Schach-WM Anand bleibt Schach-Weltmeister
Dem Inder Viswanathan Anand reichte ein Remis, um seinen Titel zu verteidigen. Ein weiterer Gewinner dieser WM ist der Schachsport.
Am Montag hatte Vladimir Kramnik den WM-Kampf noch einmal spannend gemacht. Anand hätte bereits in dieser zehnten Partie ein Remis gereicht, um das WM-Duell zu gewinnen. Er unterlag seinem russischen Herausforderer jedoch - zum ersten Mal während dieser Weltmeisterschaft.
Nach Anands Siegen in der dritten, fünften und sechsten Partie genügte ihm heute ein Remis zum Gesamtsieg. Der Russe hätte sowohl diese als auch die letzte Partie gewinnen müssen, um ein Tie-Break zu erreichen.
Der eigentliche Gewinner ist aber der Schachsport, denn seit Langem hat keine Schach-Weltmeisterschaft eine derartige Resonanz in den Medien gefunden: So spielte sich die Berichterstattung nicht etwa in der Bildungsbürgernische, unter "ferner liefen" in der Schachecke ab, sondern erfuhr in allen großen Zeitungen und in deren Online-Ausgaben große Beachtung. Dank der dort gebotenen Schach-Ticker und Live-Bretter konnten Schachbegeisterte die Partien zeitgleich am heimischen Computer nachverfolgen.
Der deutliche Ausgang der WM überrascht: Sowohl Anand und als auch Kramnik gehören zu den Top-Spielern der Schachwelt und der überwiegende Teil ihrer bisherigen Begegnungen endete mit einem Remis. Vor dem Match hatte man deshalb mit einem sehr ausgeglichenen Verlauf gerechnet, dass eine Entscheidung erst ganz am Schluss im Tie-Beak fallen würde, war nicht unwahrscheinlich.
Stattdessen dominierte Anand die Partien bisweilen deutlich und bereitete seinem russischen Herausforderer durch überraschende Spielzüge Kopfzerbrechen. Dabei war oft auf den ersten Blick gar nicht ersichtlich, dass Kramnik in Bedrängnis geraten würde. Die geordneten Stellungen des Herausforderers wirkten stets so, als hätte er das Spiel unter Kontrolle oder sei gar im Vorteil. Doch trotz aller strategischer Tiefe und Unerschütterlichkeit, für die das Spiel des Russen bekannt ist, gelang es ihm nicht, einen entscheidenden Vorteil gegenüber seinem Gegner herauszuspielen. Er leistete sich unter Zeitdruck Fehler, die sein Rivale souverän nutzen konnte.
Anand dagegen spielte, mit Ausnahme der zehnten Partie, über das Match hinweg äußerst konzentriert und wusste aus einem streckenweise zerklüfteten Stellungsspiel heraus seine Chancen gegen Kramnik zu nutzen. So gewann er, äußerst ungewöhnlich im Profi-Schach, mit der dritten und fünften Partie zweimal aufeinander folgend mit den schwarzen Steinen. Die fünfte Partie sogar gegen einen Vorteil Kramniks – was angesichts seines Könnens als Verteidiger für Aufsehen sorgte.
Dass Anand sich ausgezeichnet auf die Verteidigung des Weltmeistertitels vorbereitet hat, wurde offensichtlich. Gleichzeitig lässt die Deutlichkeit der Niederlage auch eine Formschwäche Kramniks vermuten, dem man sonst eine große Stärke in eben solchen Duellsituationen attestiert. Trotzdem gibt es keinen Grund, Anands Leistung zu schmälern - der Inder hat sich in diesen elf Partien als würdiger Weltmeister gezeigt.
Nach dieser WM müssen Schach-Fans jedoch nicht lange auf das nächste Event warten. Bereits in wenigen Wochen findet in Dresden die Schacholympiade statt. Die nun beendete WM schafft mit der ihr geltenden Aufmerksamkeit auch beste Bedingungen für die Olympiade. Dieses große Turnier wird sich deutlich vom gerade beendeten Duell unterscheiden. So werden dort mehr als 2000 Teilnehmer aus 152 Ländern in Mannschaften gegeneinander antreten.
- Datum 12.11.2008 - 16:39 Uhr
- Seite 1 | 2 | Auf mehreren Seiten lesen
- Quelle ZEIT ONLINE
- Versenden E-Mail verschicken
- Empfehlen Facebook, Twitter, Google+
- Artikel Drucken Druckversion | PDF
-
Artikel-Tools präsentiert von:







Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren