Belletristik Fett und eklig

Ein fulminanter Splatterkrimi ist zu entdecken: Rex Millers Roman "Fettsack" ist gewalttätig, radikal und eine literarische Höchstleistung.

Rex MillerFettsackBelletristikEdition Phantasia200827215,90

Die Kunst versteckt sich bisweilen hinter der Maske des Trivialen. Ein gutes Beispiel hierfür ist der Splatterkrimi Fettsack eines gewissen Rex Miller. Der erstmals 1987 im amerikanischen Original erschienene Roman ist eine literarische Hochleistung. Was der 1939 in Sikeston, Missouri, geborene und 2004 ebendort verstorbene Autor, der zunächst äußerst erfolgreich als Radio-DJ tätig war, mit seinem Erstlingswerk zustande brachte, ist von einer formalen wie inhaltlichen Kompromisslosigkeit. Davon zeigte sich selbst Stephen King beeindruckt.

Fettsack ist der fleischgewordene Horror. Einst als fröhliches Einmannkillerkommando in Vietnam eingesetzt, hat der an die 500 Pfund schwere, fast zwei Meter große Daniel Edward Flowers Bunkowski, genannt „Chaingang“, nach wie vor große Freude am Töten. Auf seiner Menschenjagd durch die amerikanischen Lande hinterlässt er nicht nur jede Menge Verpackungspapier von mehr als weniger ungesunden Lebensmitteln, sondern auch eine Spur aus Blut und zerfetzten Leibern. Da er seinen Opfern das Herz herausnimmt, nennt ihn die Boulevardpresse alsbald den „Einsame-Herzen-Killer“.

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Dem nicht nur sprichwörtlichen Schwergewicht unter den Serienmördern soll der charismatische, nicht korrumpierbare Spezialfahnder Jack Eichord das Handwerk legen –  ein in Liebesdingen weitgehend gescheiterter, halbwegs trockengelegter Alkoholiker. Wie es der Zufall will, beginnt Eichord im Laufe seiner Ermittlungsarbeit eine Affäre ausgerechnet mit der Witwe eines der ersten Opfer des Killers. Er verliebt sich unsterblich in Edith Emeline Lynch, die eine natürliche Enddreißigerin ist und Mutter von der kleinen Lee Ann.

Als ein besonders verdienstvoller Bürger der Stadt Opfer des Serienkillers wird, gerät die Situation außer Kontrolle. Um die medialen Wogen zu glätten, gibt die Polizei in Person des speziellen Sonderermittlers bei erstbester Gelegenheit die Klärung des Falls bekannt. Daraufhin beschließt der nach wie vor äußerst sex- und mordaktive Killer, ein Zeichen zu setzen. Er entführt Eichords neue Freundin samt Töchterlein. Die Voraussetzungen für einen veritablen Showdown sind geschaffen.

Schon die Wahl des fetten, stinkenden, notorisch neben die Kloschüssel pinkelnden Titelhelden zeigt Millers Hang zur drastischen Übertreibung. In der Schilderung von Gewaltfantasien und Folterexzessen, die keinen geringen Teil des Buchs einnehmen, erweist er sich als besonders einfallsreich. Kunstvoll arrangierte Splattereinlagen konfrontieren den Leser mit seinem eigenen Voyeurismus. Auch die Behandlung sexueller Thematiken zeigt wenig Sinn für Romantik, geschieht reichlich unverblümt.

Mit den Ausschreitungen auf inhaltlicher Ebene korrespondiert ein krasser Sprachgebrauch. Um das Phänomen des Serienmörders zu thematisieren, diese „durch das giftige Karma der Vietnam-Ära entstandene Mutation“, scheint eine radikale Poetik unabdingbar. Hierzu zählt auch die Rasanz, mit der der Autor die Handlung vorantreibt. Vielfältig sind seine technischen Möglichkeiten: Hart gegeneinander geschnittene Szenen, Parallelhandlungen, Rückblenden, Innenansichten, dokumentarisches Erzählen wechseln in rascher Folge ab.

Leser-Kommentare
  1. Das muss ja ein tolles Buch sein!

    Blutrünstige Computerspiele werden kritisiert, in Zusammenhang mit Amokläufern und Massakern gebracht. Aber da Lesen ja bildet nehmen wir das locker in kauf.

    "Literarische Höchstleistung"??? Ekelhaft.

    • rothy
    • 05.11.2008 um 12:00 Uhr

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