Bildung Ein New Deal für die SchuleSeite 2/2

Eine kleine Geschichte mag verdeutlichen, was Bauten erzählen und bewirken. Eine deutsche Delegation, überwiegend Pädagogen, macht einen Dänemarkbesuch. Schon beim Betreten der Gebäude blicken wir uns befremdet an, als wollten wir sagen, ist das alles nicht etwas übertrieben? Designerlampen. Richtig schöne Türklinken. Und sogar Kunst an den Wänden. Lauter Originale und das in einer Berufsschule!

Bildungskolumne
Reinhard Kahl schreibt für ZEIT ONLINE die Bildungskolumne Wurzeln und Flügel

Reinhard Kahl schreibt für ZEIT ONLINE die Bildungskolumne Wurzeln und Flügel

Die Schule bekommt Geld von der Kommune, damit sie Bilder von Künstlern aus der Region Südjütland kaufen kann. So werden Künstler unterstützt und die Schulen kultiviert. Die Deutschen fragen unseren dänischen Führer, ob denn all die schönen Dinge, zumal die Kunst, nicht von den Schülern zerstört würden? Nein, sagt Herr Andersen und wundert sich.

Herr Andersen sagt, er sei übrigens der Umweltbeauftragte der Schule und fügt  hinzu, „Umwelt ist bei uns etwas anderes, als bei Ihnen. In Deutschland, “ sagt er, „ist Umwelt, wenn irgendwo Öl ausläuft. Bei uns bedeutet Umwelt Milieu.“ Als wir davon hören, dass am folgenden Wochenende in der Schule ein großes Fest gegeben wird, fragt jemand: „Aber beim Fest hängen sie die Kunst doch ab?“ „Nein“, antworte Andersen, „wenn wir die Kunst abhängen müssten, wenn wir feiern, dann würden wir lieber nicht feiern.“

„Der Raum ist der dritte Pädagoge,“ sagte der verstorbene italienische Vorschulpapst und Begründer der Reggio–Pädagogik Loris Malaguzzi. Inzwischen ist der Satz in den skandinavischen Ländern eine stehende Redewendung. Gute Schulen und Kindergärten erweisen bereits mit ihrem Interieur den Kindern ihre Wertschätzung. Dort weiß man auch, dass der Raum Gelegenheiten zum Lernen schaffen kann. Lernen können die Schüler nur selbst. Die Zeit der Container, in denen sie mit Wissen abgefüllt werden, ist vorbei.

Solche Ideen könnten mit einem Konjunkturprogramm einen interessanten, neuen Deal eingehen. Auch in Deutschland brauchen wir die ungewöhnliche Mischung aus Pragmatismus und Visionen. Es ist an der Zeit. Yes, we can – oder können wir immer noch nicht?

 
Leser-Kommentare
    • Hipper
    • 07.11.2008 um 17:53 Uhr

    In jeder Krise wohnt auch eine Chance inne. Allerdings setzt das ergreifen einer solchen Chance tatkräftige und weitblickende Politiker voraus - und genau da fängt das Problem an. Einen "New Deal für Bildung" fordern viele, aber getan wird trotzdem nichts.

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    • Akka1
    • 07.11.2008 um 19:28 Uhr

    Kein "New Deal" mit den alten "Dealern", sprich Ideologen. Lieber Porsche subventionieren.
    So einfach ist das!

    Kant ist gross!

    • Akka1
    • 07.11.2008 um 19:28 Uhr

    Kein "New Deal" mit den alten "Dealern", sprich Ideologen. Lieber Porsche subventionieren.
    So einfach ist das!

    Kant ist gross!

    • Akka1
    • 07.11.2008 um 19:28 Uhr

    Kein "New Deal" mit den alten "Dealern", sprich Ideologen. Lieber Porsche subventionieren.
    So einfach ist das!

    Kant ist gross!

