Streit in der Nationalmannschaft Ballack, der Teufelskerl

Löws Autorität hat durch den öffentlichen Konflikt mit Ballack Schaden genommen. Der Kapitän kann sich als Sieger fühlen. Der Nationalelf hat er nicht geholfen. Ein Kommentar

Ein Kapitän, der nicht zurückschreckt: Michael Ballack freut sich während der EM 2008 über ein wichtiges Tor für Deutschland und seinen Trainer Joachim Löw

Ein Kapitän, der nicht zurückschreckt: Michael Ballack freut sich während der EM 2008 über ein wichtiges Tor für Deutschland und seinen Trainer Joachim Löw

Vielleicht wollten sie nur allen zeigen, wie wichtig der Fußball in diesem Land genommen wird. Tagelang beherrschte der Zwist zwischen dem Trainer des Nationalteams und seinem Kapitän die Hauptnachrichten und Titelseiten. Deutschland war in Aufruhr - auch wegen der Finanzkrise, aber vielerorts vor allem wegen des Streits dieser beiden Fußballer.

Man könnte nun mit den Achseln zucken, den Kopf schütteln und behaupten: Das war bloß viel Lärm um nichts. Augenscheinlich bleibt nach der Aussprache zwischen Löw und Ballack alles beim Alten. Tatsächlich hat sich einiges verändert im Machtzentrum Fußballnationalmannschaft. Beide Protagonisten haben durch die öffentliche Fehde Schaden genommen; der Unterlegene ist Joachim Löw.

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Der Bundestrainer hat es ohne Konsequenzen hingenommen, dass ihn ein Spieler in der Presse als Dummkopf darstellte. Inhaltlich warf Ballack Löw vor, er treffe seine Personalentscheidungen (Frings, Wörns, Kahn, Kuranyi) respektlos und unehrlich. Er beanstandete, dass Löw an einer Verjüngung und Verbesserung des Teams arbeitete; jungen Spielern (Rolfes und Hitzlsperger) unterstellte der Kapitän, sie könnten die großen WM-Erwartungen nicht erfüllen.

Ballack kritisierte seinen Trainer via Zeitungsinterview, als wolle er seinen Rausschmiss provozieren. Löw reagierte mit einer Trägheit, die an das Krisenmanagement Rudolf Scharpings erinnert. Auf die Aufforderung, Ballack möge nach Deutschland zur Aussprache erscheinen, antwortete Ballack mit verstecktem Hohn. Sein Vereinstrainer Luiz Felipe Scolari verspottete Löw, als sei dieser eine Witzfigur. Am Ende nun, nachdem sich Ballack – an einem Termin, der ihm genehm erschien – etwas Zeit für seinen Trainer genommen hatte, kutschierte der DFB ihn mit dem Wagen zum Flughafen. Ob Löw gewunken hat, bevor Ballack wieder im Flugzeug Richtung London verschwand, weiß man nicht.

Um seine Autorität zu wahren, hätte Joachim Löw den in der Vergangenheit zweifelsfrei besten deutschen Spieler nicht suspendieren müssen, aber er hätte Ballack eine inhaltliche Richtigstellung seiner Kritik abverlangen können. Er hätte ihm etwa für die nächsten fünf Spiele eine Regenerations- und Denkpause verordnen können. Er hätte ankündigen können, vor der WM den Kapitän neu bestimmen zu wollen. Löw hätte viele Register ziehen können, um das Machtungleichgewicht in der Mannschaft zu verhindern.

Leser-Kommentare
  1. Wenn das EGO die Fahrt bestimmt, können wir schnelle Siege erringen, die später mehr kosten, als die Sache es Wert war. Ballack kann jetzt gewinnen, wenn er seinen Triumph dort liegen lässt, wo er ihm nur wenig genützt hat und sich wieder auf seine Aufgabe und die damit verbundene Verantwortung besinnt. Da hat er immer wieder Größe gezeigt.

    • TDU
    • 02.11.2008 um 15:06 Uhr

    Zwar eine genaue Analyse mit viel Gespür für Hierarchie, aber vielleicht unterschätzt er den Rückhalt, den Löw wie fast kein anderer Bundestrainer in der Chefetage geniesst, gepaart mit dem ihm eigenen Dickkopf.

    Möglicherweise ein Grund, warum Kurani und Frings von selbst das Handtuch geworfen haben. Löw hätte vermutlich Ballack bei gleichem Handeln auch nicht aufgehalten. Demütigung und übertriebene Eitelkeit, die Leute wie Scolari oder Mourino als Handswerkzeug benutzen, sind eben nicht Löws Sache. Er kann Ballack gebrauchen, aber dieser soll sich nicht zu sicher fühlen. Ihm sitzen hungrige Spieler im Nacken, und wenn er nichts bringt, wird er sich auf der Bank wiederfinden.

