Commerzbank Bravo, Herr Blessing!
Als erstes großes Privatinstitut nimmt die Commerzbank den Rettungsschirm der Bundesregierung in Anspruch. Es ist eine gute Entscheidung - für die Bank und für das Land
Es geht doch. Als erstes großes Privatinstitut holt sich die Commerzbank Kapital in Höhe von mehr als acht Milliarden Euro und Staatsbürgschaften aus dem Sonderfonds der Bundesregierung.
Es ist eine gute Entscheidung - für die Bank und für das Land.
Die Commerzbank musste im Zuge der Finanzkrise Federn lassen, ihre Kapitalausstattung ging zurück. Jetzt verfügt sie über eine Kernkapitalquote von 11,2 Prozent und kann sich damit international sehen lassen. Die Wettbewerbsfähigkeit ist gestärkt, Kunden und Investoren vertrauen einer kapitalstarken Bank eher ihr Geld an.
Das ist umso wichtiger, als auch in vielen anderen Ländern der Staat die Banken aufgepäppelt hat. Und mit diesen Turbo-Instituten muss die Commerzbank jetzt konkurrieren. Da kommen die Hilfen gerade recht.
Die Aktionäre scheinen das ähnlich zu sehen, die Aktie steigt.
Auch für das Land ist die Entscheidung gut, weil Martin Blessing durch die Kapitalspritze in die Lage versetzt wird, die Wirtschaft weiter mit Krediten zu versorgen. Ohne das Staatskapital hätte er wahrscheinlich früher oder später die Kreditvergabe kappen müssen, um seine Bilanzen zu sanieren.
Das wäre ein schwerer Schlag für Deutschland gewesen. Gerade die Commerzbank, Bank der Wahl für viele Mittelständler, ist für die deutsche Wirtschaft enorm wichtig. Das Geld des Steuerzahlers ist gut angelegt, denn die Milliarden finanzieren Arbeitsplätze, die sonst verloren gehen würden.
Keine Bank nimmt gerne Staatskapital in Anspruch, noch dazu weil die Regierung das Gehalt der Manager auf 500.000 Euro begrenzt. Doch Blessing geht diesen Schritt jetzt, das ist ihm hoch anzurechnen. Und es ist zu hoffen, das andere Institute in einer ähnlichen Lage der Commerzbank folgen.
- Datum 08.01.2009 - 07:51 Uhr
- Quelle ZEIT ONLINE, 03.11.2008
- Kommentare 8
- Versenden E-Mail verschicken
- Empfehlen Facebook, Twitter, Google+
- Artikel Drucken Druckversion | PDF
-
Artikel-Tools präsentiert von:




wie tief sind wir in Deutschland moralisch gesunken, dass wir Versagern und Glücksspielern, die Milliarden verzockt haben, auch noch gratulieren, dass sie Steuergelder zum Weiterzocken in Anspruch nehmen? Wie will man das ALG-Empfängern erklären, denen ständig durch Auflagen und Schikanen klar gemacht wird, sie hätten sich für die Hilfsleistungen des Staates zu schämen?
das ganze nimmt immer mehr den Charakter einer Schmierenkomödie an, nur werden wir einfache Steuerzahler darunter leiden, denn wir bezahlen mit unserer Arbeit dieses Schauspiel.
Oh nein, erst als Steinmerkel auf Knien händeringend flehte, doch bitte die Milliarden entgegenzunehmen, erbarmte sich Blessing. Da ist nun aber das Bundesverdienstkreuz fällig!
Fassungslos las ich die Schlagzeile "Bravo, Herr Blessing"
Hier wird einem Bankrotteur applaudiert,
weil er staatliche Hilfe in Anspruch nimmt.
Vor noch nicht all zu langer Zeit wurde die Dresdner Bank gekauft.
Die zahlt jetzt der Steuerzahler.
Also doch: Bravo, Herr Blessing?
Es ist natürlich zu begrüßen, wenn die Gesellschaft die Geldschöpfung wieder mehr unter ihre Kontrolle bekommt. Aber wie schlimm muss es um das Geldsystem stehen, wenn selbst die Geschäftsbanken mit ihrem Geldschöpfungsprivileg kein Geld mehr verdienen. Wenn also nur noch der Staat als solventer Schuldner übrigbleibt, könnte es schnell das letzte Gefecht des Geldsystems sein.
