Kurz nach Mitternacht ist das Berliner Regierungsviertel menschenleer. Ganz in der Nähe, in der Bar "Wahlkreis", hat sich ein Grüppchen Republikaner versammelt, um die amerikanische Wahl zu verfolgen.

Über der Theke flimmert durch den dichten Qualm eine bescheidene Girlande mit Stars-and-Stripes-Fähnchen. An der Wand hängt ein Flachbildschirm. In einem kleinen Hinterzimmer ist sogar eine Leinwand aufgestellt. N-tv analysiert eifrig und gibt erste Prognosen ab. Aber das scheint hier kaum jemanden zu interessieren.

Allein ein junger Mann blickt gespannt auf die Leinwand. Er trägt einen Cowboyhut mit selbst gemaltem McCain-Schriftzug darauf. An seinem schwarzen Anzug steckt eine Israel-USA-Brosche. Der Brandenburger Billy Six ist stolz, dass sein bürgerlicher Name so "herrlich amerikanisch" klinge. Er verehrt John McCain.

© Getty Images/dpa; Montage: ZEIT ONLINE

"McCain muss gewinnen, weil er die Werte, die Amerika ausmachen, hochhält. Die uneingeschränkte Freiheit zum Beispiel, und die Demokratie." McCain sei außerdem intelligenter und ehrlicher als George W. Bush. Da könne sich Deutschland über einen "neuen, ganz anderen" Republikaner im Amt freuen.

So siegessicher sieht im Hauptquartier der Berliner Republikaner niemand aus. Ein dänischer Student, der nur "aus Versehen" in der Kneipe sei, erklärt sich die lahme Stimmung so: "Wahrscheinlich wissen die alle schon, dass sie heute Nacht als Verlierer nach Hause gehen werden. Deswegen trinken sie ganz unauffällig ihr Bier."

Zwei S-Bahn-Stationen entfernt feiern die Democrats abroad und Obama-Fans eine Wahlparty ganz anderen Kalibers. Vor dem Kino Babylon tummelt sich hippieskes Volk. Manch eine erinnert mit ihren wallenden Kleidern, bunten Kopftüchern und langen Haaren an Woodstock. Ein Schwarzer mit weißem Satinanzug, Goldschmuck und rotem Cowboyhut gibt zwischen zwei Zigarettenzügen gelassen Interviews für eine Horde Journalisten. Schließlich könnte Barak Obama der erste schwarze Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika werden.

Die eigentliche Feier findet aber im Kino statt und ist längst ausverkauft. Nur mit einigem Glück lässt sich eines der blauen Eintritts-Bändchen ergattern. Drinnen gibt es Obama-Buttons für jeden, Catering und zahlreiche Gimmicks, mit denen die Feiernden bei Laune gehalten werden sollen.

An einem Straw poll dürfen sogar die Deutschen wählen. Eine symbolische Unterstützung für den Kandidaten der Demokraten. Und siehe da. Eine Auszählung in den frühen Morgenstunden bescheinigt Barak Obama einen hundertprozentigen Sieg: " It’s a landslide election " grinst die Wahlaufsicht.