Bildungschancen Armes Bremen, reiches Bayern
Vor der dritten Pisa-Studie: Was die Länder tun können, um ihren Schülern zu besseren Leistungen zu verhelfen. Interview mit dem Bildungsforscher Klaus Klemm
Nächste Woche werden neue deutsche Pisa-Ergebnisse veröffentlicht. Die Bundesländer mussten sich wieder miteinander vergleichen lassen. Was leisteten die Schüler im Jahr 2006 in Bayern, Nordrhein-Westfalen oder Bremen?
Der Bildungsforscher Klaus Klemm hat dazu statistische Daten der einzelnen Länder ausgewertet, um zu sehen, welche unterschiedlichen Voraussetzungen die Schüler in den einzelnen Länder haben.
ZEIT ONLINE: Wo in Deutschland sind die Bedingungen gut, um im Pisa-Vergleich erfolgreich sein zu können?
Klaus Klemm: Sie sind in den Ländern gut, in denen die Schüler familiär wenig belastet sind, wo es zum Beispiel wenige Arbeitslose und wenige schwierige Milieus gibt. Auch Wohlstand schafft gute Bildungs-Bedingungen. Und es sind die Länder erfolgreich, die den Schulen viele Ressourcen zur Verfügung stellen, wo beispielsweise viele Unterrichtsstunden abgehalten werden können.
ZEIT ONLINE: Wer kann das erfüllen?
Klemm:
Baden-Württemberg und Bayern. In beiden Ländern gibt es eine niedrige Arbeitslosenquote, verhältnismäßig viel Wohlstand, und die Schulen sind gut ausgestattet. Die beiden Länder gehören zu den Spitzenreitern, was die Anzahl der abgehaltenen Schulstunden betrifft. Das wirkt sich auf die Leistungen der Schüler aus. Beide Länder gehörten schon bisher zu den Pisa-Gewinnern. Und ich erwarte keine gravierenden Veränderungen in der neuen Auswertung.
Gleichzeitig hat Baden-Württemberg einen sehr hohen Anteil an Jugendlichen mit einem Migrationshintergrund. Das verringert an sich die durchschnittlichen Leistungen der Schüler, vor allem, wenn die Lehrer damit nicht adäquat umgehen. Daran kann man jedoch erkennen, dass es allein auf solche äußeren Bedingungen nicht ankommt. Denn die Schulen in Baden-Württemberg können damit verbundene Schwierigkeiten offensichtlich ausgleichen.
ZEIT ONLINE: Und wo haben die Schulen eher schlechte Voraussetzungen?
Klemm: Was das familiäre Umfeld betrifft, steht es für die Stadtstaaten Bremen, Hamburg und Berlin schlecht. Sie werden nur von den neuen Ländern übertroffen. Die Arbeitslosenzahlen sind dort besonders hoch.
- Datum 18.11.2008 - 07:31 Uhr
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Ich fände es extrem hilfreich wenn der Föderalismus endlich als förderlich und nicht mehr als hinderlich empfunden und dargestellt würde. Es ist keine "Kleinstaaterei" sondern ein (wörtlich) unerhörtes Pfund dass die Bundesrepublik eben eine Bundesrepublik und kein Zentralstaat ist (im Übrigen sind alle Bestrebungen diese Gliederung in Länder abzuschaffen verfassungsfeindlich).
Schüler mit Migrationshintergrund können in Bayern besser lesen und rechnen als deutsche Schüler in Bremen.
Dieser Satz stammt nicht von mir oder der CSU sondern aus der PISA Studie!
Ich weiss, diese Lebensrealität der Gegenwart widerspricht allen gehegten und gepflegten Vorurteilen über die tumben Bayern und die modernen Norddeutschen und provoziert allein deswegen schon kategorischen Widerspruch. Die Erkenntnis dass dieses schmeichelnde Selbstbild der Norddeutschen aber der Vergangenheit angehört und ebenso altmodisch ist wie die in den 70ern stehengebliebenen Schulgebäude muss aber sein - Selbsterkenntnis ist der erste Schritt zur Besserung.
So schön es auch ist, daß dank des Föderalismus die Welt in Bayern noch
einigermaßen in Ordnung ist, so übel ist das zugleich für uns in Bremen,
die wir berufsbedingt hier leben.
