Ob nationale Wählerbefragung oder prognostizierte Wahlmänner-Verteilung: In den letzten Umfragen, die zum Anfang der Woche veröffentlicht wurden, führt Barack Obama in allen Kategorien. Einen durchschnittlich knapp zweistelligen Vorsprung hält Obama in den nationalen Wählerbefragungen. Auch die Wahlmännerverteilung von New York Times   und RealClearPolitics , die sich jeweils aus den Umfragewerten einzelner Staaten ergeben, deuten auf einen Wahlsieg Barack Obamas hin.

Unklar bleibt jedoch der Präzisionsgrad dieser Umfragen angesichts einer Wahlbeteiligung, die alle historischen Vergleichswerte zu übertreffen droht. "Einer der heikelsten Aspekte politischer Umfragen ist es zu ermitteln, welche der Befragten wirklich wählen werden", schreibt Jon Cohen, der sich für die Umfragen der Washington Post verantwortlich zeigt.  "Selbst wenige Tage vor einer Wahl bleibt das eine unbekannte Gruppe." Jedes Umfrage-Institut habe ein eigenes Modell, um den Einfluss befragter Nichtwähler aus den Umfragen herauszurechnen. Die Gallup Organization , die ein tägliches nationales Stimmungsbild veröffentlicht, verwendet in diesem Jahr gleich zwei verschiedene Modelle, die möglichen Szenarien der Wahlbeteiligung gerecht werden sollen – ein traditionelles Modell, das auch in vergangenen Jahren verwendet wurde. Und eines, dass den Besonderheiten der Vorwahlen in diesem Jahres gerecht werden soll, indem es einen erhöhten Anteil an Jungwählern und Wählern aus sozialen Minderheiten einbezieht.

In den letzten Umfrage-Ergebnissen vor der Wahl, die am Sonntag veröffentlicht wurden, kommen beide Modelle zum selben Ergebnis: 53 Prozent der Befragten bevorzugen demnach Barack Obama, 42 Prozent stimmten für John McCain – der Abstand zwischen den beiden wächst demnach seit der letzten Oktoberwoche wieder.  Einen Tag älter ist der Durchschnittswert, den die Redaktion der Internetseite RealClearPolitics aus verschiedenen nationalen Umfragen errechnete. Er zeigt Barack Obama mit einem Vorsprung von 6,4 Prozent.

Während der Trend in den nationalen Umfragen eindeutig zugunsten Barack Obamas ausfällt, sieht es auf Staatsebene anders aus. "15 von 20 neuen Umfragen in verschiedenen Staaten zeigen eine Verschiebung in Richtung McCains", meldet das Online-Magazin Slate . Darunter befindet sich auch Florida, das mit 27 Wahlmännerstimmen der wichtigste der unentschiedenen Staaten ist. Durchschnittlich vier Prozent liegt Obama hier in den Umfragen vorn – bei einer im Durchschnitt doppelt so hohen Fehlermarge. Neben Florida geht es in Pennsylvania (21 Wahlmännerstimmen, durchschnittlich 7,3 Prozent Vorsprung für Obama) und in Ohio (20 Stimmen, durchschnittlich 4,2 Prozent Vorsprung für Obama) besonders erbittert zu. Um die Mehrheit der Wahlmännerstimmen zu erlangen, müsste McCain neben diesen drei Staaten die Masse der unentschiedenen und knappen Staaten gewinnen.