US-Wahl Werden die Prognosen recht haben?

Rechte und linke Kommentatoren werfen sich psychologische Kriegsführung mit Wahlumfragen vor. Aber ausgerechnet der frühere Bush-Stratege Karl Rove sagt: Alles Humbug

Der Wahlkampf wird heiß: Bäcker Julien Wagner schiebt seinen Kandidatenbrote in den Ofen

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"Die Experten und Kommentatoren zerstückeln unser Land gerne in rote Staaten und blaue Staaten, rote Staaten für die Republikaner, blaue für die Demokraten", beschwerte sich Barack Obama in seiner Rede auf dem Demokraten-Parteitag 2004 ,  die den jungen Politiker ins nationale Scheinwerferlicht rückte. "Doch wir sind ein Volk." Es gäbe nicht rote und blaue Staaten, sondern nur die Vereinigten Staaten, wiederholte Obama auch dieses Jahr im Wahlkampf – und dieses Jahr stimmen ihm die Wahlexperten zu.

Wenn man den jüngsten Umfragen-Auswertungen auf den Internetseiten der New York Times , von RealClearPolitics oder Talking Points Memo glaubt, dann ist der Graben, der quer durch Amerika zwischen Demokraten- und Republikaner-Staaten verläuft, nicht ganz so tief, wie angenommen. In einem halben Dutzend "Bush-Staaten", also solchen, die in den letzten zwei Präsidentschaftswahlen an die Republikaner fielen, ist aktuell noch offen, wie die Wahl in diesem Jahr ausgeht. Und Colorado und Virginia scheinen derzeit zu Obama-Staaten werden.

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Parallel werfen sich Kommentatoren beider Seiten psychologische Kriegsführung mit Umfragen und Wahlprognosen vor. Der Republikaner Dan Perrin schreibt auf der Internetseite RedState.com gar von "Wählerunterdrückung" – und meint damit die Medien, die der Obama-Manie verfallen seien und nun mit ihren Trends und Zahlen versuchen würden, Republikaner vor der Wahl einzuschüchtern. Weniger drastisch formuliert erhebt auch der Obama-Sympathisant Andrew Sullivan diesen Vorwurf in seinem Blog .

So hatte der Nachrichtensender Fox News gestern eine neue Umfrage veröffentlicht,  die in der konservativen Blogosphäre wohlwollend rezipiert worden war – sie zeigte ein Schrumpfen des Vorsprungs, den Obama in bundesweiten Trend-Umfragen vor John McCain hält. "Fox führt uns in die Irre", schreibt Sullivan nach einem Blick ins Kleingedruckte, der ergab, dass sich seit der letzten Vergleichsumfrage nicht nur das Ergebnis, sondern auch die Zusammensetzung der Befragten verändert hat: Für die neue Umfrage waren weniger Demokraten und mehr Republikaner befragt worden.

"Lassen Sie sich in Ihrer Wahl nicht von den Umfragen beeinflussen", mahnt Karl Rove in einem Kommentar auf der Internetseite des Wall Street Journal , "2000 und 2004 stimmten sie nicht". In diesen Jahren war Rove Chefstratege der Bush-Kampagne gewesen – und ein Verfechter der Theorie, dass es per se rote und blaue Staaten gäbe – und ihre Verteilung zu einer mehrere Jahrzehnte andauernden "permanenten republikanischen Mehrheit" führen müsse. "Umfragen können unterschwellige Entwicklungen verdeutlichen und Wahlkämpfern bei der Entscheidung helfen, wo sie ihre Kräfte konzentrieren", schreibt er jetzt nüchtern. "Die Gefahr ist jedoch, dass sie von Kommentatoren benutzt werden, um eine Wahl für beendet zu erklären, bevor die Wählerstimmen abgegeben sind." Das entmutige Wahlkämpfer und Wähler: "Ich spreche da aus Erfahrung."

Einen Wahlsieg John McCains – von dem sich etwa Dan Perrin überzeugt gibt – mag Rove jedoch nicht ankündigen. Aus gutem Grund: 2000 und 2004 mag er gegenüber den Umfragen Recht behalten haben, doch zu den Kongress-Wahlen 2006 scheiterten auch seine eigenen seherischen Kräfte. Noch kurz vor der Wahl, als sich die Bedenken über den Verlauf des Irak-Kriegs und Skandale um republikanische Abgeordnete mehrten, hatte Rove daran festgehalten, dass die Republikaner ihre "permanente Mehrheit" ausbauen würden.

