US-Wahlkampf Was, wenn doch McCain gewinnt?

Konservative Blogger zweifeln an den Umfragen und der zunehmenden Gewissheit, dass es für Barack Obama sehr gut aussieht. Die Blogschau

John McCain, Florida, 23. Oktober 2008

Es ist eines der bekanntesten Fotos der amerikanischen Wahlkampfgeschichte: Ein sichtlich gut gelaunter Harry Truman, frisch zum nächsten Präsidenten der Vereinigten Staaten gekürt, hebt am dritten November 1948 die Nachtausgabe der Chicago Tribune über den Kopf. "Dewey besiegt Truman" steht da – eine Schlagzeile, die noch heute von der Fehlbarkeit von Wahlprognosen und Hochrechnungen zeugt.

Es ist wohl nicht zu erwarten, dass 60 Jahre später der Technikmuffel John McCain einen Laptop in die Kameras halten wird, der die gesammelten Überschriften von Blog-Postings zeigt, die seine Niederlage vorhergesagt hatten. Dennoch irritiert die Gewissheit, mit der selbst renommierte Kommentatoren zwei Wochen vor der Wahl Barack Obama zum Sieger ausrufen. " Warum Barack Obama am Siegen ist " , heißt es da etwa, " Das war's für McCain " , oder " Barack Obama wird John McCain besiegen ".

Anzeige

Die Bedingungen für solche Schlüsse sind verlockend: Die Ergebnisse schwanken deutlich zwischen einem und 14 Prozent Vorsprung, doch in jeder großen nationalen Umfrage liegt Barack Obama vorn. Auch in den wichtigen Swing States, Ohio etwa, Michigan und Pennsylvania, fallen die Prognosen zu Obamas Gunsten aus. Und die im Netz kursierenden anekdotischen Berichte aus jenen Staaten, die das vorgezogene Wählen erlauben, erzählen von langen Schlangen der Obama-Anhänger an den Wahllokalen.

Dennoch habe Obama die Wahl noch nicht in der Tasche, mahnt Jim Geraghty im Blog der National Review . Er verweist auf die erste Septemberwoche, als Barack Obama mit einem Vorsprung von sechs Prozent aus dem Parteitag der Demokraten hervorging – und binnen weniger Tage John McCain mit drei Prozent vorne lag. "Seitdem hat Obamas Leistung in den Präsidentschaftsdebatten vielen Wählern wohl wieder Mut gemacht, sodass sein aktueller Vorsprung wahrscheinlich beständiger ist, als der am zweiten September", schreibt Geraghty. "Aber der Umschwung von neun Prozent zeigte, dass sich die Dinge schnell verändern können."

Auch Chris Cillizza schreibt im Blog der Washington Post , dass der Ausgang der Wahl nicht vorherzusehen sei. "Inmitten von unendlichen Umfragen, den Nachrichten und dem Geschnatter gibt es in der Politik die Tendenz, anzunehmen, dass man alles wissen kann, was es über eine Präsidentschaftswahl zu wissen gibt", schreibt Cillizza. "Das ist falsch." Er nennt fünf Faktoren, die den Ausgang der Wahl noch entscheidend beeinflussen könnten. Werden Erstwähler wirklich so zahlenstark zur Wahl kommen, wie es für Obama notwendig wäre, fragt Cillizza.

Leser-Kommentare
    • awaler
    • 24.10.2008 um 12:22 Uhr

    Seine rhetorische Frage: Warum gehn die Leut zum Fußball?
    Weil se net wissen wies ausgeht.

    Es ist ein Allgemeinplatz, dass Umfragen nicht zu trauen ist.

    Aber, nach allem was man von McCain weiß, wäre seine Wahl eine sehr schlechte Nachricht für die Weltwirtschaft.
    Dass er selbst von "economy" keinen Schimmer hat, mag noch angehen. Doch seine Berater sind genau die Leute, die die Krise mit zu verantwoten haben.
    Natürlich hat Amerika seine ehemalige alleinige Führungsrolle schon längst verspielt. Aber es wäre schon wichtig, dass die USA im Konzert der Großen wenigstens noch mitspielen und nicht zu einer weltwirtschaftlichen Randerscheinng degenerieren.

  1. "Obamas Wahlkampfmanager fürchten den «Bradley-Effekt». Der schwarze Bürgermeister von Los Angeles, Tom Bradley, war 1982 in Kalifornien nach Umfragen als hoher Favorit in die Wahl des Gouverneurs gegangen, um dann doch noch zu verlieren. Viele stimmten anders als verkündet." - So liest man in verschiedenen Gazetten.
    Selbst wenn Obama mit 70% führen würde laut Umfragen, muss er nicht auch die Wahlen dann gewinnen. Die, die sich positiv für ihn aussprechen, könnten in Wirklichkeit also ganz anders denken und aus Angst vor Rassismus-Vorwürfen in Umfragen lügen. Abgesehen von Verfälschungen der Umfragen können auch Manipulationen der Wahlmaschinen oder Korruption bei Wahlmännern nicht wirklich ausgeschlossen werden, auch wenn man der größten Demokratie der Erde dieses nicht zutrauen möchte. Aber auch Bush lag mit Stimmen hinter Al Gore, konnte aber mehr Wahlmänner auf sich vereinigen ...

  2. Wie der Spiegel ja unlängst berichtet hat scheint es ja auch einen gegtenteiligen Bradley-Effekt einer jüngeren Natur zu geben . Bei Obama mal rundweg 5% abgezogen bleibt er immer noch der neue Präsident. Ausserdem gibt es da auch noch den Lichtman Effekt (s. http://en.wikipedia.org/w... => "Author and commentator") der scheinbar mit äusserster Sicherheit Vorhersagen erlaubt die seit demmittleren 19. Jhdt immer eingetroffen sind. Obama wird gewinnen.

    Ausserdem sind da ja noch immer die Umfragen. Z.B. realclearpolitics.com/epolls/maps/obama_vs_mccain/ . Noch niemals ist in den letzten 10 Tagen vor der Wahl eine trendunterstützter Wert dieser Grössenordnung eingebrochen.

    McCain hat sich mit "Joe the Plumber", Joe Worzelbach den Todesstoss gegeben. Seitdem nimmt jeder an, dass der für Einkommen über 250.000 weniger Steuern will und Obama weniger Steuern für die mit mehr realistischen Einkommen. Seitdem trendet sein Wahlkampf stetig südwärts gen Antarktis.

    Die Wahl hat begonnen. Es kommt nichts grossartiges mehr. Wenn nicht plötzlich Obamas Mitgliedschaftskarte von Al Quaeda auftaucht, bevorzugt mit Beitragsquittung für 2009, kann er nicht mehr verlieren.

    Ob irgendjemand wirklich die Steuer- oder Krankenkassenpolitik einer der beiden Kandidaten kapiert spielt keine Rolle. (Ich bin da mal ganz ehrlich und sage "keine echte Ahnung" - vielleicht erläutern Jofffe oder Kleine-Brockworth mal, anstatt nur propagandistisch Meinung von sich zu geben).

    Obama ist der weisseste "Schwarze" seit Sidney Poitier und wir der nächste Präsident der USA. Und, weil ja heutzutage das Leben die Kunst imitiert, wie im Film wird das an einem wesentlichen Wendepunkt der US Geschichte sein. Im Film ist ja da auch immer gerade eine Frau oder ein Farbiger im Amt.

  3. Das Thema mit dem "gefürchteten" Bradley-Effekt wurde doch sogar hier (Zeit.de) schon aufgenommen und dem gegenteiligen Effekt gegenübergestellt...
    Aber davon mal abgesehen ist der in diesem Artikel beschriebene "Sturz" Obamas in den Umfragewerten nach dem Kongress der Republikaner doch auch darauf zurückuführen, dass einige unentschlossene Wähler dachten, dass die Palin als VP taugen würde, was nun hoffentlich aufgeklärt ist.
    Hinsichtlich der Umfragewerte kann wirklich ein Blick auf realclearpolitics.com geworfen werden - nach dem jetzigen Stand müsste Obama lediglich die Staaten gewinnen, in welchen er mit 7% oder mehr führt (insg. 277 Wahlmänner)... es ist zu wünschen, dass er dies schafft.

    • tom310
    • 25.10.2008 um 15:58 Uhr

    In der angesprochenen ersten Septemberwoche wurden die Umfragen von Frau Palins Nominierung überschattet, die damals mit vielen Vorschusslorbeeren ins Rennen ging. Frau Palin ist inzwischen der Hauptgrund für Obamas Führung, denn sie erweist sich als komplett unfähig. Einen erneuten Vizekandidaten wird McCain nicht nominieren können.
    Die Wahl in New Hampshire wurde durch das tränenreiche Interview von Frau Clinton überlagert, dass so kurz vor der Wahl kam, dass es nicht mehr in die Umfragen einging.
    Die Existenz eines "Bradley-Effektes" ist inzwischen widerlegt. Einige Umfrageinstitute hatten ganz kurz vor der Wahl ein Patt prophezeit, die meisten anderen Umfrage lagen im Bereich des Messfehlers. Diese Probleme haben in Amerika dazu geführt auch den Messfehler in jeder Statistik zu diskutieren (ein 52% zu 48% ist und bleibt bei 4% Fehler ein klares Patt), ein Verfahren, dass sich in Deutschland noch immer nicht durchgesetzt hat.
    Drei Nicht-Argumente ergeben zusammen kein Argument. Der Rest ist Wahlkampf.

  4. 1. Der Einzige der so einen Rückstand in den Umfragen aufgeholt hat, war Ronald Reagan 1980. Hier gab es zudem Sondereffekte. Einmal ein Fernsehduell unmittelbar vorm Wahltag, was Reagan gegen Carter klar gewann. Zum anderen die Geiselaffäre im Iran, die Reagan in den letzten Tagen vorm ElectionDay gekonnt für sich nutzte. Und als letztes die wirtschaftliche Situation, die gegen Carter sprach. Alles Gründe die John McCain nicht mehr für sich geltend machen kann.

    2. Der VP-Pick von McCain hat sich inzwischen als Flop erwiesen. Sarah Palin spricht nur das rechtskonservative Segment an, aber nicht breite Bevölkerungsschichten, um die Wahl zu gewinnen. Selbst Republikaner sagen, dass Palin not ready für die Präsidentschaft ist. Zudem schleppt Palin zig Affären hinter sich her von Troopergate bis zu den Ausgaben ihrer Garderobe, die aus Spendengeldern bezahlt wurden. Und was wenn McCain vor Ablauf der Amtszeit stirbt? Palin for President? Da haben doch zuviele Angst davor.

    3. McCains Wahlkampf hatte einen zu negativen Ton. Palin rückte Obama in die Nähe von Terroristen. Man versuchte ihm eine Verbindung zu dem ehemaligen Radikalen Ayers anzuheften, was lächerlich war, da Obama bei Ayers terrorsitischem tun erst 8 Jahre war. McCain beschimpfte Obama zudem als Sozialisten wegen dessen Steuerpläne, die 95 % der Bevölkerung entlasten sollen und 5 % mehr belasten sollen. Genau dieses Argument wird allerdings von ökonomen wie Stiglitz als Mittel zur Bekämpfung der Rezession angeführt. Weiterhin richteten die Republikaner in einigen Bundesstaaten Robocalls ein, wo Anrufbeantworter geschaltet wurden, die Obama wieder in die Nähe von Terroristen rückten. Hinzu kam letztendlich noch McCains Arroganz im zweiten Fernsehduell als er Obama mit "that one" bezeichnete.

    4. Die Grand Old Party ist ob des McCain-Wahlkampfs tief gespalten. Die Erklärung von Powell, Obama zu unterstützen, wird etliche unentschiedene Wähler doch zu Obama treiben. Vom Rechtsdrift haben sogar viele Republikaner die Nase voll. Hinzu kommt, dass viele Republikaner im Senat und im Abgeordnetenhaus für den Bail out Plan gestimmt haben, der bei der Bevölkerung (im Gegensatz zu unseren Landen) vollkommen unbeliebt ist.

    5. Die Wirtschaft ist vollkommen am Boden. Viele haben Eigenheim und ihren Job verloren. Die Abwärtsspirale beginnt jetzt erst zu richtig an Schwung zu gewinnen. Das Ende von Reaganomics ist gekommen. McCain als ein vertreter davon vollkommen out.

    6. Welchen "blauen" Bundesstaat will McCain gewinnen? Er liegt überall zweistellig zurück. Obama führt hingegen in allen Swingstates in manchen knapp in anderen eindeutig. Und nicht nur das: Obama führt sogar in klassisch roten Bundesstaaten wie Virginia, Colorado und North Dakota.

    7. Obamas Wahlkampf ist kein Wahlkampf, sondern eine Bewegung. Nur einer Bewegung ist es möglich soviele Spender für die Wahlkampfkasse zu gewinnen. Zu seinen rallies kommen bis zu hunderttausend Leute, bei McCain sind weit weniger. Die Leute brauchen und wollen einen neuen Spirit. Obama ist die Figur, die ihnen dieses Gefühl gibt. Das ist der Unterschied zu Hilary Clinton und John McCain.

