US-Wahl

Für Europa wird es unbequem

Wenn die Amerikaner heute einen Schwarzen mit linken Vorstellungen zum Präsidenten wählen, müssen die Europäer ihr allzu freundliches Selbstbild revidieren

Barack Obama, vielleicht schon bald der erste nicht-weiße Präsident Amerikas

Barack Obama, vielleicht schon bald der erste nicht-weiße Präsident Amerikas

Für die Deutschen schlägt eine schwere Stunde: die amerikanische Wahl. Die Mehrzahl der Bundesbürger wünscht sich den Kandidaten der Demokraten als 44. Präsidenten der Vereinigten Staaten, aber doch bitte keinen " Change "! – keine Irritation ihrer behaglich negativen Sicht auf dieses Land. Denn die Amtszeit von George W. Bush verführte viele Deutsche zu einer bipolaren Weltsicht, die von fast Kalter-Krieg-hafter Schlichtheit war. Mit dem Unterschied: Die beiden Seiten der Medaille waren nicht die UdSSR und die USA, sondern Deutschland oder Europa und Amerika. Dort die Guten, da die Bösen.

Den Republikanern haben wir den Begriff "Altes Europa" (2003) zu verdanken; er steuerte kein unwichtiges Moment zur eigenen Identität bei. Marsianer und Venusianer dienten ebenfalls als Identifikationsschablonen, und man glaubte mit Durs Grünbein an den Traum des antiken, kultursatten, melancholischen, fortschrittskritischen, liberalen, toleranten, militärisch gänseblümchenhaften Europa – im Vergleich zum vergangenheitsfeindlichen, aggressiven Amerika. Als wäre Europa ein Gedicht. Und Amerika ein Fahnenappell!

Dass dieses europäische Selbstbild mit michelangelohaften Zügen Selbstbetrug war, wird spätestens nach dieser Wahl eine nicht mehr zu verleugnende Tatsache sein. Nun droht ein Ende der europäischen Selbstgewissheit. Die bösen, rassistischen Amerikaner wählen, wie es aussieht, einen Schwarzen mit ziemlich linken Vorstellungen, nicht nur was die Steuerpolitik und das Gesundheitswesen anbetrifft. Den Europäern, die den pejorativ gemeinten Begriff von Rumsfeld in ein vorbildhaftes " old europe, yes we are !" gewendet hatten, droht ein Verlust eines Teils ihrer Identität, wenn Amerika sich ändert.

Deutschlands Bildungssystem ist nicht viel besser als das amerikanische, laut Pisa-Studie eins. Toleranter als die USA ist Europa gewiss nicht: Im spanischen Almería jagen Bürger Marokkaner durch die Straßen, in Italien dachte man auf höchster politischer Ebene daran, auf Flüchtlingsboote das Feuer zu eröffnen, die Zahlen für rechtsradikal motivierte Gewalttaten steigen in Deutschland seit Jahren ebenso kontinuierlich wie erheblich. Und nur, weil es hier keine Todesstrafe gibt, ist das europäische Rechtssystem nicht zwangläufig dem amerikanischen in jeder Hinsicht überlegen. Militärisch ist Deutschland in den Afghanistan-Konflikt involviert - ein schon Jahre andauerndes Unternehmen mit fragwürdiger Legitimität und Erfolgsaussicht.

Es liegt auf der Hand, dass das negative Bild der Vereinigten Staaten eine Projektionsfalle war. Immer, wenn in Europa Anlass zur kritischen Überprüfung eigener Entscheidungen und Maßnahmen bestanden hätte, konnte man mit dem Finger nach Westen zeigen: Abu Ghraib, Irak, Lügengeschichten – die Europäer konnten sich stets hinter amerikanischen Negativ-Superlativen zurückziehen und von sich behaupten, sie seien vergleichsweise kleine Engel von der Venus. Aus dem Feindbild Amerika erwuchs in altbekannter bipolarer Weltsicht ein allzu freundliches Selbstbild der Europäer.

