Das Wahlergebnis in den USA löst auch in Deutschland starke Emotionen aus. Quer durch alle Parteien wird der Wahlsieger Barack Obama geradezu euphorisch gefeiert. Ob rechts oder links – es kann kein Zweifel daran bestehen, dass mit Obama der Allparteien-Favorit der deutschen Politik gewonnen hat.

Von einem "Jahrtausend-Ereignis" spricht der Fraktionsvorsitzende der Linkspartei Gregor Gysi. "Hier hat die Demokratie sich durchgesetzt", jubelt aber auch der FDP-Vorsitzende Guido Westerwelle. Der CSU-Generalsekretär Karl Theodor zu Guttenberg befindet, mit der Wahl Obamas werde "die Idee des amerikanischen Traumes eindrucksvoll wieder aufleben."

Es ist eine ganze Reihe von Themen, bei denen sich Deutsche und Europäer einen Neuanfang wünschen. Als sicher gilt allerdings auch: Nicht überall wird Obama diesen Erwartungen gerecht werden können. An einigen Punkten könnte es schon bald Spannungen geben. Eine Übersicht:

Klimaschutz:

Dass die Amerikaner sich unter Präsident Obama von ihrer verheerenden Klimapolitik abwenden, internationalen Abkommen beitreten und sich auf Grenzwerte für Emissionen festlegen lassen, gehört zu den zentralen Erwartungen der Europäer. Der Regierungskoordinator für die deutsch-amerikanische Zusammenarbeit, Karsten Voigt (SPD), warnt allerdings: So schnell werden die USA sich nicht auf internationale Verpflichtungen einlassen. Üblicherweise setzen die Amerikaner zunächst auf nationale Regelungen. Auch der FDP-Außenpolitiker Werner Hoye glaubt: Obama überschätzt die technischen Möglichkeiten des Umsteuerns.

Menschenrechte:

Nach Auffassung aller Außenpolitiker gehört es zu Obamas wichtigsten Aufgaben, das Ansehen der USA, das unter der Ägide George W. Bushs schwer gelitten hat, wieder herzustellen. Die Chancen dafür stehen nicht schlecht. Allgemein wird davon ausgegangen, dass Obama das Gefangenenlager Guantánamo, das zum Symbol eines Amerikas geworden ist, das sich von seinen grundlegenden Werten entfernt hat, schließen lassen wird. Allein die Tatsache, dass er ein schwarzer Präsident ist, wird ihm in weiten Teilen der nicht-westlichen Welt einen großen Vertrauensvorschub verschaffen.