    Fazit: der 04.11.2008 wird für die Demokraten ein Landslide.

    • thoem
    • 26.10.2008 um 17:48 Uhr

    Ich möchte hier zum Thema Wahlmanipulationen in den USA, und als Anmerkung zu Herrn Kleine-Brockhoffs Satz "Al Gore, der George Bush in den letzten beiden Wochen 6 Prozentpunkte abnahm, und beinahe gewonnen hätte" aus seinem Artikel vom 07.10. "Was nun, Mc Cain?" auf den offensichtlichsten Fall von Wahlbetrug, die Vorgänge während und nach der Wahl von 2000 aufmerksam machen.
    Für die, die es damals nicht ganz mitgekriegt haben (was bei dem Mass an Enthüllungsjournalismus auch in unseren deutschen Massenmedien sicher keine Schande ist) - Der Spross eines korrupten Traditionen im kaum noch zu überbietenden Mass verhafteten Clans (in der amerikanischen Historie), Bush Jr., ist nie durch reguläre Wahlen ins Amt gelangt.
    Als im Verlauf der Stimmenauszählungen Ende 2000 sich die reale Möglichkeit einer Wahlniederlage für die Republikaner abzeichnete, beschloss man an führender Stelle kurzerhand das Wahlergebnis zu fälschen: Man benutzte seinen Einfluss bei willfährig folgenden Teilen der Massenmedien um in ihnen die gewünschte Stimmung zu erzielen, die Wahlen auch bei einem für sich ungünstigen Ausgang doch noch für sich reklamieren zu können. Zusätzlich organisierte man die Attacke einiger eigens angestellter Subjekte auf Mitarbeiter der Wahlbehörden von Miami-Dade, mit dem Ziel, diese zu einer Einstellung der Nachzählung der strittigen Stimmzettel zu nötigen, nachdem der Oberste Gerichtshof von Florida eine Überprüfung der ungültigen Stimmen per Handauszählung veranlasst hatte (das Wählervotum hier sollte nach den bereits in den übrigen Bundesstaaten vorangegangenen, vor Unregelmässigkeiten und Manipulationen nur so strotzenden Vorgängen das Zünglein an der Waage sein). Man richtete sogar in dem Bemühen, dieses für die eigenen, weiteren machtpolitischen Zukunftspläne schicksalhafte Moment seiner Explosivkraft zu berauben offene Adressen an das US-Militär, dieses Geschehen zu sabotieren.
    Im grossen Stil wurden die Demokraten des versuchten Wahlbetrugs bezichtigt, und bereits hier wurde vor dem schliesslich erzwungenen Machtantritt die sehr enge Nähe zu faschistischen Elementen und Gedankengut ziemlich deutlich. Dieser erzwungene Machtantritt wurde am Ende nur dadurch möglich, dass der Oberste Gerichtshof der USA mit seiner politisch rechts stehenden Mehrheit das Florida-Verdikt 4 Tage nach dessen Ergehen endgültig kassierte, nachdem er bereits vorher die Handzählung der Stimmen, nur einen Tag nachdem sie von den Richtern in Florida bestimmt worden war, wieder vorläufig gestoppt hatte.
    Die absurde Entscheidung wurde dabei mit einer völlig unzeitgemässen Auslegung der Verfassung begründet, die im Endeffekt der amerikanischen Bevölkerung das Recht abspricht, ihren Präsidenten selbst zu wählen.
    Unabhängig davon, zu welchem Ergebnis die begonnenen, und dann doch wieder abgeblasenen Nachzählungen der Stimmen geführt hätten (vermutlich hätte Bush dann doch die Mehrheit der Stimmen zugesprochen bekommen): Alles spricht dafür, dass wenn die Stimmzettel nicht so schwierig zu verstehen und leichter auszufüllen, und zusätzlich die Wahlgeräte einfacher zu bedienen gewesen wären Gore die Wahl (sogar deutlich) gewonnen hätte.
    Aber die vielen Vorgänge auch ausserhalb Floridas vor und während der Wahl lassen nur ein Urteil zu: Die ganze Wahl trug stark ähnliche Züge wie sie die häufig chaotischen und von machthabenden Akteuren manipulierten Wahlen in autoritären Regimen und Entwicklungsländern haben.
    Zum Nachlesen:
    http://www.wahlrecht.de/a...

    Antwort auf

Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren

Service