Natürlich wird sich unter Obama nicht alles ändern, dennoch wird es für uns ungemütlicher. Wenn die angeblich so reaktionären, rassistischen Amerikaner einen schwarzen Hawaianer zum Präsidenten wählen, werden wir uns plötzlich fragen müssen: Warum könnte bei uns niemals ein Türke oder Roma mit deutscher Staatsbürgerschaft der nächste Kanzler werden? Weil wir dafür noch nicht "weit" genug sind, weil wir bei allen Entwicklungen immer 20 Jahre hinter den Amis herstolpern? Sehen wir plötzlich alt aus? Würden wir plötzlich lieber als young europe angesehen werden?

Warum lassen wir toleranten Europäer Jahr für Jahr auf maritimen Hoheitsgebieten flüchtende Afrikaner verdursten, verhungern und ertrinken? Oft nur wenige 100 Meter von unseren schicken Badestränden entfernt? Meinen wir nicht, richtig übel würden Afrikaner oder Afrikanischstämmige nur im rassistischen Amerika behandelt?

Kaum hatten wir "unseren“ Amokläufer in Erfurt, brachten uns die Amis mit ihrem Virginia-Tech-Desaster, bei dem über 30 Menschen von einem einzigen Schüler erschossen wurden, zum Schweigen. Und zum schauderhaft-verzücktem Fingerzeig: So was passiert doch nur in Amerika.

Wie konnte eine deutsche Regierung akzeptieren, dass ein deutscher Staatsbürger mit ihrem Wissen und Einverständnis im von uns unermüdlich angeprangerten Guantánamo für sechs Jahre eingebuchtet wird? Wieso wird so ein Fall nach ein paar Wochen gedämpfter Erregung wieder aus den Medien gekehrt wie eine mäßig spannende Nachricht aus Heidi Klums Privatleben?

In jedem Fall wählen nicht nur die Amerikaner, sondern auch die Europäer: Die einen ihren neuen Präsidenten, die anderen ein neues Selbstbild.

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  • Adresse http://www.zeit.de/online/2008/45/europa-selbstbild-usa
Leser-Kommentare

  1. 1. Nicht

    von sich selbst auf andere schließen, Frau Dückers!

  2. konkurrenz belebt das geschaeft...
    es stimmt schon dass europa sich weiterentwickeln werden muss und wird, eine win-win situation...

    uebrigens ist es schlicht & einfach falsch dass in amerika im gegensatz zu europa ein auslaendischer staatsbuerger praesident werden koennte. nur amerikaner die von geburt an einen amerikanischen pass haben haben diese chance (s. schwarzenegger).

    ganz so einfach wie in diesem artikel gezeichnet ist die welt nciht...

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    ... steht mitnichten, dass ein Ausländer in Amerika Präsidant werden könne. Darauf, dass ein Türkischstämmiger Deutscher Bundeskanzlerkandidat einer großen Partei wird können wir wohl aber noch eine Weile warten.

    phima

    sicher nicht, aber in Europa ist es zum jetzigen Zeitpunkt sehr, sehr unwahrscheinlich, das eine Person mit einem afrikanischen Elternteil Staatsoberhaupt werden könnte. Insofern hat Frau Dückers schon recht, wir "lieben" alle Obama und wollen ihn als nächsten Präsidenten der USA, völlig ausblendend, dass ein Mensch gleichen Charismas und gleicher gemischter Herkunft hierzulande kaum eine Chance hätte einen solchen Posten zu bekommen. Ein echter deutscher Staatsbürger kann heute durchaus dunkle Hautfarbe oder asiatisches Aussehen haben. Würde ein derartiger Kandidat im heutigen Europa Aussicht auf Aufstellung oder gar Wahl haben? Wir sollten uns wirklich an die eigene Nase fassen - wo bliebe da unsere Akzeptanz?

    immerhin bemerkenswert, dass ihnen zu "türke oder roma mit deutscher staatsbürgerschaft" nur "ausländer" bzw "nicht mit deutschem pass geboren" einfällt.

    der anteil von türken zb, bei denen zumindest ein elternteil schon "mit deutschem pass" geboren wurde, dürfte zahlenmässig nicht unter dem der "ethnisch deutschen" liegen, bei denen zumindest ein "ethnisch deutscher" grosselternteil nicht den deutschen adler auf der geburtsurkunde hat.

    von sinti und roma ganz zu schweigen, bei denen wohl nicht wenige eine ungebrochene staatsanghörigkeitslinie aufweisen dürften, die so manchen urgermanen blass aussehen liesse.

