Erwin Wagenhofer
Erwin Wagenhofer (47) arbeitet seit Ende der achtziger Jahre als Autor und Regisseur. Einem breiten Publikum wurde er 2005 mit seinem Film "We Feed the World" bekannt, der die Industrialisierung der Nahrungsmittelproduktion dokumentierte. Der Film wurde mehrfach ausgezeichnet. Seit heute ist "Let´s Make Money" in den Kinos.
ZEIT ONLINE: Als Sie vor zwei Jahren mit den Arbeiten für den Film Let´s Make Money begonnen haben, gab es noch keine Finanzkrise. Heute blickt die Welt in den Abgrund. Hat Sie das überrascht?
Wagenhofer: Nein, dieser Crash ist ja von allen Finanzexperten seit vielen Jahren vorhergesagt worden. Das war überhaupt nichts Neues. Natürlich haben wir die Krise auch während der Dreharbeiten mitbekommen.
ZEIT ONLINE: In dem Film tauchen aber die aktuellen Entwicklungen nicht auf.
Wagenhofer: Das hat mich auch nicht interessiert. Über die aktuelle Krise muss man in ein paar Jahren mal Filme machen. Mich interessiert mehr, wie es dazu kommt, dass ein so völlig entartetes Wirtschaftssystem entstehen konnte.
ZEIT ONLINE: Was meinen Sie damit?
Wagenhofer: Dafür gibt es genug Beispiele. Ich habe in Afrika gedreht, wo der Westen die Rohstoffe ausbeutet. Diese werden dann nach Europa geschafft und die Gewinne daraus in Steueroasen angelegt, sodass den Staaten Steuergelder entgehen. Und jetzt müssen die Banken, die in Spekulationen mit diesen Geldern verwickelt waren, wiederum mit Steuergeldern gerettet werden – das ist doch pervers. Aus den virtuellen Spekulationsblasen werden so plötzlich reale Verluste.
ZEIT ONLINE: Stellen Sie das gesamte Wirtschaftssystem infrage?
Wir breiten das Wirtschaftsmodell des Nordens über den Rest der Welt aus – einfach nur, weil wir hier zu viel Geld haben und nicht wissen, wohin damit. Hier bei uns sind die Märkte gesättigt, also investieren wir dort, wo sich noch etwas verdienen lässt. Und nicht, damit die Menschen dort vielleicht auch eines Tages so viel verdienen wie wir heute, eben genau deswegen nicht. Sondern man investiert in die sogenannten emerging markets, weil es genau diese Unterschiede gibt. Für den Film habe ich zum Beispiel den österreichischen Investor Mirko Kovats in Indien begleitet. Er ist nur wegen der billigen Arbeitskräfte dorthin gegangen. So einer wird sogar bewusst von der indischen Regierung angelockt, die lieber westliche Firmen subventioniert, anstatt ein anständiges Sozialsystem für die Menschen dort aufzubauen. Steigen dann aber die Löhne, ziehen solche Unternehmer ganz schnell weiter. Zurück bleiben kaputte Menschen und eine kaputte Umwelt.
ZEIT ONLINE: Was sind Ihrer Meinung nach die Ursachen solcher Missstände?
Wagenhofer: Eine ist sicherlich die in uns allen verhaftete Gier. Dazu kommt der Wachstumszwang in unseren saturierten Märkten. Ein Beispiel: Wenn ein Bäcker in einem Jahr 1000 Semmeln produziert, dann muss er im kommenden Jahr 30 mehr backen, um auf ein Wachstum von drei Prozent zu kommen. Diese 30 zusätzlichen Semmeln werden am Ende weggeschmissen, weil niemand sie essen will. Das finde ich brutal und pervers im wörtlichen Sinne: wider die Natur.
ZEIT ONLINE: Ihr Film stellt neben Bankern und Ökonomen auch die Verlierer dieses Wirtschaftssystems vor. Was ist mit den Gewinnern?
Wagenhofer: Natürlich kommen die vor, etwa die Investmentbanker. Ich bin aber auch der Meinung, dass es nicht viele Gewinner gibt. Viele Menschen müssen unter enormem Druck arbeiten, sie kommen so gerade über die Runden und träumen vom großen Geld. In meinem Film zeige ich etwa eine Spielshow, bei der ein Kandidat in eine Gelddusche muss. Er steht in einer Kabine und muss Geldscheine einfangen, die um ihn herumflattern.
ZEIT ONLINE: Das Thema Ihres Films, der weltweite Kapitalismus, ist extrem komplex. Sie sind rund um die Welt gereist, haben viele Interviews geführt. Sind Sie zufrieden mit dem Endprodukt?
