Obamas Triumph Die Ruhe nach dem Sturm

Der Kampf im Internet ist beendet: Demokraten verschlägt es vor Freude die Sprache, Republikaner gratulieren knapp. Die Blogschau

Der neue US-Präsident Barack Obama

Der neue US-Präsident Barack Obama

Es war die lange Nacht der Zahlen. Und wenn es jetzt darum geht, alles zu zählen und zu benennen, was diese Präsidentschaftswahlen besonders machte, dann sind das nicht nur die hohe Wahlbeteiligung, der lange Wahlkampf und die Spendenrekorde – sondern auch die Textmassen derjenigen, die das alles unermüdlich aufschrieben und kommentierten. Zum Beispiel der Blogger Andrew Sullivan. Allein am gestrigen Wahltag veröffentlichte der selbst erklärte Konservative mit dem Faible für Obama auf seiner Internetseite : 12.360 Wörter in 121 Beiträgen. Ab 4:47 Uhr morgens tippte er auf seinen Rechner ein und veröffentlichte letzte Wahlprognosen, Lektüretipps und immer wieder Wahlanekdoten von seinen Lesern, die ihm aus allen wichtigen Staaten, aus Washington DC und aus Bagdad schrieben. Um 23:02 Uhr Ortszeit war seine Mission erfüllt. " America: Fuck Yeah!!! " , schrieb er angesichts des eben verkündeten Wahlsiegs Barack Obamas – und postete, statt weiterer Worte, ein Musikvideo von Kool And The Gang. "Celebrate Good Times", singt die Band darin.

Zuletzt hatte Sullivan die Stimmenauszählungen und das Fernsehgeschehen parallel live kommentiert – so wie die Huffington Post   und Talking Points Memo   auf der Linken, Townhall   und Ace of Spades   auf der Rechten, und alle anderen Politblogger, die etwas auf sich hielten. Es war wie ein letztes Aufbegehren dagegen, dass schon heute der Quell versiegt ist, der die politische Blogosphäre in den letzten zwei Jahren mit Trends, Gerüchten, Skandalen, kurz: mit ihrem Lebenselixier, versorgt hatte.

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"Lasst uns jetzt einfach nur feiern, dass Amerika heute Geschichte geschrieben hat", schreibt der Blogger Taegan Goddard. Erleichterung und Erschöpfung scheinen zu überwiegen. Und Party und Pathos: "Grant Park dreht total durch", schreibt ein Blogger im Demokratenforum DailyKos wenige Minuten nach der Bekanntgabe des Obama-Sieges von dessen Wahlparty in Chicago. "In dem Moment, in dem CNN den Sieger verkündete, brachen Jubelschreie aus. Demokraten, erschöpft von einem acht lange Jahre währenden Albtraum, fielen einander in die Arme. Überall Tränen. Und strahlendes Lächeln, genug, um die ganze Stadt zu erleuchten."

Weniger begeistert geht es bei den konservativen Bloggern zu. "Amerika geht vor", heißt es auf dem Republikaner-Blog Little Green Footballs .  Deshalb werden trotz politischer Differenzen äußerst knappe, aber "aufrichtige Glückwünsche" übermittelt. "Autsch", "Mist" und "Fuck": auch die Leser-Kommentare fallen kurz aus, sprechen aber eine andere Sprache.

Der konservative Blogger John Hawkins versucht den Wahlsieg des politischen Gegners dagegen positiv zu sehen. "In den nächsten vier Jahren werdet ihr von mir wohl nicht noch einmal ein freundliches Wort über Barack Obama hören, aber heute gratuliere ich ihm", schreibt Hawkins auf RightWingNews . "Die nächsten vier Jahre werden schwierige Jahre – und so hoffe ich, dass Obama weiser, weniger radikal und wesentlich kompetenter ist, als ich das von ihm glaube." Immerhin beweise der Afro-Amerikaner im Weißen Haus, was Konservative schon lange proklamiert hätten: dass Amerika kein rassistisches Land sei und Bevorzugungsquoten für Schwarze abgeschafft werden könnten.

"Eines verspreche ich euch", schreibt Michelle Malkin , eine der aggressivsten Obama-Kritikerinnen, "so lange, wie ich noch bloggen und meine Meinung über den nächsten Bewohner des Weißen Hauses offen sagen darf, werde ich das tun."  Nun sei die Aufgabe, die Marke ihrer Partei von John McCain zu bereinigen – und nie wieder einen moderaten Kandidaten zu nominieren, der angeblich gewinnen könne, aber nur dem Namen nach Republikaner sei.

John McCain hat die ersten Schritte dafür schon selbst eingeleitet. In seiner Dankesrede nahm er laut Berichten der Huffington Post die alleinige Schuld für die Niederlage auf sich – und lobte seine Vizekandidatin Sarah Palin als eine der besten Wahlkämpferin, die er kenne. Die wird von Bloggern schon länger als Wunschkandidatin für das Wahljahr 2012 in Position gebracht .

 
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