Niemand kann ihm vorwerfen, er habe nicht gekämpft. "Wir geben niemals auf, wir verstecken uns nicht vor der Geschichte - wir machen Geschichte!", rief John McCain noch unmittelbar vor Öffnung der Wahllokale seinen Anhängern zu. Durch neun Staaten war er in den 48 Stunden zuvor gerast, hatte noch einmal tausende Kilometer zurückgelegt, Energie versprüht, Zuversicht demonstriert.

Am Ende half alles nichts. Der 72-Jährige trat ab von der Wahlkampfbühne wie ein Kriegsheld, der er ist, und der seine größte Schlacht verlor: "Diese Kampagne war die höchste Ehre meines Lebens und sie wird es immer bleiben", sagte er vor Anhängern am Abend der Niederlage.

War es das Kandidatengespann? War es die Strategie? Waren es die Umstände? Schon als der Marathon-Wahlkampf auf die Zielgerade bog, waren sich US-Medien einig: Wohl alle drei Faktoren trugen dazu bei, dass John McCains zweiter Anlauf zum Sprung ins Weiße Haus abermals zum Fehlschlag wurde, auch wenn er dem höchsten Staatsamt nie näher gekommen war. Gerade einmal zwei Monate ist es her, da hatte der Senator aus Arizona seinen jungen Rivalen Barack Obama in der Wählergunst klar überholt, kurz nachdem er Sarah Palin zur Überraschung aller als "Vize" aus dem Hut gezaubert hatte. Danach jedoch ging es steil bergab für den Vietnamkriegs-Veteranen und "Maverick", den selbst erklärten Querdenker der Republikaner.

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