Wagenhofer: In 107 Minuten das Weltfinanzsystem zu erklären, geht natürlich nicht, das wäre auch völlig absurd. Aber man kann Beispiele aufzeigen. Natürlich kritisieren manche Leute, dass die Privatisierung der Straßenbahn in Wien zu wenig erklärt wird. Oder der Immobilienboom in Spanien: Wie kann man dort Geld verdienen, wenn die Apartments leer stehen? Aber soll ich einen 90-minütigen Film nur über Spaniens Wohnungsmarkt machen? Den schaut niemand an. Vor dieser Schwierigkeit steht man immer als Filmmacher. Insofern bin ich sehr zufrieden, was am Ende herausgekommen ist.
Die Fragen stellte Marlies Uken.
- Datum 09.04.2009 - 10:38 Uhr
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Herr Wagendorf fragt: " Oder der Immobilienboom in Spanien: Wie kann man dort Geld verdienen, wenn die Apartments leer stehen?"
Ich frage mich schon lange, wie es sein kann, dass es trotz aberwitzig vielen Quadratmetern leer stehender Büroflächen in der BRD einen scheinbar ungebremsten Bauboom in diesem Sektor gibt.
Hat das was mit Geldwäsche und falscher Steuerpolitik zu tun? Die Abgeltungssteuer weist den Immobilienfonds schon wieder eine begünstigte Stellung zu.
Anscheinend werden hier Steuergelder verbraten und wertvolle Ressourcen sinnlos allokiert, wenn man mal den Profit weniger Gewinner nicht als genuines Ziel staatlicher Anstrengungen betrachtet.
Otto Normalverbraucher scheint mir wieder der dumme Zahler zu sein. Auch für die spätere Abrissprämie (neudeutsch Rückbauprämie) wird er zuständig sein.
Wäre doch auch mal einen Artikel in unserer Hofberichterstattungspresse wert.
"Aber soll ich einen 90-minütigen Film nur über Spaniens Wohnungsmarkt machen? Den schaut niemand an."
Könnte ich mir hochinteressant vorstellen.
stelle ich mir so vor: So wie heute jeder Tölpel einem Deppen von vor 500 Jahren erklären könnte, das die Erde eine Kugel ist, wird in 500 Jahren jeder Mensch erklären können, das der Kapitalismus und die Gier die einzige existenzielle Bdrohung der Menschheit ist.
allerdings nur hoffen, dass es dann noch zwei Exemplare der Spezies Homo sapiens auf diesem Planeten geben wird, die sich das noch erzählen können. Wir sind ein Hauch in der Geschichte der Erde und nehmen uns so verdammt wichtig. Die Natur der Erde hat schon ganz andere Probleme gelöst bzw. sich ihrer entledigt. SIE braucht UNS nicht.
Es ist eben genauso fruchtlos einem heutigen Menschen zu erklären, das es bis dato zum Kapitalismius gar keine Alternative gibt, wie vor 500 Jahren darauf zu bestehen, das die Erde eine Kugel ist.
Nicht der Kapitalismus ist das Problem, sondern die Unzulänglichkeit der Kontrollinstanzen. Weil das Menschen sind und sich durch Fortschritt vieles ändert, gibt es für dieses menschliche Versagen auch immer wieder neue Gelegenheiten.
Der Unterschied des Kapitalismusses zu den bisher bekannten Alternativen ist nur, dass die Alternativen diese Schwäche einfach ignorieren, während der Kapitalismus darum kämpft sie unter Kontrolle zu behalten. Markt ist nämlich im Idealfall diese Individuum ungebundene Kontrollinstanz, eine andere steht uns bislang nicht mal theoretisch dafür in dieser Qualität zur Verfügung.
Es mag trotzdem sein, dass in 500 Jahren jeder Mensch erklären könnte, was sie geschrieben haben, nur nützt es nichts von Amerika zu reden, wenn dies noch gar nicht entdeckt wurde.
Berthold Grabe
allerdings nur hoffen, dass es dann noch zwei Exemplare der Spezies Homo sapiens auf diesem Planeten geben wird, die sich das noch erzählen können. Wir sind ein Hauch in der Geschichte der Erde und nehmen uns so verdammt wichtig. Die Natur der Erde hat schon ganz andere Probleme gelöst bzw. sich ihrer entledigt. SIE braucht UNS nicht.
Es ist eben genauso fruchtlos einem heutigen Menschen zu erklären, das es bis dato zum Kapitalismius gar keine Alternative gibt, wie vor 500 Jahren darauf zu bestehen, das die Erde eine Kugel ist.
Nicht der Kapitalismus ist das Problem, sondern die Unzulänglichkeit der Kontrollinstanzen. Weil das Menschen sind und sich durch Fortschritt vieles ändert, gibt es für dieses menschliche Versagen auch immer wieder neue Gelegenheiten.
Der Unterschied des Kapitalismusses zu den bisher bekannten Alternativen ist nur, dass die Alternativen diese Schwäche einfach ignorieren, während der Kapitalismus darum kämpft sie unter Kontrolle zu behalten. Markt ist nämlich im Idealfall diese Individuum ungebundene Kontrollinstanz, eine andere steht uns bislang nicht mal theoretisch dafür in dieser Qualität zur Verfügung.
