US-Wahlkampf Vizekandidaten in der Echokammer

Die US-Konservativen sehen schon länger eine tendenziöse Berichterstattung und fordern für Biden die gleiche Härte wie für Palin. Doch ist Ihr Ärger gerechtfertigt?

Obamas Vizepräsidentschaftskandidat Joseph Biden

Obamas Vizepräsidentschaftskandidat Joseph Biden

Zwei Wochen vor den Wahlen wurde am Montag eine erste Bilanz über die Rolle der Medien in der heißen Phase des amerikanischen Präsidentschaftswahlkampfs veröffentlicht. Die politische Berichterstattung von 48 nationalen und regionalen Medien stand im Zentrum der Studie . Das Ergebnis: Eine grundsätzliche Präferenz der Medien für Barack Obama, wie sie konservative Kommentatoren verdächtigen, sei in dieser Schärfe nicht nachweisbar.

So habe im Anschluss an die Parteitage Anfang September noch die negative Berichterstattung über Barack Obama überwogen. Zu diesem Zeitpunkt lag der Demokrat in nationalen Umfragen einige Prozentpunkte hinter John McCain. Erst mit dem Wandel der Umfragewerte im Zuge der Finanzmarktkrise und der Veröffentlichung der ersten Fernsehinterviews mit der republikanischen Vizekandidatin Sarah Palin habe sich auch die Berichterstattung über Obama zu dessen Gunsten gewandelt.

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Über John McCain sei zu dieser Zeit dagegen zunehmend negativ berichtet worden. Seine Bemühungen, mit kritischen Werbespots die Aufmerksamkeit von der wirtschaftlichen Lage auf Barack Obamas Charakter umzuleiten, hätten dem Medientenor über McCain noch weiter geschadet.

Statt einer generellen politischen Präferenz zeige die Studie eine Wechselwirkung zwischen Wahlumfragen und Journalismus – und einen sich selbst verstärkenden Effekt der Berichterstattung. „Wir sehen ein sich wiederholendes Muster“, schreiben die Autoren. Zunächst werde über Auftritte oder Aussagen eines Kandidaten berichtet. Im zweiten Schritt folgten dann Artikel darüber, wie sich das Berichtete in den Umfragewerten niederschlage. „Dieser Echoeffekt existiert in jeder Berichterstattung, doch im Präsidentschaftswahlkampf ist er sehr viel stärker ausgeprägt – dank der explosionsartigen Zunahme von täglichen Umfragen, von Websites, die Umfragewerte bündeln und von pausenlosen Fernsehdiskussionen über ihre Konsequenzen.“

Zeitgleich pochten zwei konservative Kommentatorinnen darauf, dass die Massenmedien voreingenommen seien – und führten als Beispiel dafür die Berichterstattung über die beiden Vizekandidaten an. Sarah Palin war gestern noch durch die amerikanischen Medien gegangen, als Journalisten die in der republikanischen Wahlkampfbuchhaltung aufgeführten Bekleidungsausgaben thematisierten, die sich seit ihrer Nominierung auf rund 150000 Dollar summierten.

Der Demokraten-Vize Joe Biden entkomme dagegen der kritischen Aufmerksamkeit der Medien, schreibt die Kolumnistin Kirsten Powers in der New York Post . So habe Biden in der Debatte mit Sarah Palin behauptet, die USA hätten die Hisbollah aus dem Libanon vertrieben – ohne, dass dafür seine außenpolitische Expertise in Zweifel gezogen worden sei, die als Grund für seine Vizenominierung gilt. „Die Medieneliten haben das Vorurteil, dass jeder, der mit einem R hinter seinem Namen als Republikaner gekennzeichnet wird, dumm ist. Wenn diese Leute etwas Dummes sagen, dann müssen sie auch dumm sein“, schreibt Powers. „Vollkommen falsche und empörende Kommentare von einem Demokraten wie Biden werden dagegen ignoriert – denn die Insider aus Presse und Fernsehen haben das Gefühl, dass sie wissen, wer er wirklich ist.“

In dieselbe Kerbe schlägt auch die Bloggerin Michelle Malkin in der aktuellen Ausgabe ihrer national vertriebenen Zeitungskolumne . Sie verzeichnet eine lange Liste von Beispielen dafür, dass der 65-jährige Biden „zunehmend fahrig“ werde. Unter anderem weist sie darauf hin, dass Biden auf einer Spendengala am Sonntag  in Anspielung auf John F. Kennedy und die Kubakrise wahltaktisch unbedacht prophezeit hatte, die Präsidentschaft Barack Obamas würde binnen einen halben Jahres durch eine aus dem Ausland forcierte internationale Krise herausgefordert werden. Solche Fehltritte würden ihm jedoch verziehen – anders als Sarah Palin.

