Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) sicherten dem künftigen US-Präsidenten am Mittwochmorgen eine vertrauensvolle Zusammenarbeit zu. Auch Bundespräsident Horst Köhler schrieb an den 47 Jahre alten demokratischen Senator, er könne als Präsident "auf Deutschland als einen verlässlichen Partner und langjährigen Freund zählen". Deutschland und die USA seien durch gemeinsame Werte fest miteinander verbunden. Diese seien das Fundament für die enge Zusammenarbeit in der transatlantischen Gemeinschaft.

Merkel schrieb an Obama: "Die Welt steht zu Beginn Ihrer Amtszeit vor bedeutenden Herausforderungen. Ich bin überzeugt, dass wir in enger und vertrauensvoller Zusammenarbeit zwischen den Vereinigten Staaten und Europa den neuartigen Gefahren und Risiken entschlossen begegnen und die vielfältigen Chancen, die sich in unserer globalen Welt eröffnen, gut nutzen werden." Die Bundesregierung sei sich stets "der Bedeutung und des Wertes der transatlantischen Partnerschaft für unsere gemeinsame Zukunft bewusst".

Steinmeier sagte, er habe Obama bisher als Politiker erlebt, der zusammenführen und am Ende besonnen und souverän handeln könne. Mit Obamas Wahl hätten die USA in der Innen- und Außenpolitik den Wechsel gewählt. Er erwarte, dass das transatlantische Verhältnis nun wieder
enger werde, erklärte Steinmeier, der auch Vizekanzler ist.

Der Koordinator der Bundesregierung für die deutsch-amerikanischen Beziehungen, Karsten Voigt (SPD), sagte ZEIT ONLINE, der Sieg Obamas sei eine große Chance, um an Lösungen für alte Probleme etwa beim Klimaschutz, der Abrüstung oder in den Beziehungen zu Russland zu arbeiten. Der außenpolitische Sprecher der Unionsfraktion im Bundestag, Eckart von Klaeden (CDU), sagte dem Südwestrundfunk (SWR), Merkel und Steinmeier sollten das Gespräch mit der neuen US-Regierung suchen, bevor diese sich in wichtigen Punkten wie der Finanzmarktordnung, der Weltwirtschaft sowie dem Freihandel festgelegt habe.

FDP-Chef Guido Westerwelle sagte, der Wahlsieg Obamas solle allen Deutschen eine Lehre sein, die Amerika schon abgeschrieben hätten. Auch er verlangte, die Regierung müsse nun klare Erwartungen an Obama formulieren. Abrüstung müsse dabei eine zentrale Rolle spielen. Für den außenpolitischen Sprecher der FDP-Fraktion im Bundestag, Werner Hoyer, ist Obama ein Mann, der in einzigartiger Weise Stil und Substanz verbindet. "Amerika hat sich heute neu erfunden. Es kehrt zu seinen Wurzeln zurück, die es einst stark gemacht haben", sagte Hoyer ZEIT ONLINE. Zwar habe Obama beim Klimaschutz oder in der Innenpolitik auch unrealistische Erwartungen geweckt. Dennoch sei er überzeugt, dass Obama bei der grundlegenden Umsteuerung der amerikanischen Politik keine Bauchlandung machen werde, so Hoyer.