    Ich glaube, Sie verwechseln hier etwas.

    "nur amerikaner die von geburt an einen amerikanischen pass haben haben diese chance".

    Natürlich kann man dieser Art 'formeller' Voraussetzungen in Frage stellen, nicht nur für USA, sondern auch für Europa, Deutschland etc.
    Aber diese ist hier wohl nicht das Hauptproblem.

    Die Frage ist, warum von dennen die diese 'formellen' Voraussetzungen durchaus erfüllen, einige nicht gewählt worden würde?

    Die Antwort könnte lauten:

    "Weil wir uns als Gesellschaft von unseren Vorurteilen anderen Kulturen gegenüber immer noch nicht ausreichend gelöst haben, um beim Wählen differenzierter und mutiger zu denken."

    Allein die Vermutung, dass die Antwort so lauten könnte verursacht natürlich ein sehr unangenehmes Gefühl. Dennoch können wir uns dieser Frage nicht entziehen, auch unser eigenen Entwicklung wegen.

    Grüße
    Messala
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    "Wer immer tut, was er schon kann, bleibt immer das, was er schon ist" (H. Ford)

  3. Auch ich hätte überhaupt nichts dagegen, wenn ein Wettstreit der Weltmächte um die moralisch bessere Politik entstünde.´
    Allerdings bleibt abzuwarten, wie viele der auf Obama projezierten Wünsche tatsächlich wahr werden.

    • 04.11.2008 um 15:04 Uhr
    • phima

    ..., falls Obama tatsächlich gewinnt. Nicht zuletzt hier im Zeit Online Forum würde so mancher die Möglichkeit bekommen seinen Kulturchauvinismus zu überdenken, wenn der "Große Satan" auf einmal gar nicht mehr so böse ist.

    phima

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    ... die USA haben eine lange und fiese Geschichte aus der man schöpfen kann. Auch CIA und industriell-militärischer Komplex werden sich nicht so schnell ändern.

    Und was Frau Dückers vergessen hat, mit Clinton war schonmal ein recht beliebter demokratischer Präsident an der Macht und die USA haben mit G.W.Bush (imho einer der schlimmsten Präsidenten bisher) prompt zu zeigen versucht: das war nur ein Ausrutscher.

    Aber sind wir doch ehrlich, dass amerikanische Volk wird genauso verarscht wie wir. Wahldiktaturen nehmen sich alle nicht viel, nirgendwo auf der Welt...

  4. vielleicht ist das gesellschaftliche Klima und die Einschätzung des "großen Bruders" auf der anderen Seite des Ozeans doch ein wenig differenzierter zu sehen, als es Ihr Artikel nahe legt?

    "Warum könnte bei uns niemals ein Türke oder Roma mit deutscher Staatsbürgerschaft der nächste Kanzler werden?" schreiben Sie.

    Was macht Sie da so sicher? Laut Umfragen konnten sich z.B. vor nicht allzu langer Zeit "erstaunlich viele" BundesbürgerInnen einen offen schwulen Bundeskanzler Klaus Wowereit vorstellen (ist doch schon mal was ...). Und werden die U.S.A. oder Deutschland von einer Frau regiert? (Gut, das war für die Union sicher eine "Notlösung", weil Kohl eben einfach nicht mehr tragbar war und auch andere 'Herren der Schöpfung' durch die Parteispenden-Affäre der CDU nicht mehr akzeptiert wurden ...). Wenn ein deutscher Staatsbürger mit türkischen Wurzeln lange "genug" hier gelebt hat, sehe ich kaum nennenswerte Widerstände gegen eine Kandidatur ... vielleicht nicht als "nächster Kanzler", wie Sie schreiben, aber vielleicht als übernächster? Zu optimistisch? Und dann von mir, der immer so vehement gegen Diskriminierung anschreibt? Mag sein! Vielleicht freue ich mich auch einfach nur auf Obamas Sieg und bin deshalb ein wenig zu euphorisch ...?

