Dann tritt er vor die Masse, kurz vor 23 Uhr amerikanischer Zeit: Barack Obama, der neue Präsident. "Hallo Chicago!" Die Masse schreit auf. Bis zu 200.000 Menschen sollen in den Grant Park von Chicago gekommen sein, so lauten die Schätzungen. Ein Meer von Fahnen vor der hell erleuchteten Skyline der Großstadt am Michigan-See und in ihrer Mitte eine Bühne, darauf der Wahlsieger, seine Frau, seine Kinder.

Von der Freiheit Amerikas spricht dieser erste schwarze Präsident und von den verschiedenen Menschen, die dieses Land ausmachen, von Schwarzen und Weißen, Latinos und Homosexuellen. Sie alle seien die Vereinigten Staaten von Amerika. "Was wir jetzt getan haben, das bringt den Wandel nach Amerika."

Schon aber richtet er den Blick auf die Gefahren und Herausforderungen, vor denen das Land, vor denen er selbst steht: "Zwei Kriege, die größte finanzielle Krise seit langer Zeit", die Sorgen der Menschen um ihre Hypotheken und Arztrechnungen. "Die Straße vor uns ist lang. Unser Aufstieg wird steil. Wir werden dort nicht in einem Jahr hinkommen oder in einer Wahlperiode. Aber ich war nie hoffnungsvoller als heute Abend, dass wir dort hinkommen werden. Ich verspreche es euch, wir, das Volk, werden da hinkommen", sagte er. Ernst hören es diese Menschen, kurz breitet sich Stille aus, doch dann branden wieder die Rufe auf, die ihn fast zwei Jahre lang durch den Wahlkampf begleiteten: "Yes, we can".

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"Die Gefahren von morgen sind wahrscheinlich die größten in unserem Leben." Die Masse jubelt. "Dieser Sieg ist nicht der Wandel, den wir wollten, er öffnet erst die Tür für diesen Wandel." Ernste Blicke, energisches Nicken nehmen die Fernsehkameras auf. "Die Zeiten, als es hieß: Ihr könnt nicht, ihr dürft nicht, sind vorbei!" Den Menschen stehen Tränen in den Augen. "Amerika kann sich verändern."