    Antwort auf "Krise und Chance"
  1. ...es schadet auch nichts, neben Kindern und Jugendlichen die anderen Nutznießergruppen zu nennen: Lehrer, die endlich wieder das Gefühl haben dürften, in Räumlichkeiten arbeiten zu dürfen, die ihrer Aufgabe angemessen sind. Eltern, die darüber staunen könnten, wie gut ihre Kinder untergebracht sind. Und, ja, tatsächlich, Politiker, die voller Stolz darauf hinweisen könnten, wie viel sie für den Nachwuchs tun. Es geht also nicht nur immer um die Kinder, sondern einfach auch mal um alle anderen. Wenn ich mir täglich die Bruchbude, die sich Schule nennt, und in der ich arbeiten "darf", anschaue, vergeht mir schon die Lust. In der "freien" Wirtschaft hätte man so einen Laden längst von Amts wegen dichtgemacht. Vernagelte Fenster, Räume ohne hinreichende Belüftung, völlig verdreckte Teppiche usw. usf...

    Aber man wird doch mal träumen dürfen.

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    völlig richtig! mit 150 schülerinnen und schülern und insgesamt (einschl. regal- und schließfach 2,2 qm "arbeits"fläche in einem von 77 dauerkommunizierenden kolleginnen und kollegen behausten lehrerzimmer macht das richtig spaß, sich zu erholen, material bereitzustellen usw. usw.
    letzthin, bei der fortbildung, in einer anderen schule eine interessante beaobachtung: "Lehrer/in WC" - in der tat: One size fits all! Wer "sitzt", hat den unteren rand des urinals exakt 20 cm vor der nase. da fühlt sich jede lehrkraft so richtig wertgeschätzt.
    so etwas in irgendeiner firma - und alle wären auf der zinne!
    stattdessen - als personalrat seit 1995 kennt man sich allmählich aus - immer wieder kämpfe und schlachten um eine menschenwürdige minimalausstattung der vorhandenen toiletten - immerhin für 33 kolleginnen z.b. exakt 6 "möglichkeiten" - und das bei einer ballung auf je 15 minuten pause.
    macht aber alles nix, sind ja bloß lehrerinnen und lehrer.

    MFG

    ulschmitz

    völlig richtig! mit 150 schülerinnen und schülern und insgesamt (einschl. regal- und schließfach 2,2 qm "arbeits"fläche in einem von 77 dauerkommunizierenden kolleginnen und kollegen behausten lehrerzimmer macht das richtig spaß, sich zu erholen, material bereitzustellen usw. usw.
    letzthin, bei der fortbildung, in einer anderen schule eine interessante beaobachtung: "Lehrer/in WC" - in der tat: One size fits all! Wer "sitzt", hat den unteren rand des urinals exakt 20 cm vor der nase. da fühlt sich jede lehrkraft so richtig wertgeschätzt.
    so etwas in irgendeiner firma - und alle wären auf der zinne!
    stattdessen - als personalrat seit 1995 kennt man sich allmählich aus - immer wieder kämpfe und schlachten um eine menschenwürdige minimalausstattung der vorhandenen toiletten - immerhin für 33 kolleginnen z.b. exakt 6 "möglichkeiten" - und das bei einer ballung auf je 15 minuten pause.
    macht aber alles nix, sind ja bloß lehrerinnen und lehrer.

    MFG

    ulschmitz

  2. SCHULE kommt von griech. SCHOLAE und das leitet sich von ECHEIN = HABEN ab. Wenn die alten Griechen so im Stress waren, dass sie nicht mehr alle (fünf Sinne beisammen) hatten, ließen sie los und gönnen sich SCHOLÄ: das Innehalten, Zu-sich-Kommen, Wieder-mit-sich-eins-Werden - bis man wieder alle .... hat. In Deutschland haben wir keine Schulen sondern Unterrichtungsanstalten, unsere Schulen sind Du-musst-Schulen aber keine Ich-kann-Schule. Wir machen Druck (mit u.a. vernichtenden Auswirkungen auf die Gesundheit) statt dafür zu sorgen, dass man sich zum Lernen geZOGen fühlt. Wo sich Druck schon bis zur ersten Pause so anstaut, dass er sich wie eine Lawine entlädt, da ist alles, was man aufhängt, gefährdet, nicht bloß Kunst. Wir müssen erst mal zu Lebensart finden, Unterrichtungsart erweist sich als nicht mensch- und kunstgemäß. Ich grüße herzlich.
    Franz Josef Neffe