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    Verstehe nicht ganz was an Obamas Wahl so besonders sein soll: Er gehört gar keiner Minderheit an. Frau Dückers wirft da einiges durcheinander. Herr Tillich in Sachsen gehört möglicherweise einer Minderheit an, die aber nicht so abgegrenzt das man sie als solche wahrnehmen würde (bei einer Sorbin zu landen ist aber nicht so einfach, die Eltern drohen dann schon mal damit nicht zur Hochzeit ihrer Tochter zu kommen, das klingt schon nach Minderheit).
    Obama im Gegenteil entstammt zu gleichen Teilen zwei der größten Einwanderer/bzw. Verschleppten-Gruppen- so viel Majorität wie Obama war noch kein Kandidat schätze ich mal.
    Also ist dieser Mensch eine ganz schlechte Gelegeneheit für Frau Dückers ihr muffiges Weltbild zu propagieren.
    Ob es für uns schwer wird mit ihn: Kann uns doch egal sein. Wir wissen selbst was wir wollen. Die Zeiten in denen transatlantische Ideologen mittels B52 die Welt nach ihrem Geschmack zurecht gebombt haben sind hoffentlich vorbei.

    • 04.11.2008 um 15:11 Uhr
    • phima

    ... steht mitnichten, dass ein Ausländer in Amerika Präsidant werden könne. Darauf, dass ein Türkischstämmiger Deutscher Bundeskanzlerkandidat einer großen Partei wird können wir wohl aber noch eine Weile warten.

    phima

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    Wirklich?   ralfreinermueller

    Wir hatten bereits einen französischstämmigen Finanzminister (Oscar Lafontaine).
    Ist das nichts? Wir hatten bereits homosexuelle Ministerpräsidenten. Selbst Atheisten sind bei uns wählbar (wäre in den USA undenkbar).
    Das Gegenstück zu den Türken in Deutschland sind in den USA nicht die schwarzen, sondern die Mexikaner und Chinesen. Sie sind politisch in keiner Weise vertreten.
    Die Schwarzen als Minderheit gibt es in den USA seit Jahrhunderten. In sofern sollte man sie mit den Hugenotten und den Polen der Gründerzeit vergleichen.

    ist richtig...

    es hat aber auch bis vor wenigen wochen oder monaten kaum jemand geglaubt dass etwa ein schwarzer praesident in den usa werden koennte - selbst als die umfragen dies prognostizierten...(geschweige denn vor 2 jahren). oder vielleicht ein amerikan. staatsbuerger mexikan. herkunft etc etc...
    ausserdem bedurfte es wohl 8 jahre einer unvergleichlich desastroesen praesidentschaft und evtl des kollapses der us-finanzwirtschaft um obama's wahrscheiniche praesidentschaft zu ermoeglcihen...

    ich stimme dem tenor hier bis zu einem gewissen grade zu, aber ganz so sicher bin ich mir in der frage in D nicht...es war bis vor kurzem auch undenkbar dass "ein schwuler" landesvorsitzender der cdu werden koennte etc etc -
    wuerde ein deutscher staatsbuerger tuerk. herkunft, der von D im brustton der ueberzeugung sagt "dies sei das grossartigste land der welt" (zit. obama) hier gewiss keine chance haben ??
    nicht dass ich das von einem kanzlerkandidaten erwarten wuerde, aber ich bin mir keineswegs sicher...

    ausserdem: ist es vielleicht genau dieses pessimistische denken ("niemals wuerde x in D passieren koennen") was so etwas hierzulande potenziell verunmöglicht (womit wir wieder beim ursprungsthema des artikels waeren...) ?

    fazit: europa hat gerade was zusammenspiel und entschlossenheit angeht einiges aufzuholen und hoffentl. wird amerika sich in einem besseren lichte darstellen und somit eine positive herausforderiung fuer europa sein. aber allzu negativ wuerde ich die dinge nciht sehen...

    • 04.11.2008 um 15:20 Uhr
    • Isaidy

    sicher nicht, aber in Europa ist es zum jetzigen Zeitpunkt sehr, sehr unwahrscheinlich, das eine Person mit einem afrikanischen Elternteil Staatsoberhaupt werden könnte. Insofern hat Frau Dückers schon recht, wir "lieben" alle Obama und wollen ihn als nächsten Präsidenten der USA, völlig ausblendend, dass ein Mensch gleichen Charismas und gleicher gemischter Herkunft hierzulande kaum eine Chance hätte einen solchen Posten zu bekommen. Ein echter deutscher Staatsbürger kann heute durchaus dunkle Hautfarbe oder asiatisches Aussehen haben. Würde ein derartiger Kandidat im heutigen Europa Aussicht auf Aufstellung oder gar Wahl haben? Wir sollten uns wirklich an die eigene Nase fassen - wo bliebe da unsere Akzeptanz?