Jake Tapper vom Fernsehsender ABC schreibt derweil, dass Journalisten zunehmend der Zugang zu Joe Biden entzogen würde – dahingehend, dass Biden im Umgang mit der Presse nun mit der anfangs so abgeschotteten Sarah Palin die Rollen vertauscht habe. „Es fällt nicht schwer, sich auszumalen, wieso dies passierte“, schreibt Tapper . „Bidens Neigung, zu sagen was er denkt, hat John McCain und die Republikaner mit viel Futter versorgt.“

 
Leser-Kommentare
  1. Natuerlich erzaehlen Wahlkaempfer beider Seiten Bloedsinn, jedoch erkennt man in den Aesserungen des Herrn Biden eher Sarkasmus auf Grund von Fachwissen (abgesehen von den Libanon Ausserungen). Dies ist allerhoechstens ein Faupax wahltaktischer Art, waehrend Frau Palin durch die echte Dummheit einens "gut aussehenden Papageien", der brav seine Satze daher plappert, auffaellt.
    Meiner Meinung nach ist nicht die Berichterstattung ungerecht, sondern Frau Palin eine wirkliche Katastrophe, was selbst die intellektuellen Kreise der Republikaner zugeben.
    Nun moechte ich noch gerne erwaehnen, dass das Bild des "huebschen Papageien" von John Cleese stammt.

  2. Der Unterschied zwischen Biden und Palin ist, dass man bei Biden zumindest den Eindruck hat, dass er sich von Fall zu Fall Kompetenz aneignen könnte. Dass der auch nicht das Gelbe vom Ei is its schon klar. Zumindest kann er nicht vorhandenes Detailwissen überspielen. Palin gluckst herum, und plötzlich befindet sie sich in ihrer eigenen Logik gefangen und steht rhetorisch mitten im Krieg mit Russland wg. Georgien.

    Biden hat Kompetenz-Kompetenz, Palin nicht. Darum liess es das Parteimanagement auch bei vier Interviews von Palin bewenden, und Pressekonferenzen hat es mit ihr bislang noch keine gegeben.

    Palin kann artig Reden einstudieren die sie dann dem Zielpublikum entsprechend gut und zudem mit einem niedlichen Akzent rüberbringt (anschauen tue ich mir das ja auch recht gerne). Essentiell erfüllt sie derzeit die Aufgabe einer halbwegs talentierten Schauspielerin. Damit hat sich das. Substanz ist schlicht und einfach keine erkennbar.

    Grandioses Detailwissen mit ebenso detailierten Ausblicken in die Zukunft wie man das vom deutschen Wahlkampf so kennt ist in Amerika nicht wirklich. Glaubwürdige Rhetorik ist gefragt. Wer mir hier im Detail die Besteuerungsvorstellungen der Präsidenschaftskandidaten darlegen kann, darf das tun. Rhetorik ist, McCain will mehr Steuererleichterungen für Einkommen über 250.000, Obama für die darunter. Die Vorstellungen beider zum Thema Krankenversicherung haben was Geheimwissenschaftliches an sich - zumindest für mich. Wer erklären will: Freiwillige vor! Oder muss ich auch da auf Joffe und Kleine-Broeckenworth, oder wie der heisst, warten?

    Darüberhinaus erzählt McCain ständig, dass er weiss wie man einen Krieg gewinnt. Kriegsgefangenschaft scheint dazu prädestinieren. Beide wollen Osama Bin Laden fangen - ich bezweifele, dass der überhaupt noch am Leben ist.

    Obama erscheint mir der intelligentere zu sein und hat schon mal gegen den Irak Krieg gestimmt, also bin ich eher für den, als den Opa mit der intellektuell eher limitiert ausgestatteten Vizekandidatin.

    • sjdv
    • 24.10.2008 um 16:06 Uhr

    Wenn's schlecht läuft, werden die Medien verantwortlich gemacht. Das ist nichts Neues und kommt auch in Deutschland vor - man erinnere sich an Kurt Beck.

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