"Zitat von yodi34hm (Manager Magazin, Müllers Welt)
Warum werden den Menschen nicht die Zusammenhänge von Geldschöpfung, Kredit, Vermögen und Schulden, Zins, Spekulation, Globalisierung und Wirtschaftswachstum in mehrseitigen Berichten in den Printmedien und in mehrteiligen Fernsehdokumentationen verständlich gemacht? Warum nicht? "
Frage ich mich auch. Dabei ist natürlich das Bankenprivileg, besonders nach der Abschaffung des Goldstandards, Dreh- und Angelpunkt der Krise. Es ist eben nicht so, dass die Banken hauptsächlich Geld verleihen, was sie vorher eingenommen haben, sondern Geld aus dem Hut zaubern können. Nicht die Zinsdifferenz ist ihre Marge, wie bei allen anderen Marktteilnehmern, sondern die gesamte Zinssumme. Dieses führt dazu, um jeden Preis Schuldner zu suchen, bis es keine solventen Schuldner mehr gibt. Wenn die Banken mit ihrem Geldschöpfungsprivileg kein Geld mehr verdienen, ist das Geldsystem am Ende.
Wie weit gehen diese perversen Koalitionen aus Medien und Wirtschaft noch? Glückwunsch? Diese Bank hat im 3. Quartal einen massiven Verlust eingefahren und hat trotzdem eine andere Bank gekauft. Wenn ein Arbeitsloser bei Quelle trotz Jobverlust die Rechnung nicht bezahlen kann wird er in die Insolvenz geschickt.
Anders bei unseren Bankern und den Medien. Was sich hier abspielt ist wirklich unter aller Sau. Das hat mit dem angekündigten Wertewandel nichts zu tun. Die Commerzbank unterstützt nicht nur den Mittelstand, nein, sie unterstützt auch Studien mit Geldbeträgen die zu dem Ergebnis kommen 132 Euro für Hartz IV Empfänger seien genug! Ja, der Prof Theißen aus Erfurt wird dafür gefördert von den Bänkern. Und Friedrich Merz meint auf dem FDP Parteitag unter dem Jubel der Delegierten zu dem Thema "Wir wissen das weniger mehr sein kann".
Es wir einem nur noch schlecht.
Noch ein Grund zu feiern für die SPD Rechte. Frau Ypsilanti hat ihre Karriere gerade beendet, dank der SPD Rebellen aus dem konservativen Lager.
Neuland
"Der Hypotheken-Boom wird erklärt mit niedrigen Zinsen, die aber variabel, diese wurden weiterverkauft, um das Risiko zu streuen und brachten hohe Renditen. "
Sie, wie viele auch, haben noch nicht das Bankenprivileg der Geldschöpfung verstanden. Wenn Sie eine Mio zu 4% verleihen bei 3% Inflation und 25%Abgeltungssteuer haben sie keine Realrendite. Anders bei den Banken, wenn diese 4% von einer Mio. bei null Kapitaleinsatz erzielen, haben sie unabhängig von der Inflation eine unendliche Realrendite. Eine positive Zahl durch 0 geteilt ist immer unendlich.
Daraus folgt folgendes Geschäftsmodell, welches nun geplatzt ist. Drückerkolonnen vergeben massenhaft Kredite, kassieren ihre Provisionen, Bündeln die Kredite und verkaufen sie weiter. Banken, die zu faul sindeigene Kredite aufzulegen, kaufen diese und versichern diese gegen Kreditausfall. Das gesamte schöne Geschäftsmodell kommt aber ins Rutschen, wenn der ursprungliche Kreditnehmer massenhaft ausfällt.
Die Zeit knockt sich schon seit längerem mit ihrem online-Angebot als liberale Qualitätszeitung systematisch aus - sei es nun durch die legendären haarsträubenden Meinungsstücke von Herrn Joffe oder eben mit einem Kommentar wie diesem, der den Canossa Gang eines Bankers versucht zum Heldenepos hochzustilisieren. Ein weniger staatstragendes Pathos würde der Zeit in ihrer liberalen Tradition gut zu Gesicht stehen.
Die Commerzbank ist mein besonderer Liebling. Im Derivatehandel wo der Emittent selber die Kurse stellt lässt man dort gerne den Kunden im Regen stehen wenn es kritisch wird und stellt den Handel als erster ein, um eigene Positionen auflösen zu können. Da muß ich der Deutschen Bank ein Kompliment machen, die sind da wesentlich fairer.
Das diese Abzocker jetzt zugreifen war ja wohl zu erwarten, man muss wohl dumm oder unverschämt oder beides sein, wenn man da noch applaudiert...
"Soviel kann man gar nicht essen, wie man kotzen möchte".
Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren