Nacktscanner Allsehende Augen für Militär und Polizei

Seit sie Nacktscanner heißen, bekommen die Terahertzwellen viel Aufmerksamkeit. Ein Überblick über die Anwendungsmöglichkeiten dieses lange unerforschten Frequenzbereichs

Die derzeit als "Nacktscanner" geschmähten Geräte sind eigentlich ein Triumph der Wissenschaft. Noch bis vor wenigen Jahren waren die elektromagnetischen Wellen, die sich die Maschinen zunutze machen, schlicht unerforscht. Weder gab es geeignete Sender noch genügend empfindliche Empfänger, um Terahertzstrahlen zu messen und darzustellen. Mitten im elektromagnetischen Spektrum klaffte zwischen Mikrowellen und Infrarot ein blinder Fleck, schmachvoll "Terahertzlücke" genannt.

Die Lücke ist inzwischen geschlossen. Das zur Freude der Wissenschaft, entdeckt sie doch immer neue Anwendungen für dieses Strahlungsspektrum. Dessen Wellen können diverse Stoffe durchdringen, ohne sie wie die sehr viel härtere, also energiereichere Röntgenstrahlung zu zerstören. Ideal, um Materialforschung zu betreiben oder um die Qualität von Produkten zu prüfen, um Biomoleküle zu erkunden oder mehr über ferne Galaxien zu erfahren. Auch schnelle Datenübertragung könnte damit vielleicht bald möglich sein. Auch Feuerwehrleute erhoffen sich viel von Terahertzwellen, werden die doch nicht von Mauern aufgehalten.

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Genau wegen dieser Eigenschaft interessieren sich weltweit vor allem Militär und Polizei für die Technik. Das amerikanische Militär beispielsweise hat in den vergangenen Jahren viel Geld investiert, um handliche Mauerdurchleuchter für den Einsatz im Irak und in Afghanistan zu entwickeln. Die Systeme arbeiten mit Radarstrahlen und mit weicher, also niedrigenergetischer Röntgenstrahlung .

Terahertzwellen können aber mehr. Ihr Vorteil ist ihre im Vergleich zu Röntgenstrahlen noch geringe Energie bei gleichzeitig bereits recht hoher Frequenz. Zehn hoch zwölf Schwingungen pro Sekunde absolviert die Welle in diesem Frequenzbereich - viele Materialien zeigen dabei ungeahnte Eigenschaften. Kleidung zum Beispiel wird problemlos durchdrungen. Erst das Wasser im Körper hält die Wellen auf, alles andere wird durchleuchtet, mit dem Effekt der virtuellen Nacktheit. Und dank der kurzen Wellenlänge von einem Millimeter bis zu wenigen hundert Mikrometern lassen sich recht scharfe Bilder erzeugen. Nicht so gestochen wie Röntgenfotos, aber für die Darstellung von Details ausreichend.

Dabei stellen Terahertzwellen keine Gefahr dar, zumindest keine größere als die Strahlung eines Radios oder einer Mikrowelle in der Küche. Sie werden – im Gegensatz zu Radarstrahlen – vom menschlichen Körper ausgesandt, befinden sie sich doch "am Rand" der Wärmestrahlung. So wie Infrarotkameras passiv einen warmen Körper in kälterer Umgebung orten und abbilden können, funktioniert das auch mit Terrahertzscannern. Nur ist es technisch aufwendiger.

Ein Aufwand, den Militärs gern finanzieren, wenn sie dafür Systeme bekommen, mit denen ganze Häuserblöcke in Echtzeit und in drei Dimensionen durchleuchtet werden können. Als in den achtziger Jahren der Überwachungshubschrauber "Blue Thunder" als "das fliegende Auge" über die Kinoleinwände knatterte und solches tat, wirkte das noch wie Science-Fiction. Inzwischen ist es Realität .

Genau wie die Ganzkörperscanner, die durch jede Kleidung spähen. Längst werden solche Systeme an Flughäfen in den USA und Europa erprobt.

Der nächste Schritt, an dem bereits gearbeitet wird, sind kleine und mobile Systeme , die auch über einige Entfernung ganze Gruppen von Menschen scannen können.

Dass das deutsche Innenministerium die Nacktscanner " Unfug " nannte und sie ablehnte, heißt nicht viel. Einerseits kritisierte man nur die Scans, bei denen tatsächlich Nackte sichtbar wurden – Filter könnten das verhindern und nur die Waffen anzeigen. Andererseits finanziert die Bundesregierung selbst Forschung, die sich mit der Technik befasst.

Beim Bundesforschungsministerium laufen diverse Programme, ob sie nun TEKZAS, TeraTom oder THEBEN heißen, um eigene Terahertzkameras "für Anwendungen in der Sicherheitstechnik" zu entwickeln. Auch auf europäischer Ebene wird intensiv geforscht , um Menschen, die nicht gesehen werden wollen, aufzuspüren.

Die Technik ist einfach zu attraktiv. 300 bis 600 Menschen pro Stunde können derzeit mit einem neuen Scanner der Marke "ProVision" durchsucht werden, bisher schaffen die Kontrolleure an großen Flughäfen um die 200. Das Leeren der Taschen und Ablegen der Gürtel entfällt, es braucht weniger Personal, und ernste Gefahren sind auch nicht bekannt.

Der Datenschutz wird dabei eher zur Nebensache. Wir machen uns ja auch keine Gedanken darum, was die Röntgenscanner in unserem Handgepäck alles sehen können. Sollten wir aber. Immerhin war dieser Inhalt einer Reisetasche einem britischen Flughafen einen Bericht und Zeitungen eine Schlagzeile wert.

Vielleicht erregen dank der neuen Technik bald auch körperliche Besonderheiten von Passagieren Aufmerksamkeit. Grünen-Politiker Volker Beck lag wohl nicht falsch, als er sagte : "Es ist ein außergewöhnlicher Eingriff in die Privatsphäre, wenn wildfremde Menschen sehen können, ob man beispielsweise einen Anus Praeter hat", einen künstlichen Darmausgang also. Ändern aber wird das nichts, Terahertzscanner kommen.

 
Leser-Kommentare
  1. von 1mm bis 1000 Mikrometern also. Recht schmalbandig, diese Terahertzwellen.

  2. 1. 1000 µm = 1 mm
    2. Frequenz und Energie ist bei elektromagnetischer Strahlung äquivalent. Es gibt keine "geringe Energie bei gleichzeitig hoher Frequenz".
    3. Ein Radio sendet keine Starhlung aus, es empfängt sie nur.

    • Flodo
    • 04.11.2008 um 11:44 Uhr
    3. physik

    Ihr Vorteil ist ihre geringe Energie bei gleichzeitig hoher Frequenz
    Die Energie einer elektromagnetischen Strahlung ist proportional zu ihrer Frequenz. Wir haben es hier also nicht mit einer speziellen Eigenschaft der Terahertzwellen zu tun. Beim Bandbereich war wohl eher 1mm bis 100Mikrometer gemeint.

  3. Redaktion
    4. Fehler

    Herzlichen Dank für das genaue Lesen. Entschuldige mich für den Fehler. Wird korrigiert...

    Beste Grüße
    Kai Biermann

  4. ...scheint ja von einigen der vorangegangenen kommentatoren erfasst zu sein! fragt sich warum der verfasser des artikels neben den informationen zur technik fragen bzgl. des schutzes der privatsphäre einstreut?
    bei solch "aufmerksamen" lesern braucht sich keiner sorgen darüber zu machen, ob dieser virtuelle voyeurismus großen widerstand auslösen wird.
    all jene die mit der anwendung dieser technik erstmals auf die idee kommen, sie könnten "durchleutet" werden, haben sich die letzen jahre wohl vornehmlich mit physik und weniger mit dem recht auf
    Integrität beschäftigt.

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Mit beidem sollte man sich auskennen, wenn man darüber schreibt.

    Mit beidem sollte man sich auskennen, wenn man darüber schreibt.

  5. Alle bilder, die wir von derlei Personenscannern bisher gesehen haben, zeigten wohl kaum Nacktheit im biblischen/erotische/pornografischem sinne. Und wenn der Einsatz solcher Maschinen das Betreten eines Flugzeugs sicherer und einfacher und schneller macht: Von wildfremden angefasst zu werden, empfinde ich als viel massiveren Eingriff in meine Privatsphäre als diese "Nacktbilder".
    Schon klar, dass Stasi-Schäuble derlei für Unfug hält: Der polizeistaatspsychologische Moment des "Unter Zwang Angefasst-Werdens" entfiele...

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    Alles, was gesagt werden kann, kann klar gesagt werden -
    Ludwig Wittgenstein

  6. Totalkontrolle des Pöbels -- unverzichtbar nach der Einführung von Hartz IX.

    Jeder kann jetzt bereits Mikrowellensender und andere relevante Geräte legal erwerben, und bei technischer Kompetenz sowie mit Software, die gewissen Kreisen bereits zur Verfügung steht, Personen durch die Wände ihrer Wohnung oder ihres Hauses in Echtzeit beobachten, bei welchen Aktivitäten auch immer. Mikrowellenstrahlung, die von aussen in Häuser gesendet wird, ermöglicht auch heimliches Abhören.

    Manchmal wird jedoch durchaus das "Abkochen", Foltern, Verletzen oder Töten von Menschen mit Mikrowellen angestrebt. "Verkürzte Garzeit", unter dieser vielsagenden Überschrift berichtete die WELT auf ihrer Titelseite über die anti-personen Mikrowellen-Waffe: "Die Technologie steht bereit. Militärexperten bezeichnen sie bereits als eine Waffe des 21. Jahrhunderts".
    http://www.mikrowellenter...

    Abschirmtechnik gibt es hier: http://www.elektrosmog.de...
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    "Nie haben die Massen nach Wahrheit gedürstet. Von den Tatsachen, die ihnen mißfallen, wenden sie sich ab und ziehen es vor, den Irrtum zu vergöttern, wenn er sie zu verführen vermag." [G. Le Bon]

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