Internetkommerz Vertippt!

Wem beim Tippen von Website-Namen Fehler unterlaufen, der landet oft bei Typosquattern, Kleinbetrügern mit erheblichen Folgekosten

Typosquatter schlagen Gewinn aus den Tippfehlern der Nutzer

Typosquatter schlagen Gewinn aus den Tippfehlern der Nutzer

Jeder Internet-Nutzer kennt das Phänomen: Die flüchtig eingetippte Webadresse hat einen Tippfehler, anstelle einer Fehlermeldung sieht man aber eine dubiose Website mit einigen Links. Der User ist auf der Seite eines Typosquatters gelandet. Der martialisch klingende Begriff Typosquatting (engl. typo: Rechtschreibfehler, squatting: besetzen) beschreibt die kommerzielle Nutzung einer Internetadresse, die einer bekannten Adresse ähnelt.

Einer jüngst veröffentlichen Studie des Sicherheitsspezialisten McAfee zufolge kommen auf die 2000 beliebtesten Domains nicht weniger als 80 000 solcher Typo-Seiten. So führen www.deutscheank.de , www.deutschbak.de und www.deutscheban.de zuverlässig all die in die Irre, die eigentlich ein großes deutsches Geldinstitut erreichen wollten.

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Dass es sich bei den irrtümlich besuchten Seiten nicht um die Internetpräsenz der Bank handelt, ahnt der Internet-Nutzer auch, wenn die Typosquatter ihn nicht auf Pornoseiten oder Pop-ups und Spyware locken wollen. Sondern lediglich eine Reihe von Werbelinks deutscher Kreditinstitute. Auch hier steckt kommerzielles Interesse dahinter: Klickt man auf einen dieser Links, wird dem Inhaber von deutscheank.de ein geringer Cent-Betrag gutgeschrieben.

Der Leidtragende ist in diesem Fall der Inhaber der Original-Domäne. Wenn etwa ein Amazon-Kunde auf anazon.de gerät, kann er seinen Irrtum bemerken und die richtige Adresse eingeben. Oder er klickt auf einen Amazon-Werbelink – daraufhin muss Amazon einen unbekannten Betrag von einigen Cent bis zu mehreren Dollar dafür zahlen. Dritte Möglichkeit: Der Kunde klickt auf den Link eines Konkurrenten und tätigt seinen Einkauf womöglich dort.

Am meisten profitieren vom Typosquatting aber nicht die Domänen-Besetzer, sondern eine Reihe großer Unternehmen, ohne die Typosquatting gar nicht rentabel wäre. Denn mit einer einzelnen Tippfehler-Seite ließe sich kaum Geld verdienen – zumal es dem Squatter wohl kaum gelingen dürfte, Werbeverträge mit den entsprechenden Unternehmen zu schließen.

Hier kommen große Domain-Vermarkter wie Sedo, Namedrive, Adplosive oder Nicit ins Spiel. Sie ‚parken‘ solche Seiten bei sich. Domain-Parker verwalten die nackte Webadresse und bestücken diese mit inhaltlich passender Werbung. Dazu beauftragen sie großen Anbieter wie Google oder Yahoo und geben ihnen inhaltliche Stichworte, damit auch die richtige Pay-per-click-Werbung auf der Seite bereitgestellt wird. An den Werbeeinnahmen sind Google, die Parker und der Domain-Inhaber beteiligt.

Dabei ist der wirtschaftliche Schaden möglicherweise nicht unerheblich: Im vergangenen Jahr reichte der Computerhersteller Dell eine Klage gegen Domainbesitzer und Domain-Parker von über 1.000 Webadressen ein, die laut Dell die Rechte am Markennamen verletzten. Dell behauptet, dass dem Unternehmen innerhalb von drei Jahren ein Schaden von zwei Millionen Dollar entstanden sei.

Das Problem ist seit Jahren bekannt, doch im Kampf gegen diesen Missbrauch passiere „wenig bis gar nichts“, sagt Toralv Dirro, Sicherheitsexperte von McAfee. Dabei wäre es durchaus möglich, das Typosquatting unattraktiv zu machen.

Denn Typosquatter können nicht vollends aus den quasi rechtsfreien Bereichen des Internets agieren, sondern sind auf die Finanzierung und technische Unterstützung großer Unternehmen angewiesen. So weist McAfee darauf hin, dass 80 Prozent der im Rahmen der Studie gesichteten Typo-Seiten Links aus Googles Werbe-Netzwerk zeigen.

Google verweist lediglich auf die eigenen Bestimmungen: „Unsere allgemeinen Geschäftsbedingungen untersagen jede Verletzung von Rechten des geistigen Eigentums Dritter durch AdWords-Kunden. Wenn wir Markenrechtsverletzungen finden oder darauf hingewiesen werden, handeln wir sofort, was auch dazu führen kann, dass wir Anzeigen von unseren Seiten sowie von Websites, die zum AdSense Netzwerk gehören, entfernen“, sagt eine Pressesprecherin von Google Deutschland.

Auch bei den Parking-Unternehmen ist man der Meinung, alles Nötige gegen solchen Missbrauch zu unternehmen. Semra Yilmanz vom großen deutschen Domainvermarkter Sedo – im Übrigen auch Verwalter der Seite deutscebank.de – sagt dazu: „Wir haben Regeln für Parker. Wenn wir auf Missbrauch aufmerksam gemacht werden, wird die Domain sofort geblockt und kann bei uns auch nie wieder registriert werden.“ Zudem habe man Sperrlisten und ein eigenes „ Fraud -Team“, das sich um Betrugsfälle kümmere.

Eine Mitverantwortung sieht man laut Sedo auch bei den Inhabern der Original-Adressen. „Wir weisen unsere Kunden auch stets darauf hin, dass es Typos gibt, und sagen ihnen: Bitte sichern Sie sich diese!“ Praktischerweise bietet das Unternehmen Sedo, das auch als großer Domain-Makler tätig ist, die Seite deutscebank.de auch zum Verkauf an.

Es wirkt schon merkwürdig, wie schwer sich die Unternehmen bei der Bekämpfung dieses ach so unerwünschten Phänomens tun, obwohl es durchaus wirkungsvolle Maßnahmen gäbe: McAfee fand im Rahmen seiner Untersuchung von knapp zwei Millionen Schreibvarianten der beliebtesten Domains rund 130 000 Fälle, „in denen von Typosquatting auszugehen ist“ .  Ein Abgleich mit den Datenbeständen von Google & Co dürfte einen erheblichen Teil der Typosquatter aussperren.

„Die Liste der Typo-Domains kann problemlos zur Verfügung gestellt werden“, sagt Dirro. Gebrauch wird davon wohl aber nicht gemacht, wie Dirro bestätigt: „Anfragen von Unternehmen wären mir nicht bekannt.“

 
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