Internetkommerz Suchen Sie Probleme?

Drei Schweizer haben ein neues Geschäftsmodell: Sie machen ihren Kunden Probleme. Was nach alten Mafia-Methoden klingt, ist eigentlich ein Kampf gegen die Langeweile

Probleme? Für manche beneidenswert.

Probleme? Für manche beneidenswert.

Probleme gehören zu den eher unangenehmen Begleiterscheinungen des irdischen und sogar des jenseitigen Daseins: So kann man Sisyphos’ Aufgabe durchaus als problematisch ansehen – eine Lösung liegt in endloser Ferne. Wie allerdings ginge es Sisyphos, hätte er den Felsbrocken gleich beim ersten Versuch erfolgreich nach oben gerollt? Sicher plagte ihn endlose Langeweile.

Seitdem ein Großteil der existenziellen Probleme qua zivilisatorischem Fortschritt erledigt sind, greift Unbehagen um sich: Was machen bloß die bedauernswerten Glückspilze, die sich ob ihrer Problemfreiheit zu Tode langweilen?

Anzeige

Eine Antwort darauf wollen drei Schweizer gefunden haben. „Sind Sie glücklich? Leben Sie ein ausgefülltes, sorgenfreies Leben? Wie langweilig!“ Mit diesem Credo wirbt ihre neue Website needaproblem.com für deren neues Geschäftsmodell: Probleme für jedermann – gegen Geld.

So ganz eidgenössisch ist die Idee aber nicht, wie der Gründer Martin Koncilja gesteht. „Auslöser war eigentlich der Film The Game.“ Dortspielt Michael Douglas einen schwerreichen, gelangweilten Investmentbanker, der in lebensbedrohliche Geschehnisse verwickelt wird, die sich schließlich als eine aufwendig inszenierte Unterhaltungs-Dienstleistung herausstellen, die er zuvor gebucht hatte.

Dieses Konzept haben die drei Schweitzer für einen Markt der nicht ganz so Reichen, aber ebenfalls Gelangweilten abgewandelt. „Es gibt so viele Dinge im Internet, wir waren eigentlich erstaunt, dass es das noch nicht gegeben hat“, sagt Koncilja.

Leser-Kommentare
    • ttob
    • 06.11.2008 um 8:08 Uhr

    ... wer keine hat, macht sich welche. Sagt ein deutsches Sprichwort. Scheint was dran zu sein, aber ehrlich gesagt wundert es mich eher, dass das tatsächlich jemand nutzt. Erinnert mich alles irgendwie an die verrückten Ideen mancher StartUps, würde ich keinen Cent drauf wetten, dass die Firma lange überlebt.

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Erinnert mich alles irgendwie an die verrückten Ideen mancher StartUps, würde ich keinen Cent drauf wetten, dass die Firma lange überlebt. - Wäre nicht so sicher, auch wenn das Ganze schon ein wenig nach Science Fiction klingt. Im Grunde ist es genau das richtige "Angebot" für die blasierte Jeunesse dorée dieser Tage, die sich in ihrem goldenen Käfig zu Tode langweilt, desinteressiert an sich selbst oder sonst irgendwas in der Welt. Die bürgerliche Mittelschicht verkennt gern den Umstand, dass dieser superreiche Bodensatz existiert, dem selbst die Finanzkrise kaum mehr als ein gelangweiltes Schulterzucken abnötigt und denen man mit Appellen an Moral oder Vernunft garantiert nicht kommen kann.

    Erinnert mich alles irgendwie an die verrückten Ideen mancher StartUps, würde ich keinen Cent drauf wetten, dass die Firma lange überlebt. - Wäre nicht so sicher, auch wenn das Ganze schon ein wenig nach Science Fiction klingt. Im Grunde ist es genau das richtige "Angebot" für die blasierte Jeunesse dorée dieser Tage, die sich in ihrem goldenen Käfig zu Tode langweilt, desinteressiert an sich selbst oder sonst irgendwas in der Welt. Die bürgerliche Mittelschicht verkennt gern den Umstand, dass dieser superreiche Bodensatz existiert, dem selbst die Finanzkrise kaum mehr als ein gelangweiltes Schulterzucken abnötigt und denen man mit Appellen an Moral oder Vernunft garantiert nicht kommen kann.

    • aadam
    • 06.11.2008 um 8:20 Uhr

    Nichts ist so schwer zu ertragen wie eine Reihe von guten Tagen (Alte Volksweisheit, gefunden in "Anleitung zum Unglücklichsein" - ein geeigneter Leitfaden, der deutlich billiger ist als 5000 Franken).)

