Archäologie Das Grab der Voodoo-Priesterin

Im Norden Israels haben Wissenschaftler 12.000 Jahre alte Überreste einer Frau gefunden. Die Grabbeilagen zeugen von den Ritualen einer bislang kaum bekannten Kultur

So wie auf dieser Zeichnung haben die Archäologen die Ruhestätte der alten Frau vorgefunden. War sie eine Schamanin?

So wie auf dieser Zeichnung haben die Archäologen die Ruhestätte der alten Frau vorgefunden. War sie eine Schamanin?

Wer war diese Frau? Und konnte sie mit Geistern und anderen Wesen Kontakt aufnehmen? Fest steht: Die kleine Person von knapp 1,50 Metern wurde kaum älter als 45 Jahre. Ihre letzte Ruhestätte fand sie in der Höhle Hilazon Tachtit, im westlichen Galiläa. Vor allem aber schmücken das Grab im heutigen Israel höchst sonderbare Beigaben – allein 50 Schildkrötenpanzer, dazu die Überreste von Mardern, das Skelett eines Leoparden, Adlerflügel, Wildschweinknochen, ein Kuhschwanz. Und ein menschlicher Fuß.

Es sind dies wohl die Hinweise auf einen Voodoo-Kult im steinzeitlichen Israel - das zumindest glaubt Leore Grosman von der Hebräischen Universität in Jerusalem. Zusammen mit ihren Kollegen entdeckte die Archäologin das 12.000 Jahre alte Grab, 14 Kilometer von der Mittelmeerküste entfernt. "Die Art und Weise, wie das Grab hergerichtet worden ist, legt nahe, dass die Frau eine Schamanin gewesen ist." Die Ruhestätte der Priesterin unterscheide sich deutlich von anderen Gräbern, die aus dieser Zeit im Orient entdeckt worden seien, berichtet Grosman in der aktuellen Ausgabe des Wissenschaftsmagazin PNAS.

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Die Menschen, die die kleine Frau beerdigten, brachten ungewöhnlich viel Kraft und Mühe auf. Sie schlugen eine ovale Mulde in das harte Gestein und bedeckten das Untere des Grabes mit Lehm. Zusätzlich kleideten sie die Wände mit Kalksteinplatten aus. "Die Tote wurde sehr genau in ihrem Grab positioniert", sagt Grosman. Mit dem Rücken zur Wand, die Beine angewinkelt ähnlich wie im Schneidersitz betteten die Totengräber die Frau. Anschließend beschwerten sie die Tote mit zehn größeren Steinen, legten Tierüberreste und eine Basaltschale ins Grab und verschlossen die Ruhestätte mit einem dreieckigen Kalkstein.

Der bislang einmalige Fund wirft in jedem Fall ein neues Licht auf die sogenannte Natufien-Kultur, die damals in der sogenannten Levante lebte, an der östlichsten Küste des Mittelmeers. "Die Menschen vollzogen hier einen entscheidenden Sprung: von Jägern und Sammlern hin zu einem sesshaften, landwirtschaftlich geprägten Leben", erklärt Klaus Schmidt vom deutschen Archäologischen Institut in Berlin.  Viele Experten gingen davon aus, dass die Menschen des Natufiens kaum gesellschaftliche Strukturen kannten und in einer gleichgestellten Gemeinschaft lebten. "Jetzt gibt es erstmals Belege dafür, dass es Menschen gab, die offenbar einen anderen Status im Zusammenleben eingenommen haben."

Leser-Kommentare
  1. 1. Marder

    Die Marder (Mustelidae) sind eine Familie hundeartiger Raubtiere (Carnivora). Während zur Familie der Marder unter anderem auch Otter, Dachse, Iltisse und Wiesel gehören, sind in der Umgangssprache mit „den Mardern“ meistens die Echten Marder (Martes) – unter anderem mit Stein- und Baummarder – gemeint. Die Skunks oder Stinktiere, die früher ebenfalls zu den Mardern gerechnet wurden, werden heute meist als eigene Familie betrachtet.

