Der erste Stopp ist eine mexikanische Bar, berühmt für billige Margaritas zur Happy Hour und lautstarke Partys bei Sportveranstaltungen im Fernsehen. Ein paar Tische sind besetzt, auf allen vier Großbildschirmen läuft Football. "Sie wollen die Wahl verfolgen? Auf welchen Kanal schauen wir denn da am besten?", fragt die Bedienung ein wenig hilflos.

Während der öffentliche Radiosender NPR im Auto von einem "Erdbeben der jungen Generation" spricht, ist genau die nirgendwo zu finden. Auch in den nächsten drei Bars nicht. "Wir sind extra früh aus der Arbeit gegangen, damit wir unseren Töchtern hier ein wenig Politikflair vermitteln können", erzählen Odette und Shubert Miller angesichts der gähnend leeren Kneipe etwas enttäuscht. Sie hat Obama gewählt, der Ehemann aus Steuergründen, wie er sagt, McCain. Obama sei ja in Europa sehr beliebt, meint Odette Miller. "Und ich verstehe nicht, warum allein das Wort Sozialismus hierzulande so ein rotes Tuch ist. Wir könnten durchaus ein bisschen davon brauchen."

Letzter Versuch in "Steve's Creole Bar", eine Kneipe mit Südstaatenküche und überwiegend schwarzer Stammkundschaft. Auch hier ist es recht ruhig, obwohl der Sieg Obamas bereits abzusehen ist. Doch kaum jemand, der nicht stolz seinen "I voted"-Sticker auf der Brust trägt.

Terri Silka, eine gebürtige Polin und inzwischen amerikanische Staatsbürgerin, ist mit drei Freundinnen da, zwei Österreicherinnen und einer Deutschen, die alle seit mehr als 20 Jahren in den USA leben. "Die Erwartungen an Obama sind so hoch, das macht mir Sorgen", sagt Silka. Jeder hoffe, dass das Unmögliche jetzt möglich sei - dabei kämpfe der neue Präsident mit riesigen Problemen. "Noch hat doch keiner das volle Ausmaß der Wirtschaftskrise verstanden." Die Republikaner würden das sicher auszuschlachten wissen, "und dann haben wir womöglich in vier Jahren wieder einen Republikaner im Weißen Haus". Doch vorerst bedeute die Wahl nicht mehr und nicht weniger als eine "Revolution im besten demokratischen Sinne".

Die vier bestellen nach guter "Sex and the City"-Manier einen Cosmopolitan, um den Sieg ihres Favoriten zu feiern. "Wenn John McCain Präsident geworden wäre, dann hätte ich hier nicht mehr so einfach leben können", bekennt Petra Davolos, eine Krankenschwester, ursprünglich aus einem kleinen Dorf in Bayern. "Selbst mein kubanischer Ex-Mann drohte schon, in dem Fall nach Kuba zurück zu gehen."