    Ballacks Leistungen sind nicht konstant. Wales gut, Russland schwach und auch gegen Spanien hat sich gezeigt, dass Deutschland bessere Regisseure hatte. Wichtig ist auff`m Platz. Nach diesem Grundsatz haben andere bis ins hohe Alter ihrer Fussballkarriere gehandelt. Für Ballack gibt es keinen Grund zur Selbstzufriedenheit.

  2. die ganze Geschichte.

    Ich möchte mal wissen, wie man deren Vorzüge, was die Bewältigung brennender gesellschaftlicher Probleme angeht - vulgo: Politik - ernsthaft propagieren kann, wenn man immer dann, wenn man glaubt, es ginge um die Wurst, aufs Führer-Prinzip zurückgreift.

    Was Ballacks Qualitäten als Spieler angeht: Sehen Sie sich mal an, was aus Bayer-Leverkusen und auch Bayern München jeweils in der Saison nach seinem Weggang wurde, wird viele seiner Kritiker wundern.

    Da begehrt jemand gegen seine hochbezahlte Rolle als ewiges Kind auf der Zwergenwiese auf (vielleicht besser: als Timm Thaler, das Krüsssche Lachen wird dann zur verkauften Jugend), will auch keine vom Manager verordneten Transparente hochhalten - und was gibts?

    Fast unisono ein "Halt die Schnauze, Du hast gar nichts zu sagen!" Zwanziger ist immerhin Jurist.

    Geht's in Betrieben eigentlich auch so zu? Sollten wir das Parlament nicht besser auch in ne Corporation, mit identity, umwandeln? Wahlen durch Konsumenten-Befragungen ersetzen?

    Fussball war mal was ganz anderes, man ahnt es noch, wenn man, etwa in einem Park oder auf einem Parkplatz, mal Kindern beim Spielen zusieht.

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    Ergänzend nur eins: seit jahren wurde durch die medien entgegen den taktischen erfordernissen & tatsächlichen gegebenheiten auf dem platz das nur im deutschen sprachraum übliche "führungsspieler" als modewort inszeniert. Den benötigen nur autoritäre bosse, capos, politiker oder sehen wir das gerade in hoffenheim, bei barca o.ao.?

    Ergänzend nur eins: seit jahren wurde durch die medien entgegen den taktischen erfordernissen & tatsächlichen gegebenheiten auf dem platz das nur im deutschen sprachraum übliche "führungsspieler" als modewort inszeniert. Den benötigen nur autoritäre bosse, capos, politiker oder sehen wir das gerade in hoffenheim, bei barca o.ao.?

  3. "... der Unterlegene ist Joachim Löw."

    Steffen Dobbert liegt mit seinem (...) Artikel voll daneben. Eine völlig falsche Analyse.

    Löw hat sich korrekt verhalten. Er hatte die Situation stets souverän unter Kontrolle, sofern das bei einem sehr breit in der Öffentlichkeit diskutierten Vorgang überhaupt geht. Er hat alles richtig gemacht.

    Der ZEIT-Autor Dobbert 'beherrscht' in diesem Fall nicht einmal die Fakten. Z.B. weiß jeder BILD-Leser, daß nicht Löw Ballack zum Frankfurter Flughafen gefahren und an seiner sehr teuer angemieteten Privatmaschine abgesetzt hat.

    Die Headline hätte heißen müssen: "Ballack ein Auslaufmodell!"

    Das Thema Ballack wird sich für Löw bald endgültig erledigt haben. Ballack ist für die WM 2010 eigentlich zu alt. Er muß, was kaum zu erwarten ist, schon in einer sehr guten Altersform sein, um in Südafrika spielen zu dürfen. Außerdem stellt er für den Bundestrainer, wegen seiner Verletzungsanfälligkeit, stets ein hohes Risiko dar.

    Das Thema Frings wird sich wohl noch schneller für den Bundestrainer erledigen.

    Beide - Ballack und Frings - sind nur von öffentlichem Interesse, wenn sie auf dem Fußballfeld Leistung bringen. Über eine 'große Persönlichkeit', die eine Perspektive für die nahe Zukunft außerhalb des Spielfeldes aufzeigen würde, verfügen beide nicht oder derzeit noch nicht. Es gilt also für beide: Leistung bringen!

    Das Dobbert in der Analyse schwach ist, kann man wohl nicht ändern. Recherchieren sollte er allerdings können. In diesem Fall hätte ein Griff zur BILD-Zeitung gereicht.

