Hessen Koch ruft zu Spenden gegen Rot-Grün auf
Die Gelder seien für Aktionen gegen die neue Ypsilanti-Regierung unter Duldung der Linkspartei. Deren Basis hat dem Bündnis zwar zugestimmt, stellt aber Bedingungen
In einem der Wetzlarer Neuen Zeitung vorliegenden Bittbrief ruft Ministerpräsident Roland Koch die Mitglieder der hessischen CDU zur Spende von 50 Euro auf, um "1000 Flugblätter drucken zu lassen", oder von 100 Euro, damit "150 Meinungsbildner persönlich" angeschrieben werden können. Koch begründet die "außerhalb von Wahlkämpfen ungewöhnliche" Bitte damit, dass "noch zu wenige Mitbürgerinnen und Mitbürger wissen, was ein solches rot-rot-grünes Bündnis für Hessen und die Bundesrepublik bedeuten würde".
SPD-Landeschefin Andrea Ypsilanti will sich am kommenden Dienstag mit Hilfe der Linkspartei zur neuen Ministerpräsidentin einer rot-grünen Minderheitsregierung wählen lassen. Bei der Abstimmung im hessischen Landtag ist sie dabei nicht nur auf die Stimmen der SPD und Grünen, sondern auch auf diejenigen der sechs Mitglieder der Linksfraktion angewiesen.
Diese könnten für Ypsilanti allerdings nicht so einfach zu erreichen sein wie zunächst angenommen. Bei einem Mitgliederentscheid der hessischen Linken haben sich zwar gut 90 Prozent der Teilnehmer für eine Zusammenarbeit mit einer rot-grünen Regierung ausgesprochen, der Koalition aber Bedingungen gestellt. Das geht aus einem Papier hervor, das als Basis für die Abstimmung diente. Der Linken-Landesvorstand wird am Sonntag den Koalitionsvertrag von SPD und Grünen prüfen, ob er mit den Zielen der Linken vereinbar ist. Man werde ihn "politisch bewerten und damit den Meinungsbildungsprozess der Linken abschließen".
Ebenfalls am Wochenende wollen die SPD und Grünen auf Sonderparteitagen das vor einer Woche geschlossene Bündnis billigen. Am Samstag entscheidet ein Sonderparteitag der Sozialdemokraten in Fulda, einen Tag später kommen dann die Grünen in Frankfurt/Main zusammen. So wie das Votum der Linkspartei gilt die Zustimmung auch bei den beiden zukünftigen Koalitionspartnern als sicher.
In den verbleibenden vier Jahren der Legislaturperiode wollen SPD und Grüne unter anderem den Ausbau erneuerbarer Energien forcieren, die gemeinsame Schulzeit verlängern und Ein-Euro-Jobs in öffentliche, sozialversicherungspflichtige Stellen umwandeln. Beim Ausbau der Flughäfen Frankfurt und Kassel-Calden sowie bei Autobahnprojekten hatten die Sozialdemokraten aber Kompromisse eingehen müssen, die parteiintern für Streit sorgten. Ypsilantis Stellvertreter und Konkurrent Jürgen Walter wertete die Flughafen-Beschlüsse als nicht im Interesse des Landes und zog seine Teilnahme am Kabinett zurück.
Ypsilanti gibt sich dennoch zuversichtlich, trotz der Differenzen eine breite Mehrheit beim Parteitag zu erreichen und auch die Wahl im Wiesbadener Landtag zu bestehen. Dort braucht sie 56 der 110 Stimmen. Von der eigenen 42-köpfigen Fraktion kann sie allerdings höchstens 41 Stimmen erwarten, da die Sozialdemokratin Dagmar Metzger sich einer Wahl mit Hilfe der Linkspartei widersetzt.
Einen ersten Versuch zur Machtübernahme hatte Ypsilanti Anfang März - wenige Wochen nach der Landtagswahl - abbrechen müssen, weil Metzger ihr die Gefolgschaft verweigerte und es an der Basis Proteste gegen den Linksschwenk gab. Ministerpräsident Koch blieb deshalb geschäftsführend im Amt. Allerdings setzten SPD, Grüne und Linkspartei mit ihrer neuen parlamentarischen Mehrheit in den folgenden Monaten eine Reihe von Beschlüssen gegen seinen Willen durch. Unter anderem schafften sie die von der CDU eingeführten Studiengebühren ab. Gleichzeitig konnte Ypsilanti die meisten Kritiker umstimmen und ihre Partei von ihrem Kurs überzeugen.
