Tsunami Warten auf die Monsterwelle

Ein Seebeben vor Sumatra tötete 2004 etwa 280.000 Menschen. Forscher haben entdeckt, wann die größte Katastrophe der jüngeren Menschheitsgeschichte wiederkehren könnte

Lauft, so schnell ihr könnt, wenn der Boden grollt. Dieser Kern einer Legende rettete Tausenden Bewohnern von Simeulue das Leben. Als die Erde im Indischen Ozean Weihnachten 2004 zu beben beginnt, eilen die Insulaner ins Landesinnere. Noch ahnen sie nicht, dass die Welle, die wenig später die Küste erreicht, Hunderttausenden in Indonesien und Thailand den Tod bringen wird. Jenen, die die Legende von Simeulue nicht kennen.

Auch Katrin Monecke und ihr Team kennen diese Geschichte. Die Geologin versucht, die Frage zu klären, die die Menschen im Tsunamigebiet seit der Katastrophe umtreibt: Wann kommt die nächste Welle? "Auf ganz Sumatra und in deren schwer getroffener Provinz Aceh gibt es keine Aufzeichnungen über Vorgänger des Tsunamis von 2004", sagt die Forscherin von der Universität Pittsburgh. Doch den Geologen war klar: Es musste in der Vergangenheit ähnlich starke Tsunamis gegeben haben. Dafür spricht, dass sich tief unter dem Meeresspiegel riesige Erdplatten im Indischen Ozean gegeneinander schieben. Die ungeheure Energie, die hierbei entsteht, muss sich über kurz oder lang in einem Seebeben entladen.

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An der Westküste Sumatras begannen die Geologen mit ihrer Suche. Etwa zur gleichen Zeit bohrten auch Brian Atwater und seine Kollegen auf der Insel Phra Thong, 125 Kilometer nördlich der thailändischen Ferieninsel Phuket, nach Antworten. Beide Gruppen wurden fündig. In zwei Meter Tiefe datierten sie organische Überreste, die sie dort fanden, anhand natürlich vorkommender radioaktiver Kohlenstoffe. Das brachte Gewissheit: Etwa alle 600 Jahre kommt es zu einem Tsunami von verheerenden Ausmaßen, schreiben die Geologen im Wissenschaftsmagazin Nature . Eine ähnliche Zeitspanne von 550 bis 700 Jahren fanden auch Atwater und sein Team in Thailand.

"Das erklärt, warum niemand auf Sumatra und in Thailand die Warnsignale, die einem Tsunami vorhergehen, erkannt hat", sagt Monecke. Die Menschen haben über Generationen hinweg schlichtweg vergessen, was auf sie zukommen kann, wenn die Erde unter ihnen bebt. 2004 erreichte der Tsunami mancherorts eine Höhe von bis zu 35 Metern und schwappte bis zu zwei Kilometer landeinwärts. Dabei hinterließ er neben Verwüstung aber auch eindeutige Spuren in der Erde, die sich immer tiefer ablagerten.

Die Sandschichten, die ein Tsunami hinterlässt, sind viel heller als der sumpfige Marschboden auf Sumatra. Sie entstehen durch den Sog der Welle, der Meeressand ins Landesinnere trägt. "Die Schichten, die wir gefunden haben, lassen sich bis zu 1800 Meter landeinwärts immer wieder im Boden finden", erläutert die Monecke.  Daraus schließen die Forscher, dass sie von einem Tsunami stammen, der von einem Seebeben ähnlicher Stärke wie Weihnachten 2004 ausgelöst wurde. Auch hier lassen sich Sandschichten bis weit ab von der Küste der katastrophalen Welle zuordnen.

Leser-Kommentare
    • ROFI
    • 01.11.2008 um 9:19 Uhr

    grundlegende oder gar weltbewegende Neuigkeit - sollte als solche auch nicht verkauft werden - insofern als es das ein mal eins des Lebens darstellt.

    U. a. Salomon Kronenberg beschreibt sehr verständlich (wichtig für all jene, die bei Wissenschaft sofort Ohren und Augen veschließen.) in seinem Buch "Der lange Zyklus", wie es sich damit verhält. Da einigen Journalisten der Zeit das NOVO Magazin mehr als nur bekannt ist, sollte sich einiges davon auch in den Artikeln der Zeit niederschlagen.

    Es handelt sich bei diesem um ein Buch, das weit mehr beinhaltet als das Thema (grob als diese gesellschaftliche Blase) Umwelt und Folgen... - ein Buch, dass einfach mal so stehen bleiben kann. Das zeigt auch die Rezenssion eines (bin mir nicht ganz sicher) Kulturwissenschaftlers, für die SZ schreibend, die eher den Eindruck hinterlässt, Kritik suchend als auch tatsächlich Kritik findend zu sein, denn begründet wird diese nicht. Schaut man sich zu dem die eigenen Publikationen des Schreibers an, kann auf den Gedanken gekommen werden, einem weiteren Fahrkartenbesitzer dieses so wenig verständlichen Trendzuges gegenüberzustehen. Der eine läuft eben nach Rom, der andere sonstwohin... Ich hatte schon überlegt, ein Buch das Stricken zu schreiben, um meinen Mitmenschen zu verdeutlichen, dass dies sehr meditativ und befreiend, die Konzentration fördernd usw. sein kann, noch dazu weniger teuer als diverse Coacher, super Visionäre (denn ob ein Entwurf super ist, ich weiß nicht...)...

    Dann lese man dazu noch Richard Munz Werk "Im Zentrum der Katastrophe - Was es wirklich bedeutet, vor Ort zu helfen", um einiges aus dieser Perspektive zu verstehen und die Möglichkeit zu erhalten, dem mit einem veränderten Verständnis zu begegnen. Es ist ein weiteres sehr zu empfehlendes Buch.

    Nun öffne man noch mal die Schublade oder trete vor das Bücherregal und hole den Herrn Kostolany hervor.

    Ein Spielen mit großen Zahlen, Superlativen scheint mir gar nicht notwendig zu sein, um - wenn es ein wirkliches Interesse daran gibt - die eigentlichen Zusammenhänge besser verstehen zu können.

    Also einige Zeichen in den Rechner "gehackt". Doch wofür nun genau?

    Im Westen (geographisch und Industrienation) wohl wieder nichts neues... ODER doch? Es schöner und treffender Titel.

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