    (...entfernt. Bitte bleiben Sie mit Ihrer Kritik sachlich. Die Redaktion/jk)

  4. Ergänzend nur eins: seit jahren wurde durch die medien entgegen den taktischen erfordernissen & tatsächlichen gegebenheiten auf dem platz das nur im deutschen sprachraum übliche "führungsspieler" als modewort inszeniert. Den benötigen nur autoritäre bosse, capos, politiker oder sehen wir das gerade in hoffenheim, bei barca o.ao.?

  5. Warum sich Ballack als Sieger fuehlen kann, ist mir nicht klar? Er hat - von allen Seiten beanstandet - sich auf die falsche Art und Weise und unangemessen geaeussert, dies musste er eingestehen, und sich dafuer entschuldigen. Dennoch bleibt, das, was er getan hat. Und damit hat er sich eigentlich in seiner Rolle als Kapitaen und Fuehringsspieler disqualifiziert. Dieser Makel wird ihm anheften und seine Leistung (die ohnehin immer nur sehr durchwachsen und schwankend ist und keinesfalls Anlass gibt allzu viel von ihm in Suedafrika zu erwarten, falls er nicht ohnehin \Verletzungsprobleme haben sollte) steht nun noch mehr unter kritischer Beobachtung. Loew hat also 'Gnade vor Recht' ergehen lassen, es gibt keinerlei Grund ihm das als Schwaeche oder Niederlage anzukreiden, Ballack ist im Zugzwang und kann froh sien, noch dabeizu sein. Wirklich brauchen tut ihn die \Nationalmannschaft meiner Meinung nach ohnehin nicht zwingend.

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    Auch ich finde nicht, dass sich Löw blamiert hat, zudem er in dem Interview, das heute in der ZEIT online veröffentlicht wurde klar durchblicken lässt, dass es das letzte Mal war, dass Ballack an die Presse ging und dass letzterer, andernfalls, nicht mehr in der Nationalmannschaft spielen wird. Löw hat das zwar nicht mit den gleichen Worten wie ich hier ausgedrückt, aber der Satz, dass auch Ballack weiss, dass es unklug war, an die Presse zu gehen und Polemik zu betreiben, läßt klar erkennen, wer hier (wohlverdient) den kürzeren gezogen hat: Ballack.

    Auch ich finde nicht, dass sich Löw blamiert hat, zudem er in dem Interview, das heute in der ZEIT online veröffentlicht wurde klar durchblicken lässt, dass es das letzte Mal war, dass Ballack an die Presse ging und dass letzterer, andernfalls, nicht mehr in der Nationalmannschaft spielen wird. Löw hat das zwar nicht mit den gleichen Worten wie ich hier ausgedrückt, aber der Satz, dass auch Ballack weiss, dass es unklug war, an die Presse zu gehen und Polemik zu betreiben, läßt klar erkennen, wer hier (wohlverdient) den kürzeren gezogen hat: Ballack.

  6. Auch ich finde nicht, dass sich Löw blamiert hat, zudem er in dem Interview, das heute in der ZEIT online veröffentlicht wurde klar durchblicken lässt, dass es das letzte Mal war, dass Ballack an die Presse ging und dass letzterer, andernfalls, nicht mehr in der Nationalmannschaft spielen wird. Löw hat das zwar nicht mit den gleichen Worten wie ich hier ausgedrückt, aber der Satz, dass auch Ballack weiss, dass es unklug war, an die Presse zu gehen und Polemik zu betreiben, läßt klar erkennen, wer hier (wohlverdient) den kürzeren gezogen hat: Ballack.

  7. Ja, es ist seltsam, dass ein Kuranyi, dessen Motivation zum Verlassen des Stadions menschlich nachvollziehbar war, aus der Nationalmannschaft rausgekickt wurde. Aber ein Ballack oder ein Frings (mit meist desolaten Leistungen), die auf eine unverschämte Art und Weise mit Löw kommunizieren und aufmucken, einen Termin zur "Klärung des Sachverhalts" bekommen(?!).
    (Fußball-)Deutschland braucht offensichtlich Medien"stars", unabhängig davon, ob sie fußballerisch und menschlich wirklich Klasse besitzen, oder über das Bolzplatzniveau nie herausgekommen sind. Bei manch einem habe ich das Gefühl, dass selbst die Jungs vom Bolzplatz mehr Ehre und Charakter haben als Pseudo-Stars àla Ballack oder Frings.
    Es gibt genug junge Spieler, die fußballtechnisch viel mehr zu bieten
    und eine mit Ehre behaftetete Persönlichkeit haben (siehe Lukas Podolski).

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