Als Familienministerin Ursula von der Leyen am Mittwoch in Berlin den ersten umfassenden Bericht zu den Wirkungen des Elterngeldes vorstellte, gab sie sich ganz als stolze Mutter. "Das Elterngeld hat laufen gelernt", sagte die CDU-Politikerin in Anspielung darauf, dass die ersten Kinder, für die die Lohnersatzleistung gezahlt wurde, nun bald zwei Jahre alt werden. Mit der Entwicklung ihres "Babys" ist sie jedenfalls sehr zufrieden: "Das Elterngeld hat alle unsere Erwartungen erfüllt – manche sogar noch übertroffen", so ihre Bilanz.

Doch nicht nur von der Leyen selbst, auch die meisten Eltern begrüßen laut dem Bericht das Elterngeld, das seit 2007 anstelle des früheren Erziehungsgeldes gezahlt wird. 90 Prozent geben demnach an, das Elterngeld habe ihnen geholfen. Und auch in der Gesamtbevölkerung überwiegt mittlerweile die positive Resonanz: 75 Prozent sehen das Elterngeld positiv.

Das war durchaus nicht immer so. Als die Ministerin 2006 mit ersten Überlegungen für einen Umbau des Erziehungsgeldes herausrückte, gab es jede Menge Widerstand. Das Elterngeld, das im Gegensatz zum Erziehungsgeld eine Lohnersatzleistung ist – 67 Prozent des früheren Nettolohnes zahlt der Staat Müttern und Vätern für längstens 14 Monate – begünstige vor allem Reiche, hieß es von Seiten der Sozialverbände und Gewerkschaften. Von konservativer Seite wurde von der Leyen attackiert, sie wolle die Väter zu einem "Wickelvolontariat" verpflichten und der Gesellschaft ihr eigenes Leitbild der berufstätigen Mutter zwangsverordnen.

Tatsächlich profitieren heute fast 100 Prozent der jungen Eltern vom Elterngeld, beim Erziehungsgeld waren es nur 77 Prozent. Das liegt allerdings vor allem daran, dass das Elterngeld auch von solchen Paaren in Anspruch genommen werden kann, die kein Erziehungsgeld bekamen, weil ihr Einkommen zu hoch war.

Widerlegt wurde die Vorstellung, dass vor allem Spitzenverdienerinnen von dem Elterngeld profitieren würden. Denn von allen Beziehern des Elterngeldes erhalten nur 3,5 Prozent den Höchstsatz von 1800 Euro. 51,2 Prozent bekommen dagegen zwischen 301 und 999 Euro. Zusammen mit dem Kindergeld verfügten 50 Prozent der Familien durch das Elterngeld über ein stabiles oder sogar ein höheres Einkommen als vor der Geburt des Kindes, so die Ministerin. Im Übrigen reduziere das Elterngeld sogar die Armut. So sei die Zahl derjenigen, die gleichzeitig Arbeitslosengeld I bezogen hätten, im ersten Quartal 2007 im Vergleich zum letzten Quartal 2006 um 35.000 gesunken.

Wohlfahrtsverbände sehen diese Berechnungen allerdings skeptisch. Für sie sind Geringverdiener und Arbeitslose trotzdem die Verlierer der Umstellung. Sie hätten auch mit dem alten Erziehungsgeld den jetzigen Mindestsatz von 300 Euro bekommen, allerdings für 24, nicht nur für 14 Monate.