Internetkommerz Suchen Sie Probleme?
Drei Schweizer haben ein neues Geschäftsmodell: Sie machen ihren Kunden Probleme. Was nach alten Mafia-Methoden klingt, ist eigentlich ein Kampf gegen die Langeweile

© photocase | Maria Vaorin
Probleme? Für manche beneidenswert.
Probleme gehören zu den eher unangenehmen Begleiterscheinungen des irdischen und sogar des jenseitigen Daseins: So kann man Sisyphos’ Aufgabe durchaus als problematisch ansehen – eine Lösung liegt in endloser Ferne. Wie allerdings ginge es Sisyphos, hätte er den Felsbrocken gleich beim ersten Versuch erfolgreich nach oben gerollt? Sicher plagte ihn endlose Langeweile.
Seitdem ein Großteil der existenziellen Probleme qua zivilisatorischem Fortschritt erledigt sind, greift Unbehagen um sich: Was machen bloß die bedauernswerten Glückspilze, die sich ob ihrer Problemfreiheit zu Tode langweilen?
Eine Antwort darauf wollen drei Schweizer gefunden haben. „Sind Sie glücklich? Leben Sie ein ausgefülltes, sorgenfreies Leben? Wie langweilig!“ Mit diesem Credo wirbt ihre neue Website needaproblem.com für deren neues Geschäftsmodell: Probleme für jedermann – gegen Geld.
So ganz eidgenössisch ist die Idee aber nicht, wie der Gründer Martin Koncilja gesteht. „Auslöser war eigentlich der Film The Game.“ Dortspielt Michael Douglas einen schwerreichen, gelangweilten Investmentbanker, der in lebensbedrohliche Geschehnisse verwickelt wird, die sich schließlich als eine aufwendig inszenierte Unterhaltungs-Dienstleistung herausstellen, die er zuvor gebucht hatte.
Dieses Konzept haben die drei Schweitzer für einen Markt der nicht ganz so Reichen, aber ebenfalls Gelangweilten abgewandelt. „Es gibt so viele Dinge im Internet, wir waren eigentlich erstaunt, dass es das noch nicht gegeben hat“, sagt Koncilja.
Seit Ende Oktober ist das Projekt nun als Webseite verwirklicht. Ein Problem zu bekommen ist denkbar einfach. Problem wählen, mit PayPal oder Kreditkarte bezahlen - und schon erhält der Nutzer einen Link zu seinem nagelneuen persönlichen Problem. Anders als im richtigen Leben hat er hier allerdings die Wahl: Soll es zum Einstieg zunächst ein einfaches Problem sein, oder möchte er sich gleich ein „fast unlösbares Problem“ aufhalsen?
Der Unterschied liegt jedoch nicht nur im Schwierigkeitsgrad, sondern vor allem im Preis. Der ist in fünf Stufen gestaffelt. Ist ein „triviales“ Problem schon für einen einzigen Schweizer Franken zu bekommen, muss für die größeren Herausforderungen richtig tief in die Tasche gegriffen werden: 5000 Franken kostet die Königsklasse der Probleme, außerdem sind Herausforderungen für 5, 50 und 500 Franken im Angebot.
Worum es sich bei dem persönlichen Problem handelt und was man sich überhaupt generell unter einem solchen „Problem“ vorzustellen hat, erfährt man leider erst, nachdem man bezahlt hat – der Spannung wegen. Über 1000 versendfähige Bürden sind laut Problemvater Koncilja bereits erstellt, der Nachschub sei gesichert. Dabei komme jedoch nicht jede Sorge infrage: „Uns ist es dabei stets wichtig, dass unsere Probleme interessant und cool sind.“
Gerade diese Geheimniskrämerei macht neugierig. Ein verratenes 5000-Franken-Beispiel lautet etwa: „Unsere Kollegin Christiane Brum erwartet Sie am Sonntag im Hotel Othon Palace, in Belo Horizonte, auf ein gemeinsames Mittagessen. Treffpunkt um 12 Uhr Ortszeit.“ Nicht zu unterschätzender Teil des Problems ist, dass Belo Horizonte im Inneren Brasiliens liegt. Was genau den solventen Kunden dort erwartet, ist vollkommen offen, „denn die Probleme sind sehr unterschiedlich“, wie Koncilja betont.
Ein paar selbst gekaufte Discount-Probleme für einen und fünf Franken später stellt sich jedoch Ernüchterung ein. Die Billig-Probleme entpuppen sich als einfach zu erfüllende Aufgaben – die hier explizit zu nennen in den allgemeinen Geschäftsbedingungen leider ausdrücklich untersagt ist. So viel sei verraten: Einige Problemchen lassen sich mit Google lösen, andere erfordern, dass man seine Wohnung verlässt und etwas zum ersten Mal in seinem Leben tut, gern auch Unfug.
Dabei ist die Enttäuschung noch nicht einmal in erster Linie die Schuld der Probleme. Viel ärgerlicher ist, dass kein echter Anreiz geboten wird, diese auch zu lösen – von dem Bewusstsein, für dieses Problem gerade bezahlt zu haben, einmal abgesehen.
