Die geplante Wahl der hessischen SPD-Chefin Andrea Ypsilanti zur Ministerpräsidentin ist geplatzt: Vier Angehörige der eigenen Fraktion verweigern ihr die Stimme und damit die notwendige Mehrheit für eine rot-grüne Regierung unter Duldung der Linkspartei. Die vier abtrünnigen Landtagsabgeordnete sind Dagmar Metzger, Ypsilantis Stellvertreter und innerparteilicher Konkurrent Jürgen Walter sowie Carmen Everts und Silke Tesch.

Grund seien Bedenken gegen die Linkspartei, sagte Everts bei einer Pressekonferenz der vier in Wiesbaden. "Die Linke ist eine in Teilen linksextreme Partei." Sie selbst sei "zutiefst zerrissen" angesichts ihrer Bedenken und der Loyalität zu ihrer Partei. Diese Entscheidung sei ihnen außerordentlich schwergefallen. Trotzdem böten sie der Fraktion ihre weitere Mitarbeit an.

Ihre Abgeordnetenkollegin Silke Tesch berichtete von starkem Druck, den sie gefühlt habe. Ihre Bedenken gegen den Linkskurs seien von der Fraktionsführung "regelmäßig ignoriert und ausgeblendet" worden. Letztlich habe sie sich für Glaubwürdigkeit entschieden. Eine negative geheime Stimmabgabe gegen Ypsilanti sei für sie nie infrage gekommen, erklärte die Abgeordnete. Deshalb mache sie ihre Entscheidung jetzt öffentlich.

Ypsilantis Widersacher Walter geht noch einen Schritt weiter und sieht durch ein rot-rot-grünes Bündnis Zehntausende Arbeitsplätze in Hessen gefährdet. Diese Minderheitsregierung würde dem Land und seiner Partei schaden, sagte er. "Ich kann diesen Weg meiner Partei nicht mitgehen."

Für die Fraktion der Linken ist der gescheiterte Machtwechsel "ein schwarzer Tag für Hessen". Der rechte SPD-Parteiflügel ermögliche es, dass "Vertreter der Stahlhelm-Fraktion der CDU weiter auf der Regierungsbank Platz nehmen dürfen", sagte ein Fraktionssprecher. Der Pressesprecher der hessischen SPD, Frank Steibli, sagte, dass die Entscheidung für Andrea Ypsilanti selbst "sehr überraschend" gekommen sei. Sie habe es "zeitgleich mit der Presse" heute Morgen erfahren.