Dokumentarfilm Keine Luft zum Denken

Erwin Wagenhofers Dokumentarfilm "Let‘s Make Money" ist der Film zur Finanzkrise. Er zeigt eine albtraumhafte Reise durch das Labyrinth des globalen Marktes

Die Lichter gehen an, ein knappes Dutzend Menschen nimmt Aufstellung vor dem Kinovorhang. Der Epilog von Erwin Wagenhofers neuem Film Let‘s Make Money in einer Hamburger Pressevorführung kann beginnen. Vertreter verschiedener globalisierungskritischer Organisationen und ein freier Autor sind zur Diskussion geladen.

Das Mikrofon geht reihum, die ersten Seheindrücke werden formuliert. Der Autor ergreift das Wort. Seine Stimme bebt.

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Er spricht über den Schnee im Himalaja, der in manchen Gebieten grau geworden sei vom Dreck chinesischer Fabriken. Er prophezeit den globalen ökologischen Kollaps. Immer weiter steigert sich seine Erregung.

Die Finanzkrise, sagt er, sei das Beste, was uns und unserem "Schweinesystem" passieren konnte. Wir hätten nun die Chance, wieder ganz bei Null anzufangen. Raunen im Publikum, vereinzelter Applaus. Aus der Diskussion ist eine politische Demonstration geworden.

Let‘s Make Money zeigt private Geldvermehrung bei gleichzeitigem Ausverkauf öffentlicher Güter wie Gesundheitssystem, Pensionswesen oder Energieversorgung. Die Welt ist ein Kasino, Spielplatz skrupelloser Finanzdienstleister und Investmentbanker, von Private Equity Fonds und Hedgefonds.

Leser-Kommentare
    • QUOTE
    • 31.10.2008 um 10:24 Uhr

    ...die neben obigem BILD-Zeitungs-Geschreibsel auch einen fundierten und journalistisch qualifizierten Artikel zum Film lesen lesen möchten gibts zum Glück noch telepolis:

    Wer zahlt eigentlich, wenn Geld "arbeitet"?

  1. 2. es...

    ...reicht doch völlig wenn sich die kinobesucher fragen stellen und dann für sich die besten antworten finden. kein problem wenn man den film "we feed the world" gesehen und verstanden hat. persönlich sind mir kritiken was den neuen film betrifft wurscht, "we feed the world" ist die beste werbung für neue filme desselben autors.

  2. da findet vor unser aller Augen in unser aller Namen, auch im Namen derer, die explizit NEIN gesagt haben (dieses "Konsensmodell" nennen die Plutokraten "Demokratie". Aber, nun ja, Stalin hat seine autokratischen Blutbäder ja auch "Sozialismus" genannt) eine globale, unfassbare Sauerei statt und ein Dokumentarfilmer, der derlei ungeschönt zeigt, muss sich über seine Methodik belehren lassen? Bei manchem, der für die ZEIT schreibt, stellt sich die Frage nach seinen eigentlichen Einkünften nicht - weil die Antwort allzu offensichtlich ist.

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    Alles, was gesagt werden kann, kann klar gesagt werden -
    Ludwig Wittgenstein

  3. das passende Buch zu dem Film ist "Geld arbeitet nicht", verdeutlicht die im Film aufgezeigten Strukturen und Wirkzusammenhänge ähnlich unideologisch wie es der Film macht, Fakten sprechen für sich.

  4. Im Artikel ist von Faretrade die Rede. Übersetzt man Faretrade erhält man "Tarifhandel". Meinte der Autor etwa Fairtrade, den "fairen Handel"?

  5. Der Film will einfach nur polarisieren und verkürzt und verfälscht deshalb einfach Zusammenhänge:

    - Es wird nur erwähnt, dass die Stadt Wien ihre Straßenbahnen verkauft hat und sie dann least. Dass bei einem solchem Geschäft die Betriebskosten üblicherweise vom Investor übernommen werden, wird nicht erwähnt.
    - In Bukina Faso kriegen die Bauern für ihre Baumwolle wenig Geld, weil die USA ihre Landwirtschaft subventioniert (eben gerade weil der Markt in diesem Bereich nicht liberal ist!). Auf den Umstand, dass das Land von einem korrupten Präsidenten regiert wird, was ja auch ein Grund für die Armut im Land sein könnte, wird gar nicht eingegangen.

    Diese Liste könnte man unendlich weiterführen. "Let's make money" ist die filmgewordene Stammtischdiskussion, die aus folgenden Elementen besteht: kleiner Mann wird verarscht von bösen Bänkern, bösen Investoren, böser Weltbank, bösem IMF und vom Bösen schlechthin: Die USA und ihr kapitalistisches Wirtschaftssystem.

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