In vielen Fällen genügt als Lösung ein eingeschicktes Beweis-Bild, Rückmeldungen sind laut Gründer aber generell nicht vorgesehen. „Wenn die Aufgabe lautet: Benutzen Sie heute nur öffentliche Verkehrsmittel auf dem Weg zur Arbeit, können wir das ja schlecht nachprüfen.“ Es geht vielmehr darum, den Beweis sich selbst gegenüber anzutreten.
So haftet dem Ganzen der Charme eines kostenpflichtigen Flaschen-Drehens an – bloß ohne die Sanktionsgefahr durch sonst dabeisitzende Freunde. Immerhin wird es eine Bestenliste geben, auf der die erfolgreichsten Problemlöser verewigt werden. Vielleicht erschließt sich der eigentliche Reiz von needaproblem.com auch erst dem aufrichtig und zutiefst gelangweilten Menschen - die Hemmschwelle, ein Problem gegen die kleine Eintönigkeit zwischendurch zu kaufen, ist bei einem Einstiegspreis von umgerechnet knapp 70 Cent recht niedrig.
Laut Gründer hat das Angebot bislang bereits für über 130 neue Probleme gesorgt. Koncilja ist von dem bisherigen Erfolg überrascht. "Vielleicht erweist sich die aktuelle Krise für uns ja als Segen." Ende November werden sie außerdem ein englisches Angebot starten. Der englischsprachige Markt sei nicht nur größer, sondern auch noch offener für neue Probleme.
- Datum 06.11.2008 - 08:18 Uhr
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- Quelle ZEIT ONLINE
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... wer keine hat, macht sich welche. Sagt ein deutsches Sprichwort. Scheint was dran zu sein, aber ehrlich gesagt wundert es mich eher, dass das tatsächlich jemand nutzt. Erinnert mich alles irgendwie an die verrückten Ideen mancher StartUps, würde ich keinen Cent drauf wetten, dass die Firma lange überlebt.
Erinnert mich alles irgendwie an die verrückten Ideen mancher StartUps, würde ich keinen Cent drauf wetten, dass die Firma lange überlebt. - Wäre nicht so sicher, auch wenn das Ganze schon ein wenig nach Science Fiction klingt. Im Grunde ist es genau das richtige "Angebot" für die blasierte Jeunesse dorée dieser Tage, die sich in ihrem goldenen Käfig zu Tode langweilt, desinteressiert an sich selbst oder sonst irgendwas in der Welt. Die bürgerliche Mittelschicht verkennt gern den Umstand, dass dieser superreiche Bodensatz existiert, dem selbst die Finanzkrise kaum mehr als ein gelangweiltes Schulterzucken abnötigt und denen man mit Appellen an Moral oder Vernunft garantiert nicht kommen kann.
Erinnert mich alles irgendwie an die verrückten Ideen mancher StartUps, würde ich keinen Cent drauf wetten, dass die Firma lange überlebt. - Wäre nicht so sicher, auch wenn das Ganze schon ein wenig nach Science Fiction klingt. Im Grunde ist es genau das richtige "Angebot" für die blasierte Jeunesse dorée dieser Tage, die sich in ihrem goldenen Käfig zu Tode langweilt, desinteressiert an sich selbst oder sonst irgendwas in der Welt. Die bürgerliche Mittelschicht verkennt gern den Umstand, dass dieser superreiche Bodensatz existiert, dem selbst die Finanzkrise kaum mehr als ein gelangweiltes Schulterzucken abnötigt und denen man mit Appellen an Moral oder Vernunft garantiert nicht kommen kann.
Nichts ist so schwer zu ertragen wie eine Reihe von guten Tagen (Alte Volksweisheit, gefunden in "Anleitung zum Unglücklichsein" - ein geeigneter Leitfaden, der deutlich billiger ist als 5000 Franken).)
Sorry, ich kann nur den Kopf schütteln. Wem es so gut geht und wer so problemlos leidet und mit seiner Zeit nichts anzufangen weiß: Unsere Gesellschaft ist voller Probleme und anstatt dekadente Dienstleistungen zu konsumieren, denn etwas anderes als Kosumunterhaltung ist das Ganze ja nicht, könnte man sich bei einem ganzen Haufen von Problemen engagieren. Bitte, Probleme gefällig? Welcher Suppenküche fehlt noch ein Transporter, also, bitte besorgen und selber fahren! Welche Vereine brauchen engagierte Trainer für Jungendliche, also bitte: Lernen und mitarbeiten! Wer es ganz heavy mag, kann sich ja auch Urlaub nehmen: Kraftfahrer, Hilfskräfte, Organisatoren werden von der UNO und den Hilfsorganisationen an den Brennpunkten der Welt dringend gebraucht! Es gibt keine Grenzen, nur Aufgaben und Probleme, an allen Orten. Aber stimmt schon, das hat ja alles mit Arbeit, Engagement und echter Verantwortung zu tun. Kann mir ja egal sein, ob ich die Dame in Brasilien treffe, dann ist eben mein Geld weg. Wenn ich aber (z.B. beim Heavymodell) als Konvoifahrer Hungernde versorge, sind halt meine Beine weg, wenn mal wieder so ein Warlord die Straße hat verminen lassen. Ich fasse es nicht, ehrlich. Was für eine dekadente, konsumspaßorientierte und völlig vollkaskosicherheitorientierte Pseudoherausforderung. Ach, ich habe noch eine tolle, fordernde und sehr verantwortungsvolle Aufgabe: Kinder in die Welt setzen und sich ernsthaft um sie kümmern. Dann merkt man sehr schnell, wie wenig Zeit einem für solche Flausen bleibt...
