Industrie-Anleihen Papiere mit Extrazins
Das Vertrauen ist weg: Selbst Schuldverschreibungen traditioneller Industriekonzerne will kaum jemand haben - dabei bieten sie bei geringem Risiko gute Renditen. Der Querdax
Wo ist das Vertrauen der Anleger geblieben? Mit der zunehmenden Eskalation der Bankenkrise scheint es sich in Luft aufgelöst zu haben. Darunter leiden nicht nur die Aktienkurse und die Kurse von Bankanleihen, sondern auch Anleihen aus den traditionellen Industriesektoren – unter ihnen solche, die einst zur Crème de la Crème der Schuldner zählten.
Hochsolide Staatsschulden made in Germany hingegen sind begehrt. Auf ihrer Flucht in sichere Häfen reißen sich Anleger mittlerweile um deutsche Staatspapiere, mit der Folge, dass ihre Kurse gestiegen und die Renditen deutlich zurückgegangen sind. Ein Blick auf die Kurse an der Frankfurter Wertpapierbörse zeigt: Wer heute eine Bundesobligation oder Bundesanleihe mit drei Jahren Restlaufzeit kauft, kann nur noch mit mageren 2,8 Prozent Jahresrendite rechnen. Erst bei Restlaufzeiten ab sechs Jahren wird die 3,5-Prozent-Hürde übersprungen.
Zu Mauerblümchen degradiert werden derzeit hingegen Unternehmensanleihen, selbst wenn sie eigentlich solide sind. Die Folge des Investorenstreiks ist, dass die Kurse der Anleihen deutlich abgerutscht und daher die Rendite – die sich aus dem laufenden Zins plus der Differenz zwischen Kaufkurs und Nennwert-Rückzahlung bei Fälligkeit zusammensetzt – entsprechend angestiegen ist.
Ein paar Beispiele: Eine Anleihe des Handels-Multis Metro mit einem Jahr Restlaufzeit bringt beim Kauf an der Frankfurter Börse 8,2 Prozent, ein BMW-Bond mit ebenfalls zwei Jahren Restlaufzeit beim Kauf an der Stuttgarter Börse 6,8 Prozent und eine Schuldverschreibung des Pharmakonzerns Bayer rentiert bei dreieinhalb Jahren Restlaufzeit mit 5,3 Prozent.
Sicher haben die vergangenen Wochen und Monate gezeigt, dass das Pleiterisiko alles andere als akademisch ist und auch globale Konzerne nicht immer so krisenfest sind, wie es sich der Anleger erhoffte. Überdies droht eine weltweite Rezession, die auf die Erträge und damit möglicherweise auch auf die Solidität der industriellen Schuldner drückt.
Doch die hier exemplarisch aufgeführten Schuldner gelten als solide Traditionskonzerne mit eher geringem Bonitätsrisiko: Metro kann ein Rating von "Baa" vorweisen, und BMW und Bayer liegen mit ihrer "A"-Bonitätsnote sogar noch eine Stufe darüber. Der Zinsaufschlag signalisiert hingegen zumindest bei Metro schon eine spekulative Hochzinsanleihe, und auch die Renditeaufschläge der beiden anderen Schuldner decken sich nicht mit der Bonitätsanalyse der Ratingagenturen.
- Datum 04.05.2009 - 11:09 Uhr
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- Quelle ZEIT ONLINE
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