Reaktion auf Protestwelle Keine Nackt-Scanner in Deutschland

Politiker, Bischöfe und Polizisten hatten heftig gegen die von der EU geplanten Durchleuchtungsgeräte an Flughäfen protestiert. Die Bundesregierung verzichtet nun auf sie

Mitte der Woche war bekannt geworden, dass die EU den Einsatz der sogenannten Bodyscanner, die Fluggäste bis auf die Haut durchleuchten, künftig auf allen europäischen Flughäfen erlauben will. Dagegen hatte sich sogleich starker Widerstand geregt. So sprach der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Robert Zollitsch, von einem Verstoß gegen die Menschenwürde. «Die Intimsphäre ist absolut unantastbar», sagte der Freiburger Erzbischof. Auch Politiker aller Parteien in Deutschland und Polizeigewerkschafter wandten sich entschieden gegen den Einsatz der Geräte.

Die Bundesregierung reagierte am Freitag. «Da kann ich Ihnen mit aller Klarheit sagen, dass wir diesen Unfug nicht mitmachen», sagte eine Sprecherin des Bundesinnenministeriums in Berlin.

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Durch die Bodyscanner werden auch am Körper befestigte Gegenstände - etwa versteckte Waffen - sichtbar, aber eben auch die Körperumrisse und die Geschlechtsteile. Die EU-Kommission verspricht durch die neuen Geräte mehr Sicherheit als bei den bisher benutzten Metalldetektoren. Die können zum Beispiel Keramikmesser oder Plastiksprengstoff nicht erkennen.

Die Scanner sind bereits probeweise auf Flughäfen in Amsterdam, Zürich und London im Einsatz. Die Bundespolizei versicherte, dass an deutschen Flughäfen keine Körperscanner eingesetzt werden. Dabei werde es auch bleiben, sagte ein Sprecher.

Der Vorsitzende der sozialdemokratischen Fraktion im EU-Parlament Martin Schulz kritisiert, die Nackt-Scanner würden die Sicherheit keinesfalls erhöhen. «Eine solch drakonische Maßnahme ist unverhältnismäßig und nicht erforderlich.» Auch heute schon seien im konkreten Verdachtsfall Leibesvisitationen rechtlich möglich.

Auch der Vorsitzende der Gewerkschaft der Polizei, Konrad Freiberg, ist entschieden gegen Einführung der Bodyscanner. Durch sie werde das sittliche Empfinden schwer gestört. Zudem sehe er keinen großen Sicherheitsgewinn. Besser wären aus Sicht des Polizei-Experten, mehr Sicherheitspersonal und leistungsfähigere Detektoren einzusetzen. Ähnlich äußerte sich der Chef der Deutschen Polizeigewerkschaft, Rainer Wendt.

Der Innenexperte der Unions-Fraktion, Wolfgang Bosbach, forderte vor der Einführung der Nackt-Scanner erst einen Beleg, dass sie einen effektiven Sicherheitsgewinn aufweisen. «Man muss nicht alles machen, was technisch machbar ist», sagte der CDU-Politiker.

Die EU-Kommission hatte den Vorstoß dagegen verteidigt. Die Durchleuchtungsgeräte seien eine effektive, aber freiwillige Ergänzung der Kontrollen, sagte ein Sprecher in Brüssel.

 
Leser-Kommentare
  1. Jetzt geht's aber los! Und warum stehen die Geräte noch nicht vor Fußballstadien, Einkaufscentern, Bundestag, U-Bahn, CSD?

    Da werden nur halbe Sachen gemacht. Alle Plätze mit großen Menschenansammlungen bergen doch die Gefahr von Anschlägen.

    An den Flughäfen existiert die Infrastruktur zur Personenkontrolle. An den oben genannten Plätzen wäre eine Installation mit erheblichen Kosten verbunden und wird daher nicht umgesetzt.

    Die bestehenden Kontrollen halte ich für mehr als ausreichend. In die USA werde ich nicht einreisen, meine Fingerabrdrücke gehören mir.

    Gruß
    ver-die

    • Amaro
    • 24.10.2008 um 13:01 Uhr

    Es ist erstaunlich, wie prüde und verklemmt Deutschland immer noch ist!
    Lieber lassen Sie sich von oben bis unten abtasten, als dass ein Sicherheitsbeamter ihr Geschlechtsteil sehe (gehen sie denn nie zum Arzt?).

    Haha - den Aufschrei unserer Politiker und Kleriker finde ich sehr belustigend.

    Europa ist hier weiter, moderner.... Deutschland hinkt hinterher.

  2. Man sieht deutlich wo die Prioritäten in Deutschland liegen!
    "Mein Pc wird abgescannt?"
    "Na ja, wenns denn sein muss.."

    "Meine Privatgespräche werden abgehört?"
    "Ok, ok, nicht sehr schön..."