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Ich denke Frau Dückers übertreibt hier ein wenig mit ihrer Kritik. Es geht hier keineswegs um eine gemütliche Haltung gegenüber den USA, die man vor lauter Faulheit nicht ändern will. Und Deutschland unterscheidet sich schon erheblich von den USA. Bei uns gibt es kein Guantanamo und wir führen auch nicht unter fadenscheinigen Begründungen einen mit gefälschten Beweisen belegten Krieg im Irak. Bei uns stellt sich kein Politiker vor die Kameras, fuchtelt mit einem billigen Satellitenfoto herum und stellt einen verrosteten Wohnwagen als "Labor zur Entwicklung chemischer Massenvernichtungswaffen" vor. Und wenn dann doch keine WMDs gefunden werden ändert man eben schnell die ursprüngliche Motivation und kämpft für "einen befreiten Irak". Außerdem wird bei uns auch kein gestürzter Diktator in einem Eilverfahren mal eben zum Tode verurteilt und unter unwürdigen Bedingungen ruckzuck gehängt und dabei auch noch gefilmt. Gibt's die Videos davon eigentlich noch auf Youtube? Und jetzt erzähl mir keiner es hätte sich um eine unabhängige Gerichtsverhandlung gehandelt, auf die die USA keinen Einfluss hatten. Klar, wie auch, als größte Besatzermacht?
    Und dann gibts außerdem bei uns auch keine Todesstrafe, die komischerweise immer nur die weniger wohlhabenden ereilt. Oder haben Sie schon mal einen Mafiaboss in der Todeszelle gesehen? Mal ganz abgesehen davon, dass es eine barbarische Grausamkeit ist.
    Also ich denke wir unterscheiden uns doch ganz erheblich von den USA. Sollte sich jetzt mit Obama was ändern, dann ändert sich auch meine Meinung, zumal ich auch eigentlich in vielen Belangen ein großer Fan von Amerika bin.

    Wieso wird so ein Fall nach ein paar Wochen gedämpfter Erregung wieder aus den Medien gekehrt wie eine mäßig spannende Nachricht aus Heidi Klums Privatleben?
    Keine Ahnung. Wer arbeitet denn hier für die ZEIT?

    Noch ein Wort zu Ihnen, Isaidy: In Deutschland leben nunmal kaum Schwarze (ganz im Gegensatz zu den USA), von daher ist es kein Wunder, dass wir keine schwarzen Kandidaten für hohe politische Ämter haben.
    Ich weiss zwar nicht, wie es mit statistischen Werten aussieht, aber Deutsche mit asiatischem oder afrikanischem Aussehen sind hier bisweilen eine Seltenheit, zumindest nach meiner Erfahrung.

  5. Aus amerikanischer Sicht mag Obama links sein, aus deutscher Sicht ist er nicht weiter links als Horst Seehofer.
    Was man in den USA als links versteht sieht man am besten wenn man sich die Einführungshinweise für ausländische Studenten der in Amerika als extrem links geltenden University of California at Berkeley ansieht. Dort heisst es unverblümt: Wir bauen auf dem Prinzip auf, dass Wettbewerb wichtiger ist als Kooperation.

    Die Republikaner lassen sich nicht mit den deutschen Konservativen vergleichen. Selbst als "liberal" geltende Republikaner wie Giuliani oder Schwarzenegger vertreten politische Position wie einst Franz-Josef Strauß. Konservative Repubikaner vertreten in etwa Positionen wie Jörg Haider. Nicht umsonst sieht man bei ihren Wahlkampfveranstaltungen Plakate mit der Ausschrift "Amerika first".
    Vor einigen Jahren gab es in Deutschland mal eine gleichnamige Splitterpartei "Die Republikaner", die hierzulande zurecht als rechtspopulistisch eingestuft wurde. Dabei vertraten sie, getreu ihrem Namen, im wesentlichen die politischen Positionen ihres Vorbilds in den USA.

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