    -> Wikipedia

    • marxo
    • 05.11.2008 um 17:11 Uhr
    2. Voodoo

    Es wäre schön gewesen, wenn der Autor sich wenigstens den Hauch einer Mühe gemacht hätte, das höchst aktuelle Phänomen Voodoo in Ansätzen zu bearbeiten. Dann wäre die äußerst ärgerliche Gleichsetzung von Schamanismus mit dieser sehr spezifischen und problematischen synkretistischen Religion, die auf dem Katholozismus aufbaut, unterblieben und die ganze Angelegenheit weniger peinlich für ein rennomiertes Wochenblatt.

    http://nichtidentisches.w...

  2. Der Artikel ist zwar nett, sollte aber stets seine Distanz auch in der Wortwahl wahren - denn schon mit dem zweiten Satz hatte er alle Sympathien bei aufmerksamen Zeitgenossen verspielt, Zitat: "Und konnte sie mit Geistern und anderen Wesen Kontakt aufnehmen? " HA! Natürlich nicht, KEIN Wissenschaftler stellt diese Frage, sondern nur, ob Ihr diese Fähigkeit von unseren (noch) abergläubigeren Vorfahren zugeschrieben wurde. Vermutlich hatten der Autor das nicht so gemeint - aber dann sollte er es auch nicht so schreiben... ;-)

    • byk
    • 20.11.2008 um 6:21 Uhr
    4. Unsinn

    Obwohl ich den Artikel ansonsten für ganz gut gemacht halte (übersichtlich und informativ), ist es mir völlig unverständlich, was der Unsinn mit dem "Voodoo"-Kult soll. Für die Wissenschafts(!)seite einer Zeitung vom Format der "Zeit" ist so eine unzulässige wie effekthascherische Gleichsetzung völlig indiskutabel. Das erwartet man von der "Bild", aber nicht hier. Von den Ausgräbern stammt diese Formulierung jedenfalls nicht.

    Im übrigen halte ich auch die (unkommentierte!) Äußerung des DAI-Vertreters für kritikwürdig - so sie denn korrekt wiedergegeben wurde.
    Alleine durch einen einzelnen Fund eines (mutmaßlichen) Schamanengrabes davon auszugehen, daß es einen Bruch in der Tradition der bisher angenommenen gesellschaftlichen Gleichstellung gegeben hat, ist ja an sich schon fragwürdig - es könnte sich ja theoretisch auch um eine Ausnahme gehandelt haben. Aber vielmehr stört mich die offensichtliche Annahme, daß nur weil die sonstige Befundsituation keinen Hinweis auf gesellschaftliche Differenzierung geliefert haben soll, es auch keine besonders respektierten Einzelpersonen gegeben haben kann, mit entsprechender Sonderbehandlung. Wie kann man als Wissenschaftler so einseitig denken? (Schon gut, ich weiß das geht ...)
    Ein Blick hinüber zu den Kollegen von der Völkerkunde zeigt sehr deutlich, daß bisher jedes bekannte Volk, wie primitiv seine materielle Kultur auch gewesen sein mag, immer besondere Menschen, Spezialisten, hatte, die den für die Gemeinschaft unbedingt notwendigen Kontakt zu den Ahnen und anderen höheren Mächten herstellen konnten. Das hat sich in Europa erst mit dem Mittelalter geändert.

  3. Auch ich wundere mich gebührlich über das Schlagwort des "Voodoo". Dieser hat als afroamerikanische Religion denkbar wenig mit religiösen Vorstellungen zu tun, die vor 12.000 Jahren die Menschen zur Beerdigung der nun ausgegrabenen Frau bewegt haben mögen.
    Doch Vorstellungen von Geistern und der Möglichkeit ihrer Beherrschbarkeit durch bestimmte Individuen der Gemeinschaft zu unterstellen, ist bestens durch ethnographisches Wissen abgesichert.
    Wobei Schamanisieren keineswegs das Merkmal eines "archaischen" Weltbildes ist (was immer das sein mag). Man bedenke nur den regen Zulauf, den Schamanen in einigen der heute unabhängigen Republiken des hohen Nordens der ehemaligen UDSSR verzeichnen.
    Für alle die mehr über Schamanen und ihr Weltbild erfahren möchten empfehle ich hier die Ausstellung des Lindenmuseums in Stuttgart "Magier, Mittler, Heiler. Schamanen Sibiriens." (ab 13.12.08).
    http://www.lindenmuseum.de

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