Es mag trotzdem sein, dass in 500 Jahren jeder Mensch erklären könnte, was sie geschrieben haben, nur nützt es nichts von Amerika zu reden, wenn dies noch gar nicht entdeckt wurde.
Berthold Grabe
allerdings nur hoffen, dass es dann noch zwei Exemplare der Spezies Homo sapiens auf diesem Planeten geben wird, die sich das noch erzählen können. Wir sind ein Hauch in der Geschichte der Erde und nehmen uns so verdammt wichtig. Die Natur der Erde hat schon ganz andere Probleme gelöst bzw. sich ihrer entledigt. SIE braucht UNS nicht.
Die Erde könnte 100 Milliarden von uns ernähren, wenn es diese Spielverderber nicht gäbe.
Die Erde könnte 100 Milliarden von uns ernähren, wenn es diese Spielverderber nicht gäbe.
Die Erde könnte 100 Milliarden von uns ernähren, wenn es diese Spielverderber nicht gäbe.
Es ist eben genauso fruchtlos einem heutigen Menschen zu erklären, das es bis dato zum Kapitalismius gar keine Alternative gibt, wie vor 500 Jahren darauf zu bestehen, das die Erde eine Kugel ist.
Nicht der Kapitalismus ist das Problem, sondern die Unzulänglichkeit der Kontrollinstanzen. Weil das Menschen sind und sich durch Fortschritt vieles ändert, gibt es für dieses menschliche Versagen auch immer wieder neue Gelegenheiten.
Der Unterschied des Kapitalismusses zu den bisher bekannten Alternativen ist nur, dass die Alternativen diese Schwäche einfach ignorieren, während der Kapitalismus darum kämpft sie unter Kontrolle zu behalten. Markt ist nämlich im Idealfall diese Individuum ungebundene Kontrollinstanz, eine andere steht uns bislang nicht mal theoretisch dafür in dieser Qualität zur Verfügung.
Es mag trotzdem sein, dass in 500 Jahren jeder Mensch erklären könnte, was sie geschrieben haben, nur nützt es nichts von Amerika zu reden, wenn dies noch gar nicht entdeckt wurde.
Berthold Grabe
Es ist immer das Selbe, wenn man unser Wirtschaftssystem beurteilen will, so ist es grob fahrlässig, nur auf die negativen Seiten zu schauen und das Ganze nur nach den Maßstäben der westlichen Welt zu beurteilen.
Denn viele der heutigen Verwerfungen sind Folge gerade der sozialen Engagements, weniger der wirtschaftlichen.
Die meiste Not ensteht doch dadurch, dass Gesellschaften und Kulturen, deren Produktivität für viel geringere Bevölkerungszahlen ausreichen würde, durch westliche humanitäre Hilfe eine Bevölkerungsexplosion erlebt haben und erleben, die sie nicht verkraften können. Gleichwohl kulturelle Anpassungen in Kollektiven Jahrhunderte benötigen und immer mit heftigen Auseinandersetzungen einhergehen, weil solche Veränderungen in jeder Gesellschaft neue Gewinner und Verlierer verursacht.
Und trotzdem hat unser Wirtschaftsmodell soviele Menschen weltweit, wie nie zuvor in Wohlstand gebracht und auch Indien wird nacher reicher sein als vorher.
Wagenhofer ist nur so naiv wie viele zu glauben, dass man diese heftigen Auseinandersetzungen und Anpassungskonflikte vermeiden könne. Dabei waren genau diese Prozesse früher noch viel brutaler, auch in Indien. Geschichtsunterricht ist eben doch wichtig, wenn man sich ein Urteil erlauben will, nur Mißstände zu sehen ist eindeutig zu wenig.
Berthold Grabe
Die Frau Bundeskanzlerin sollte sich mal zusammen mit der Justizministerin Gedanken zu den Bonispielchen der korrupten Manager von: z.B. Bahn, Postbank, KfW, IKB, Autobauern machen. Sie fordern vom Staat eine Stütze in Milliardenbeträgen und loben für sich Boni aus. Ja wo leben wird denn, für Kindergärten, Hartz 4, Rentnern, Bildung, Forschung und anderen hat man kein Geld? Es dauert nicht mehr lange dann fliegt uns diese Demokratie um die Ohren. Die Krupps, Rüstungskonzerne, haben Hitler in den Sattel gehoben, jetzt wird die Demokratie durch korrupte Manager gefährdet, die glauben sie säßen in einem Selbstbedienungsladen. Dagegen sollten alle Deutschen zusammen mit den nun demnächst streikenden Metallern auf die Straße gehen und bundesweite DEMOS abhalten. Wollen wir unser Land wieder an radikale Außenseiter und deren Helfershelfer durch das Verhalten einer bestimmten Klicke verlieren?
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