- Datum 22.12.2008 - 14:01 Uhr
- Quelle ZEIT ONLINE, dpa, Reuters
- Kommentare 18
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Ypsilanti ist eine Katastrophe...
...für Koch, der glaubte er könne in Hessen für immer und ewig machen, was er wollte.
Es ist unfassbar, was sich dieser möchtegerne Diktator einbilden lässt.
Ypsilanti wurde demokratisch gewählt, die Linke auch.
Koalitionen sind nun regüläre demokratische Vorgänge.
Was hat man dagegen herzuhalten? Ein Wortbruch? Welchen Politiker -Koch zuerst- hat nocht keinen begangen?
Jetzt will Koch Spenden gegen die Demokratie einsammeln?
In der Tat sind Koch alle Mittel gut, um sich -koste es was es wolle- an der Macht zu halten.
Darum geht es, um nichts anderes.
Laszlo
und wir erinnern uns beide haben die Wahl verloren...
und wir erinnern uns beide haben die Wahl verloren...
Hessen, Holger Börner, Joschka Fischer, die erste Rot Grüne Landesregierung, da lief die CDU ebenfalls Amok. Man schaue sich nur die Sprüche von damals an.
"Linke Kaoten" und andere. Die CDU hat ein klares Demokratiedefizit! Und das nicht erst seit heute!
Die Blockflötenfraktion um Koch behält sich die Deutungshoheit über die wahre Demokratie vor.Da man sich einer potenziellen linken Mehrheit nicht mehr anders zu erwehren weiss,werden wieder die ollen Kamellen hervorgeholt.Sind es nicht genau diese Possen, wegen derer Koch abgewählt wurde?Der beste Beweis dafür,dass Koch & Co. nichts dazugelernt haben.Wie verlogen dieser Kurs ist, zeigt sich in einigen Kommunen.Hier ist die CDU nicht darum verlegen, Bündnisse mit "vernünftigen Linken" einzugehen.Eine politische Entscheidungskraft, die man der SPD versagen will.Sie soll nach dem DDRegime nun in der "Demokratie" zum zweiten Mal entmündigt werden.
Es lebe die Demokratie!
Spenden gegen Rot-Grün?
Das wären dann ja wieder Schwarzgelder!
Aber wie nun nach so langer Zeit nach den Wahlen Fr. Ypsilanti doch noch MPin werden würde, finde ich nicht so gut. Ich denke, dass Rot-Grün (leider oder nicht leider) die Mehrheit der Bevölkerung in H. auch gar nicht mehr hinter sich vereinen kann. All dieses Hick-Hack ist nur noch unangenehm - und zwar für alle Seiten und Beteiligten.
Außerdem: Ypsilanti hat nicht einmal ihre eigenen Leute hinter sich. Und da will sie mit den ungeliebten Linken ihre Mehrheit sichern? Nein, das wird nicht lange gut gehen und allemal werden schon bald Neuwahlen anstehen. Und dann wird sich die H.-SPD ziemlich lächerlich gemacht haben. Und das wäre echt eine Katastrophe.
Ypsilanti hätte mal auf den MP-Posten verzichten und eine gute Opposition mit dem Rest des Parlaments machen sollen. Dann wäre sie weiter gekommen und hätte ihre Würde bewahrt; denn Koch hätte es früher oder später aufgeben müssen. So aber geht die Würde ihr immer mehr verloren (vergl. Simonis). Schade!
Und der Bundestagswahlkampf wird genau dieses Chaos thematisieren und die Sozis für regierungsunfähig deklarieren - sehr schade.
zu Ypsilanti stehen mag - aber diese Koch-idee ist ja wohl mehr als oberpeinlich! gab's da nicht noch ein paar 'Vermächtnisse', die erst noch aufzubrauchen wären????
Was da abläuft, ist verdammt ordinär. 2/3 der Bevölkerung lehnen eine von den SED-Nachfolgekommunisten tolerierte Minderheitsregierung in Hessen ab, aber die Lygenbaronin trumpft mordsmäßig auf und gibt sich ganz sicher, dass alles gut gehen wird. Ihr lautes Pfeifen im Walde kann aber das Geräusch der sausenden Muffe nicht übertönen. Denn es gibt außer der sehr ehrenwerten Frau Metzger noch mindestens einen "Verräter". So dürfen wir hoffen, dass der "Tyrannenmord" in Hessen gelingen wird.
Dieser Mann ist echt voll der Umfragen- und Unterschriftensammlungsdealer – und nicht zu vergessen, Dalai-Lama-Versteher. Am Ende sitzt der noch mit Ministerialrente auf dem Bürgersteig und hält den Hut auf.
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