    "Meine Adresse und meine Kontoverbindungen werden irgenwo gesammelt?"
    "Jaaa, da sollte man mal bei Gelegenheit was dagegen tun...."

    "Man sieht meine Geschlechtsmerkmale?!?!"
    Und schon geht ein Aufschrei durch Deutschland! Schneller als sich die Verantwortlichen überhaupt ducken können!

    Die Lösung ist natürlich eben so einfach : Ein Bikinscanner, der bei der Anzeige den Brust und Unterleibsbereich ausblendet. Wetten der kommt?

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    die einen schmunzeln lassen.

    Wenn es denn um unsere Unterhose bzw. das was dahintwer steckt geht, kennt der Datenschutz auf einmal keine Grenzen mehr und die, welche eben noch alles und jedes von usn wissen wollen, verzichten dankend auf ein Nacktfoto von sich.

    Vielen Dank für die treffende Zusammenfassung, wie der Gedanke des Datenschutz in Deutschland gesehen wird!

    die einen schmunzeln lassen.

    Wenn es denn um unsere Unterhose bzw. das was dahintwer steckt geht, kennt der Datenschutz auf einmal keine Grenzen mehr und die, welche eben noch alles und jedes von usn wissen wollen, verzichten dankend auf ein Nacktfoto von sich.

    Vielen Dank für die treffende Zusammenfassung, wie der Gedanke des Datenschutz in Deutschland gesehen wird!

  3. die einen schmunzeln lassen.

    Wenn es denn um unsere Unterhose bzw. das was dahintwer steckt geht, kennt der Datenschutz auf einmal keine Grenzen mehr und die, welche eben noch alles und jedes von usn wissen wollen, verzichten dankend auf ein Nacktfoto von sich.

    Vielen Dank für die treffende Zusammenfassung, wie der Gedanke des Datenschutz in Deutschland gesehen wird!

  4. die RFID-chips kommen, und sind im US-Pass bereits Standardmäßig ausgeführt

    http://de.youtube.com/wat...
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    Bürger, sei wachsam!

  5. Diese technologie koennte ein eigentor gegen die befuerworter von sog. 'sicherheitstechnologien' sein. Es ist eine offensichtliche methodik die eben nicht wie ein chip im karton oder kunststoff im reisepass/perso eingeschweisst ist oder irgendwo beim netzprovider im keller laueft.

    Diese technologie provoziert bei jedem menschen sofort fragen. Nicht nur beim fluggast. Solche geraete koennten ja ueberall auftauchen und eingesetzt werden. Sogar ohne kenntnis des observierten. Jeder, auch ohne 1 cm fachwissen, versteht sofort was dort passiert und kann sich ein, wenn auch eingeschraenktes bild, machen von dem missbrauch der sich auftut. Und wie schuetzt der staat seine buerger vor missbrauch?

    Diese scans haben das potential zur ikone gegen alle big-brother technologien zu werden weil sie das bild eines menschen zeigen und zu gedankenspielen anregen.

    • tom310
    • 24.10.2008 um 15:27 Uhr

    Warum nicht einfach nackt fliegen. Das beschleunigt die Abfertigung am Flughafen, die Terrorwahrscheinlichkeit sinkt auf null und Islamisten würde nicht einmal einsteigen wollen. Juchee, billiger, schneller, sicherer.
    Werde mir gleich noch den Jamba-Nacktscanner für's Handy runterladen.

    Ich habe das ungute Gefühl, dass ausgerechnet die Terminator-Reihe unsere Zukunft am besten vorhersagt.

  6. frage:würde ich wegen sexueller belästigung angezeigt,wenn ich im nachtscanner ein ordentliches rohr habe?
    frage:ist meine intimsphäre geschützt,wenn der staat protokolliert,welche pornoseiten ich ansurfe,welche photos ich anklicke,wie lange und wann ich dann die seite verlasse weil ich fertig bin?(dies sind nur verkehrs- und keine inhaltsdaten)
    zu der forderung der polizei nach mehr personal:
    schäuble in der taz vom 14.10.2008 :frage:" Viele Polizeibeamte sagen (...)Sie hätten lieber noch ein paar mehr Beamte." antwort"Aber ich kann doch (...) den Einsatz von Dienstfahrzeugen nicht verbieten und Beamte wieder auf Fußstreife schicken. Da muss nur ein Verbrecher mit einem schnellen Auto fahren und schon wären die Polizisten abgehängt"
    auf die frage nach dem wesen des rechtsstaates:"Den Rechtsstaat macht aus, dass Unschuldige wieder frei kommen."(aber sodan für die gleiche aussage im zusammenhang mit ackermann kritisieren)
    was für eine (fäkalwort) dieser mann sich jetzt schon traut zu verbreiten!
    HOLGER,DER KAMPF GEHT WEITER

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