Dokumentarfilm Keine Luft zum DenkenSeite 3/3
Da wird gefräst und gelötet, um den Geschichten den nötigen dramaturgischen Drive zu verpassen. In vorderster Linie der Amerikaner Michael Moore, der das Genre zum Blockbuster formte, und sich, wie inzwischen bekannt ist, nicht immer um lästige Details kümmerte, die in seinem Drehbuch der Wirklichkeit widersprachen.
Auch ein durchaus renommierter Regisseur wie Hubert Sauper, der mit Darwin‘s Nightmare 2004 immerhin den Europäischen Dokumentarfilmpreis gewann, widerstand nicht der Versuchung der kinematografischen Großmannssucht und präparierte seinen Viktoriabarsch einer schönen Globalisierungs-Allegorie wegen.
Heiligt der Zweck alle Mittel? Ist der politische Dokumentarfilm nur mehr eine Plattform für Parteiprogramme, die bloß noch Antworten geben und keine Fragen mehr stellen? Bestes Beispiel: Eine unbequeme Wahrheit von Davis Guggenheim mit Al Gore als Klimaschutz-Prediger in der Hauptrolle?
"Die schönsten Dokumentarfilme", schreibt Georg Seeßlen, "stammen von Menschen, die einen Wunsch haben, die hässlichsten von Menschen, die eine Überzeugung haben, und die aufrichtigsten von Menschen, die sich der Welt mit nichts als Geschmack, Neugier und Methode nähern." Erwin Wagenhofer erfüllt alle drei Kriterien. Das immerhin unterscheidet ihn von den meisten anderen Politfilmern dieser Tage.
- Datum 16.12.2008 - 09:37 Uhr
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- Quelle ZEIT ONLINE
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...die neben obigem BILD-Zeitungs-Geschreibsel auch einen fundierten und journalistisch qualifizierten Artikel zum Film lesen lesen möchten gibts zum Glück noch telepolis:
Wer zahlt eigentlich, wenn Geld "arbeitet"?
...reicht doch völlig wenn sich die kinobesucher fragen stellen und dann für sich die besten antworten finden. kein problem wenn man den film "we feed the world" gesehen und verstanden hat. persönlich sind mir kritiken was den neuen film betrifft wurscht, "we feed the world" ist die beste werbung für neue filme desselben autors.
da findet vor unser aller Augen in unser aller Namen, auch im Namen derer, die explizit NEIN gesagt haben (dieses "Konsensmodell" nennen die Plutokraten "Demokratie". Aber, nun ja, Stalin hat seine autokratischen Blutbäder ja auch "Sozialismus" genannt) eine globale, unfassbare Sauerei statt und ein Dokumentarfilmer, der derlei ungeschönt zeigt, muss sich über seine Methodik belehren lassen? Bei manchem, der für die ZEIT schreibt, stellt sich die Frage nach seinen eigentlichen Einkünften nicht - weil die Antwort allzu offensichtlich ist.
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Alles, was gesagt werden kann, kann klar gesagt werden -
Ludwig Wittgenstein
das passende Buch zu dem Film ist "Geld arbeitet nicht", verdeutlicht die im Film aufgezeigten Strukturen und Wirkzusammenhänge ähnlich unideologisch wie es der Film macht, Fakten sprechen für sich.
Im Artikel ist von Faretrade die Rede. Übersetzt man Faretrade erhält man "Tarifhandel". Meinte der Autor etwa Fairtrade, den "fairen Handel"?
Der Film will einfach nur polarisieren und verkürzt und verfälscht deshalb einfach Zusammenhänge:
- Es wird nur erwähnt, dass die Stadt Wien ihre Straßenbahnen verkauft hat und sie dann least. Dass bei einem solchem Geschäft die Betriebskosten üblicherweise vom Investor übernommen werden, wird nicht erwähnt.
- In Bukina Faso kriegen die Bauern für ihre Baumwolle wenig Geld, weil die USA ihre Landwirtschaft subventioniert (eben gerade weil der Markt in diesem Bereich nicht liberal ist!). Auf den Umstand, dass das Land von einem korrupten Präsidenten regiert wird, was ja auch ein Grund für die Armut im Land sein könnte, wird gar nicht eingegangen.
Diese Liste könnte man unendlich weiterführen. "Let's make money" ist die filmgewordene Stammtischdiskussion, die aus folgenden Elementen besteht: kleiner Mann wird verarscht von bösen Bänkern, bösen Investoren, böser Weltbank, bösem IMF und vom Bösen schlechthin: Die USA und ihr kapitalistisches Wirtschaftssystem.
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