    • WolfBu
    • 06.11.2008 um 10:01 Uhr

    Sorry, ich kann nur den Kopf schütteln. Wem es so gut geht und wer so problemlos leidet und mit seiner Zeit nichts anzufangen weiß: Unsere Gesellschaft ist voller Probleme und anstatt dekadente Dienstleistungen zu konsumieren, denn etwas anderes als Kosumunterhaltung ist das Ganze ja nicht, könnte man sich bei einem ganzen Haufen von Problemen engagieren. Bitte, Probleme gefällig? Welcher Suppenküche fehlt noch ein Transporter, also, bitte besorgen und selber fahren! Welche Vereine brauchen engagierte Trainer für Jungendliche, also bitte: Lernen und mitarbeiten! Wer es ganz heavy mag, kann sich ja auch Urlaub nehmen: Kraftfahrer, Hilfskräfte, Organisatoren werden von der UNO und den Hilfsorganisationen an den Brennpunkten der Welt dringend gebraucht! Es gibt keine Grenzen, nur Aufgaben und Probleme, an allen Orten. Aber stimmt schon, das hat ja alles mit Arbeit, Engagement und echter Verantwortung zu tun. Kann mir ja egal sein, ob ich die Dame in Brasilien treffe, dann ist eben mein Geld weg. Wenn ich aber (z.B. beim Heavymodell) als Konvoifahrer Hungernde versorge, sind halt meine Beine weg, wenn mal wieder so ein Warlord die Straße hat verminen lassen. Ich fasse es nicht, ehrlich. Was für eine dekadente, konsumspaßorientierte und völlig vollkaskosicherheitorientierte Pseudoherausforderung. Ach, ich habe noch eine tolle, fordernde und sehr verantwortungsvolle Aufgabe: Kinder in die Welt setzen und sich ernsthaft um sie kümmern. Dann merkt man sehr schnell, wie wenig Zeit einem für solche Flausen bleibt...

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Als ob es auf der Welt nicht genug Probleme gäbe, mehr als genug für reiche Langeweiler. Wer lieber solche Dienste in Anspruch nimmt, anstatt reale Probleme anzugehen, der soll sich von der nächsten Brücke stürzen, dann hat er sein "Problem" und die Welt eines weniger.... Dass sich gewisse Leute nicht in Grund und Boden schämen, solche "Dienste" überhaupt anzubieten, geht auch über meine Hutschnur.

    Als ob es auf der Welt nicht genug Probleme gäbe, mehr als genug für reiche Langeweiler. Wer lieber solche Dienste in Anspruch nimmt, anstatt reale Probleme anzugehen, der soll sich von der nächsten Brücke stürzen, dann hat er sein "Problem" und die Welt eines weniger.... Dass sich gewisse Leute nicht in Grund und Boden schämen, solche "Dienste" überhaupt anzubieten, geht auch über meine Hutschnur.

  1. Ich habe auch noch ein paar Probleme, die ich geren verkaufen würde. Wie wäre es zum Beispiel mit einem An- und Verkauf für Probleme? Meiner Meinung nach mangeld es nicht an der Gesamtmenge der Probleme, sondern an der Verteilung dieser.

  2. Erinnert mich alles irgendwie an die verrückten Ideen mancher StartUps, würde ich keinen Cent drauf wetten, dass die Firma lange überlebt. - Wäre nicht so sicher, auch wenn das Ganze schon ein wenig nach Science Fiction klingt. Im Grunde ist es genau das richtige "Angebot" für die blasierte Jeunesse dorée dieser Tage, die sich in ihrem goldenen Käfig zu Tode langweilt, desinteressiert an sich selbst oder sonst irgendwas in der Welt. Die bürgerliche Mittelschicht verkennt gern den Umstand, dass dieser superreiche Bodensatz existiert, dem selbst die Finanzkrise kaum mehr als ein gelangweiltes Schulterzucken abnötigt und denen man mit Appellen an Moral oder Vernunft garantiert nicht kommen kann.

    Antwort auf "Probleme..."
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Entschuldige, trotz deines sicherlich geglückten Kommentars besserwisserisch agieren zu müssen; jedoch heißt die von dir zitierte Textzeile: "You've got a problem [...], the problem is you." Was grundsätzlich das gleiche bedeuten könnte, aber in der tatsächlichen Formulierung doch umso mehr Sinn macht, vorausgesetzt, dass man dem von dir genannten Bevölkerungsteil negativ gegenübersteht.

    Entschuldige, trotz deines sicherlich geglückten Kommentars besserwisserisch agieren zu müssen; jedoch heißt die von dir zitierte Textzeile: "You've got a problem [...], the problem is you." Was grundsätzlich das gleiche bedeuten könnte, aber in der tatsächlichen Formulierung doch umso mehr Sinn macht, vorausgesetzt, dass man dem von dir genannten Bevölkerungsteil negativ gegenübersteht.

  3. Das schwierigste an Herausforderungen ist, das dazu gehörige Problem zu erkennen. Albert Einstein beispielsweise behauptete von sich selbst, nicht besonders intelligent zu sein, aber die Gabe zu besitzen, Fragestellungen formulieren zu können. Oft sieht man die Probleme (man muss zwischen "sozialen Problemen" und "Fragestellungen" unterscheiden), obwohl sie auf der Hand liegen, nicht.
    Die angesprochene Internetseite könnte also von ausgesprochen hoher Qualität sein, wenn sie sich nicht an superreiche Swimmingpoolboys richten würde.

  4. Entschuldige, trotz deines sicherlich geglückten Kommentars besserwisserisch agieren zu müssen; jedoch heißt die von dir zitierte Textzeile: "You've got a problem [...], the problem is you." Was grundsätzlich das gleiche bedeuten könnte, aber in der tatsächlichen Formulierung doch umso mehr Sinn macht, vorausgesetzt, dass man dem von dir genannten Bevölkerungsteil negativ gegenübersteht.

  5. Als ob es auf der Welt nicht genug Probleme gäbe, mehr als genug für reiche Langeweiler. Wer lieber solche Dienste in Anspruch nimmt, anstatt reale Probleme anzugehen, der soll sich von der nächsten Brücke stürzen, dann hat er sein "Problem" und die Welt eines weniger.... Dass sich gewisse Leute nicht in Grund und Boden schämen, solche "Dienste" überhaupt anzubieten, geht auch über meine Hutschnur.

    Antwort auf "Dekadenz"

Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren

Service