Er sollte sich irren. Nicht nur übernahmen die Demokraten 2006 die Abgeordnetenmehrheit in Repräsentantenhaus und Senat – es geht heute auch kaum jemand davon aus, dass sich das in diesem Jahr wieder ändern könnte, wenn parallel zur Präsidentschaftswahl ein Drittel der Sitze im Senat und das komplette Repräsentantenhaus zur Wahl stehen. Im Gegenteil beschwor John McCain das Schreckgespenst einer ungezügelten Demokraten-Herrschaft an beiden Enden der Pennsylvania Avenue – im Weißen Haus und im Kapitol – um unentschiedene Wähler auf seine Seite zu holen. In den roten, blauen und violett schattierten Staaten.

 
Leser-Kommentare
  1. Wie man in den Fernsehsendern so sieht, hat der MC Bush noch ganz schöne Chancen, leider, durch seine Diffamierungen!
    Es ist nun wichtiger mit den Menschen zu reden, als mit den anderen Bewerbern eine Show zu reanimieren. Hoffe doch, dass Amerika da durchblickt und den richtigen Kandidaten wählt!

    • bediko
    • 01.11.2008 um 13:43 Uhr

    Es ist ein deutlicher Fortschritt erkennbar: Die US-Amerikaner scheuen sich, offen rassistisch zu erscheinen! Was sie wirklich denken, werden wir in wenigen Tagen erkennen, wenn sie möglicherweise doch den alten McCain wählen. Ich bin kein Prophet und bin mir wegen der Turbulenzen auf den Finanzmärkten nicht mehr so sicher wie vor einem halben Jahr. Spannend ist die Wahl insofern, als wir die Arbeitshypothese, die Amerikaner seien weiterhin überwiegend Rassisten, schon in wenigen Tagen falsifizieren können.

  2. 3. Ja.

    Wenn sich zeige sollte, dass 90% der Schwarzen - wie in den Prognosen gesagt - tatsächlich Obama wählen, dann hätte sich bestätigt, dass Rassismus der Grund für die Entscheidung ist. Dann hätte Obama und seine Minister die Aufgabe, sich mit dem Rassismus der schwarzen Community auseinanderzusetzen und in umfangreichen Programmen zu bekämpfen.
    Aber man sollte sich vor Vorveruteilungen hüten und erstmal abwarten.

  3. Wenn sie keine Ahnung von der Materie haben und lieber den Schwarzen Rassismus unterstellen, sollten sie lieber einfach mal den Mund halten. Die Schwarzen wählen schon seit Jahrzehnten mit riesiger Mehrheit die Demokraten, das hat Tradition. Daher wurden 2000 und 2004 in Florida und anderen Bundesstaaten, Tausende Schwarze willkürlich von den Wählerlisten gestrichen, weil man wusste, das diese die Demokraten wählen.

    http://www.andriankreye.c...

  4. Verloren haben die Amerikaner schon vor der Wahl. Sie haben Söhne verloren, Katastrophen noch nicht überstanden und stehen vor einer durch rücksichtslose Hasardeure schwer getroffenen Wirtschaft.
    Die Wahlen werden zeigen, ob die Mehrheit schon resigniert hat oder ob Obamas Aufbruchstimmung diese unsinnigen Rassenvorurteile endlich ins letzte Glied verschwinden lässt.
    Die überwiegende Mehrheit der Amerikaner hat nichts von diesem Rassenkonflikt. Er lenkt sie nur von ihren wirklichen Feinden ab und macht sie zu deren Handlangern.
    Das Amerikabild unserer Presse ergibt wenig verwertbare Anhaltspunkte, um die Stimmung der Wählerschaft wirklich einschätzen zu können. Wir werden uns überraschen lassen.
    Inzwischen können sich unsere Politiker überlegen, ob sie uns wirklich ernst nehmen wollen oder auch da ihrem "großen atlantischen Führer" folgen wollen.

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