Als ob es auf der Welt nicht genug Probleme gäbe, mehr als genug für reiche Langeweiler. Wer lieber solche Dienste in Anspruch nimmt, anstatt reale Probleme anzugehen, der soll sich von der nächsten Brücke stürzen, dann hat er sein "Problem" und die Welt eines weniger.... Dass sich gewisse Leute nicht in Grund und Boden schämen, solche "Dienste" überhaupt anzubieten, geht auch über meine Hutschnur.
Als ob es auf der Welt nicht genug Probleme gäbe, mehr als genug für reiche Langeweiler. Wer lieber solche Dienste in Anspruch nimmt, anstatt reale Probleme anzugehen, der soll sich von der nächsten Brücke stürzen, dann hat er sein "Problem" und die Welt eines weniger.... Dass sich gewisse Leute nicht in Grund und Boden schämen, solche "Dienste" überhaupt anzubieten, geht auch über meine Hutschnur.
Ich habe auch noch ein paar Probleme, die ich geren verkaufen würde. Wie wäre es zum Beispiel mit einem An- und Verkauf für Probleme? Meiner Meinung nach mangeld es nicht an der Gesamtmenge der Probleme, sondern an der Verteilung dieser.
Erinnert mich alles irgendwie an die verrückten Ideen mancher StartUps, würde ich keinen Cent drauf wetten, dass die Firma lange überlebt. - Wäre nicht so sicher, auch wenn das Ganze schon ein wenig nach Science Fiction klingt. Im Grunde ist es genau das richtige "Angebot" für die blasierte Jeunesse dorée dieser Tage, die sich in ihrem goldenen Käfig zu Tode langweilt, desinteressiert an sich selbst oder sonst irgendwas in der Welt. Die bürgerliche Mittelschicht verkennt gern den Umstand, dass dieser superreiche Bodensatz existiert, dem selbst die Finanzkrise kaum mehr als ein gelangweiltes Schulterzucken abnötigt und denen man mit Appellen an Moral oder Vernunft garantiert nicht kommen kann.
Entschuldige, trotz deines sicherlich geglückten Kommentars besserwisserisch agieren zu müssen; jedoch heißt die von dir zitierte Textzeile: "You've got a problem [...], the problem is you." Was grundsätzlich das gleiche bedeuten könnte, aber in der tatsächlichen Formulierung doch umso mehr Sinn macht, vorausgesetzt, dass man dem von dir genannten Bevölkerungsteil negativ gegenübersteht.
Entschuldige, trotz deines sicherlich geglückten Kommentars besserwisserisch agieren zu müssen; jedoch heißt die von dir zitierte Textzeile: "You've got a problem [...], the problem is you." Was grundsätzlich das gleiche bedeuten könnte, aber in der tatsächlichen Formulierung doch umso mehr Sinn macht, vorausgesetzt, dass man dem von dir genannten Bevölkerungsteil negativ gegenübersteht.
Das schwierigste an Herausforderungen ist, das dazu gehörige Problem zu erkennen. Albert Einstein beispielsweise behauptete von sich selbst, nicht besonders intelligent zu sein, aber die Gabe zu besitzen, Fragestellungen formulieren zu können. Oft sieht man die Probleme (man muss zwischen "sozialen Problemen" und "Fragestellungen" unterscheiden), obwohl sie auf der Hand liegen, nicht.
Die angesprochene Internetseite könnte also von ausgesprochen hoher Qualität sein, wenn sie sich nicht an superreiche Swimmingpoolboys richten würde.
Entschuldige, trotz deines sicherlich geglückten Kommentars besserwisserisch agieren zu müssen; jedoch heißt die von dir zitierte Textzeile: "You've got a problem [...], the problem is you." Was grundsätzlich das gleiche bedeuten könnte, aber in der tatsächlichen Formulierung doch umso mehr Sinn macht, vorausgesetzt, dass man dem von dir genannten Bevölkerungsteil negativ gegenübersteht.
Als ob es auf der Welt nicht genug Probleme gäbe, mehr als genug für reiche Langeweiler. Wer lieber solche Dienste in Anspruch nimmt, anstatt reale Probleme anzugehen, der soll sich von der nächsten Brücke stürzen, dann hat er sein "Problem" und die Welt eines weniger.... Dass sich gewisse Leute nicht in Grund und Boden schämen, solche "Dienste" überhaupt anzubieten, geht auch über meine Hutschnur.
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