Trends Schatzsuche per GPS
Die Schnitzeljagd im Satellitenzeitalter heißt Geocaching. Schätze gibt es inzwischen an jeder Ecke. Um so wichtiger ist es, dass sich die Sucher tarnen
Sie sind überall. Schätze, die nur darauf warten, geborgen zu werden. Doch die meisten Menschen laufen achtlos an ihnen vorbei. Nur eine Gruppe von Eingeweihten weiß von ihrer Existenz: die Geocacher.
Geocaching ist nichts anderes als eine moderne Form der Schnitzeljagd. Die Anleitung findet man im Internet, Satelliten-Koordinaten legen den Startpunkt der Suche fest. Den genauen Standort finden die Schatzsucher entweder durch die Eingabe der Koordinaten bei GoogleMaps oder, besser noch, mit Hilfe eines satellitengestützten Navigationssystems wie einem GPS-Gerät oder mit GPS ausgestatteten Handys. Wer alle Hinweise richtig befolgt, findet am Ende den Schatz, den sogenannten Cache. In den wasserfesten Behältnissen sind manchmal kleine Gegenstände versteckt, oft enthalten sie aber auch nur ein kleines „Logbuch“, in das sich der Finder eintragen kann. Die „Schätze“ selbst können es also nicht sein, die so viele Menschen auf die „Jagd“ gehen lassen: Was also ist der Reiz des Geocaching?
Skeptisch gebe ich meine Adresse bei www.geocaching.com ein, um zu sehen, ob es in meiner Nachbarschaft Verstecke gibt. Das Ergebnis: Es wimmelt nur so davon! Die Karte zeigt mehr als 20 verschiedene Caches in der unmittelbaren Umgebung an. Ein Goldgräbermekka direkt vor meiner Haustür!
Der erste Multi-Cache, bei dem man über mehrere Stationen auf die Suche geschickt wird, beginnt sogar gleich in meiner Straße. „Bei den Startkoordinaten befindet ihr euch vor einem großen Gebäude mit goldenen Lettern. Was für eine Hausnummer hat es?“, heißt es in der Anleitung. Auch ohne GPS-Gerät ist dieses Rätsel schnell zu lösen: Es ist die große Druckerei am Ende der Straße. Aus der Hausnummer und der Anzahl der Buchstaben im Namenszug ergeben sich neue Satelliten-Koordinaten. Sie führen zum nächsten Hinweis. Zwei Stationen weiter habe ich den Cache gefunden: eine kleine Dose, die ein großes Glücksgefühl hervorruft. Auch wenn man sie gleich wieder zurückstellen muss.
"Das Schöne am Geocaching ist, dass es sich um keine reine Online-Community handelt, sondern dass die Mitglieder auch rausgehen und ihre Umgebung erkunden“, sagt Gesa Henselmans. In ihrer medienwissenschaftlichen Dissertation beschäftigt sich die 30-Jährige mit der ethnologischen Seite des Phänomens.
Versteckte Caches gibt es in 200 Ländern, weltweit sind mehr als eine halbe Million Verstecke registriert. „Der erste Cache weltweit wurde am 3. Mai 2000 in Oregon versteckt“, sagt Henselmans, „einen Tag, nachdem die Clinton-Regierung die Verzerrung der Satellitensignale abgeschaltet hatte.“ Bis zu diesem Zeitpunkt waren die Signale durch das Hinzufügen künstlicher Fehler verändert worden, die Genauigkeit für die zivile Nutzung wurde dadurch auf etwa 100 Meter beschränkt. Heute können Privatleute nach Eingabe der GPS-Daten den gewünschten Standpunkt bis auf drei Meter genau bestimmen.
- Datum 30.10.2008 - 19:52 Uhr
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- Quelle ZEIT ONLINE
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