"Selbstverständlich" gehe er heute wählen, sagt José Ardon stolz. Das gehöre schließlich dazu. Als Teenager sind seine Frau Myra und er dem Krieg in El Salvador entflohen, inzwischen sind sie amerikanische Staatsbürger. Im Wohnzimmer hängen gleich zwei US-Flaggen, direkt neben dem gerahmten Hochzeitsfoto.

Vergeblich haben die beiden versucht, den Rest der überwiegend spanisch sprechenden Großfamilie zum Urnengang zu bewegen. Der komplizierte, lange Wahlzettel mit all den lokalen Gesetzesvorschlägen mache ihnen Angst. "Ginge es nur um den Präsidenten und vielleicht noch die Kongressabgeordneten, dann wäre es einfacher", meint Ardon.

Myra und José Ardon © Silke Tittel

Barack Obama das Rennen macht: "Selbst die reichen Leute reden viel über ihn". Seit Jahren managt Ardon den Parkservice eines Steakrestaurants im feinen Beverly Hills, Nachtarbeit an sechs Tagen in der Woche, die ihm immerhin ein eigenes Haus beschert hat. Eine Krankenversicherung können er und seine Frau sich nicht leisten, nur die beiden Söhne sind über ein staatliches Programm versorgt. "Wenn einer von uns Mal ins Krankenhaus muss, haben wir Angst, das Haus zu verlieren", bekennt Myra Ardon.

Er glaubt, dass

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Dass Obama die Probleme von Immigrantenfamilien aus eigener Erfahrung kennt, macht für sie keinen Unterschied. "Der Präsident ist nicht die alles entscheidende Kraft im Land", sagt sie mit Blick auf George W. Bushs Regierung. Doch dass der Demokrat den Irak-Krieg beenden will, das ist beiden wichtig. "Dann könnte das ganze Geld in die USA investiert werden und man hätte wieder Zeit, sich mit dringenden Themen wie der Klimaveränderung zu beschäftigen."

Etiwanda Avenue ist eine kleine Straße mitten im San Fernando Valley von Los Angeles, keine schlechte, aber auch keine besonders gute Gegend. Nicht ein einziger Hausbesitzer hat Wahlwerbung im Vorgarten. Nur ein paar Halloween-Skelette kleben nach den lang ersehnten ersten Regentropfen am Samstag noch etwas kläglich an den Büschen.

Oft werden die 1,7 Millionen Bewohner des "Valley", wie es im Lokaljargon kurz heißt, vom restlichen Los Angeles ein wenig belächelt. Das trockene Tal wurde nach dem Zweiten Weltkrieg für Soldaten erschlossen, die bei ihrem Einsatz im Pazifik Gefallen an der warmen Westküste gefunden hatten. Doch die einst gediegene Wohngegend ist inzwischen zur Arbeitervorstadt der Immigranten geworden. Diverse Hollywood-Filme wie "Valley Girl" und "Boogie Nights" prägen den kulturlosen, materiellen Ruf der verbliebenen Weißen und das zweifelhafte Prädikat "Welthauptstadt für Porno-Produktionen".