  3. Ja so hätten unsere "Kultur"politiker es gern. Erst die Lehrpläne, Verzeihung: Curricula, ganz auf die Bedürfnisse der"Wirtschaft" ausrichten, Bildung zur dürftigen Ausbildung verkümmern lassen und das in Räumen, die so grässlich und seelenlos sind, wie die Räume einer Bank. Berufsvorbereitung schon in der Grundschule.
    Was Kahl daran so berauschend findet, dass er diesem Dummfug einen ganzen Artikel widmet, ist rätselhaft.
    Die Sonntags-, Montags-, Dienstags- usf. Reden der Politiker, von mehr Geld für Bildung und Innovation kann doch kein denkender Mensch mehr hören, ohne in unstillbares Koterbrechen zu verfallen. Stetig mehr Geld für Bildung wird lediglich von Eltern und Lernenden aufgebracht.
    Zudem sollte Kahl wissen, dass Schulgebäude Sache der Schulträger, der Kommunen sind. Und die wurden von der Bundespolitik seit Jahren systematisch an den Bettelstab gebracht, in "Public Private Partnerships" gedrängt, eine verdeckte Kreditaufnahme für Gebäude, die auf Dauer immens teurer ist als eine offene.
    Von schönen Worten haben wir genug, schnell gehandlt wird allemal nur für die Banken.

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    Der Grundgedanke ist es doch - eine Bank würde nie ein schäbiges Gebäude nutzen - selbst Krankenkassen nicht oder öffentliche Gebäude für Kommunalangestellte (Rathäuser usw.). Warum aber lässt die öffentliche Hand dies bei Schulen und Kitas zu?
    Der Kahl weiß sicher das Schulgebäude Sache der Schulträger, der Kommunen sind usw. Aber nur weil das so ist muss es ja nicht so bleiben ... Veränderung/Neuerung ist möglich ... wer hätte je gedacht, dass der Staat so massiv den Banken helfen wird (eigentlich "Sache des Marktes"!).
    Die Frage ist doch, was wollen wir - wir, die wir das System bilden/sind. Bei denBanken wollen wir - um unserer Zukunft willen, dass deren System nicht zusammenbricht - und bei der Bildung? Zukunft? :-) Und hier liegt auch der Grund warum der Kahl dieser Gelegenheit einen ganzen Artikel widmet - er will was bewegen ...
    Machen wir jetzt mal endlich mit? Oder hocken wir weiter da und ärgern uns über diverse Sonntags-, Montags-, Dienstags- usf. Reden der Politiker (die wir erwählt haben)?

    Der Grundgedanke ist es doch - eine Bank würde nie ein schäbiges Gebäude nutzen - selbst Krankenkassen nicht oder öffentliche Gebäude für Kommunalangestellte (Rathäuser usw.). Warum aber lässt die öffentliche Hand dies bei Schulen und Kitas zu?
    Der Kahl weiß sicher das Schulgebäude Sache der Schulträger, der Kommunen sind usw. Aber nur weil das so ist muss es ja nicht so bleiben ... Veränderung/Neuerung ist möglich ... wer hätte je gedacht, dass der Staat so massiv den Banken helfen wird (eigentlich "Sache des Marktes"!).
    Die Frage ist doch, was wollen wir - wir, die wir das System bilden/sind. Bei denBanken wollen wir - um unserer Zukunft willen, dass deren System nicht zusammenbricht - und bei der Bildung? Zukunft? :-) Und hier liegt auch der Grund warum der Kahl dieser Gelegenheit einen ganzen Artikel widmet - er will was bewegen ...
    Machen wir jetzt mal endlich mit? Oder hocken wir weiter da und ärgern uns über diverse Sonntags-, Montags-, Dienstags- usf. Reden der Politiker (die wir erwählt haben)?

  4. Der Grundgedanke ist es doch - eine Bank würde nie ein schäbiges Gebäude nutzen - selbst Krankenkassen nicht oder öffentliche Gebäude für Kommunalangestellte (Rathäuser usw.). Warum aber lässt die öffentliche Hand dies bei Schulen und Kitas zu?
    Der Kahl weiß sicher das Schulgebäude Sache der Schulträger, der Kommunen sind usw. Aber nur weil das so ist muss es ja nicht so bleiben ... Veränderung/Neuerung ist möglich ... wer hätte je gedacht, dass der Staat so massiv den Banken helfen wird (eigentlich "Sache des Marktes"!).
    Die Frage ist doch, was wollen wir - wir, die wir das System bilden/sind. Bei denBanken wollen wir - um unserer Zukunft willen, dass deren System nicht zusammenbricht - und bei der Bildung? Zukunft? :-) Und hier liegt auch der Grund warum der Kahl dieser Gelegenheit einen ganzen Artikel widmet - er will was bewegen ...
    Machen wir jetzt mal endlich mit? Oder hocken wir weiter da und ärgern uns über diverse Sonntags-, Montags-, Dienstags- usf. Reden der Politiker (die wir erwählt haben)?

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    Seit Jahren mache ich als Elternvertreter in den verschiedensten Gremien mit. Verfasse Schreiben an Politiker in Kommunen, Landes- und Bundesministerien, organisiere Demonstrationen, (Podiums) Diskussionen, auch mit Herrn Kahl.
    Meinen Satz mit den Ausscheidungsbedürfnissen will ich nicht wiederholen.
    An Worten, Appellen, auch von Herrn Kahl habe ich überreichlich gehört, selbst von mir gegeben, verfasst.
    Schöne Verheißungen sonder Zahl, Ergebnisse verschwindend gering. Überall und stets rennt man seit Jahren gegen die Geldmauer, das heißt, es fehlt.
    Aber bei der "Bankenkrise" hat es keine 3 Tage gedauert, da war das Rettungspaket gepackt und geschnürt, da ist das Geld vorhanden. Soviel wurde seit Bestehen unseres Gemeinwesens nicht in die Schulen gesteckt.
    Hier zeigt sich eben deutlich wo wirklich die Interessen unserer "Volksvertreter" liegen.

    Seit Jahren mache ich als Elternvertreter in den verschiedensten Gremien mit. Verfasse Schreiben an Politiker in Kommunen, Landes- und Bundesministerien, organisiere Demonstrationen, (Podiums) Diskussionen, auch mit Herrn Kahl.
    Meinen Satz mit den Ausscheidungsbedürfnissen will ich nicht wiederholen.
    An Worten, Appellen, auch von Herrn Kahl habe ich überreichlich gehört, selbst von mir gegeben, verfasst.
    Schöne Verheißungen sonder Zahl, Ergebnisse verschwindend gering. Überall und stets rennt man seit Jahren gegen die Geldmauer, das heißt, es fehlt.
    Aber bei der "Bankenkrise" hat es keine 3 Tage gedauert, da war das Rettungspaket gepackt und geschnürt, da ist das Geld vorhanden. Soviel wurde seit Bestehen unseres Gemeinwesens nicht in die Schulen gesteckt.
    Hier zeigt sich eben deutlich wo wirklich die Interessen unserer "Volksvertreter" liegen.

  5. Ich habe selten einen Artikel gelesen, dem ich dermaßen zustimmen konnte.
    Wir brauchen dringenst eine Bildungsoffensive.
    Wir bekommen immer mehr Menschen in Deutschland,
    die keine Bildung und keine Chancen haben.
    Das Sprengstoff für unsere gesamte Gesellschaft.
    Wir können uns das im Eigeninteresse und aus moralischer Verpflichtung heraus einfach nicht erlauben.

    Ich wüsste keinen Bereich, in dem wir mehr Rendite für unsere Steuergelder erhalten könnten. Es dauert nur ein wenig länger, leider länger als ein paar Legislaturperioden.

  6. völlig richtig! mit 150 schülerinnen und schülern und insgesamt (einschl. regal- und schließfach 2,2 qm "arbeits"fläche in einem von 77 dauerkommunizierenden kolleginnen und kollegen behausten lehrerzimmer macht das richtig spaß, sich zu erholen, material bereitzustellen usw. usw.
    letzthin, bei der fortbildung, in einer anderen schule eine interessante beaobachtung: "Lehrer/in WC" - in der tat: One size fits all! Wer "sitzt", hat den unteren rand des urinals exakt 20 cm vor der nase. da fühlt sich jede lehrkraft so richtig wertgeschätzt.
    so etwas in irgendeiner firma - und alle wären auf der zinne!
    stattdessen - als personalrat seit 1995 kennt man sich allmählich aus - immer wieder kämpfe und schlachten um eine menschenwürdige minimalausstattung der vorhandenen toiletten - immerhin für 33 kolleginnen z.b. exakt 6 "möglichkeiten" - und das bei einer ballung auf je 15 minuten pause.
    macht aber alles nix, sind ja bloß lehrerinnen und lehrer.

    MFG

    ulschmitz

    Antwort auf "Übrigens..."

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