Die Existenz der drei Stadtstaaten hat es im Bildungsbereich erlaubt, daß
die Politiker, deren Qualifikation vielleicht für einen Stadtrat ausreichen mag,
und die Schulbürokratie hier nach Lust und Laune über Jahrzehnte
Ihren Phantasien nachgehen konnte und ein Schulwechsel von Bremen
nach Süddeutschland eine mittlere Katastrophe ist!
So schön es auch ist, daß dank des Föderalismus die Welt in Bayern noch
einigermaßen in Ordnung ist, so übel ist das zugleich für uns in Bremen,
die wir berufsbedingt hier leben.
Die Existenz der drei Stadtstaaten hat es im Bildungsbereich erlaubt, daß
die Politiker, deren Qualifikation vielleicht für einen Stadtrat ausreichen mag,
und die Schulbürokratie hier nach Lust und Laune über Jahrzehnte
Ihren Phantasien nachgehen konnte und ein Schulwechsel von Bremen
nach Süddeutschland eine mittlere Katastrophe ist!
Es ist unbestritten das der Lebensweg eines Kindes in Deutschland von seiner sozialen Herkunft bestimmt wird. Das Umfeld des Kindes ist entscheidend für seine Zukunft. Bei einem Großteil der Kinder wirkt sich das Umfeld (Eltern, Verwandte, Freunde, Nachbarn, Medien etc.) eher negativ auf die Entwicklung aus. Hier muss also angesetzt werden. Flächendeckende Ganztagsschulen sind das mindeste. Angebote muss es auch übers Wochenende geben. Das gleiche mit Kinderkrippen und Kindergärten. Es muss mehr Geld in Personal und Ausbildung investiert werden. Lehrer sollten ihren Beamtenstatus verlieren und gleichzeitig ein höheres Gehalt bekommen. Schulen müssten systematisch und neutral von einer unabhängigen Organisation überprüft und bewertet werden.
Schulen sollten mit eigenen Programmen in einen Wettbewerb zueinander treten können. Geld sollte zentral zur Verfügung gestellt werden, jeder Schüler der in Deutschland eine Schule besucht bringt der Schule einen gewissen Geldbetrag, der so hoch wie nur möglich ausfallen sollte. Es bringt uns gar nichts wenn wir in einem Bundesland gut ausgebildete und in einem anderen weniger gut ausgebildete Jugendliche haben. Die Sozialkosten und die fehlenden Steuereinnahmen der schlecht ausgebildeten schaden letztendlich allen Deutschen. Wenn wir nicht weltweiter Spitzenreiter in der Ausbildung unserer Bevölkerung werden, wird unser Wohlstand, schneller als es sich viele vorstellen können, dahinschmelzen...
So schön es auch ist, daß dank des Föderalismus die Welt in Bayern noch
einigermaßen in Ordnung ist, so übel ist das zugleich für uns in Bremen,
die wir berufsbedingt hier leben.
Die Existenz der drei Stadtstaaten hat es im Bildungsbereich erlaubt, daß
die Politiker, deren Qualifikation vielleicht für einen Stadtrat ausreichen mag,
und die Schulbürokratie hier nach Lust und Laune über Jahrzehnte
Ihren Phantasien nachgehen konnte und ein Schulwechsel von Bremen
nach Süddeutschland eine mittlere Katastrophe ist!
Das ist der erste Artikel seit 8 Jahren, in dem nicht sinnlos auf das Personal an Schulen eingedroschen wird. Respekt. Setzt sich wohl doch langsam das Bewusstsein durch, dass die Rahmenbedingungen für gute Schule nur in geringem Maße von den Lernprozessbegleitern aka Lehrern beeinflusst werden können.
Die Analyse von Dr. Klaus Klemm ist nüchtern und sachlich und dies ist (leider) in der Bildungsdiskussion ein Kompliment wert.
Zu oft wird nur darüber diskutiert, ob die Gesamtschule oder das dreigliedrige Schulsystem besser ist. Dass bei unzureichenden Ressourcen mit keinem der beiden Systeme gute Resultate zu erzielen sind, das sollte eigentlich jedem klar sein.
Ich bin Lehrer in Baden-Württemberg und kenne das dreigliedrige Schulsystem sehr gut. Es wird hier im Ländle durch relativ gute Möglichkeiten des zweiten Bildungsweges ergänzt. So schlecht war/ ist dieses System nicht. Leider wurde es aber durch einige der aufgeregt und hastig durchgeführten Reformen der letzten Jahre nicht nur verbessert, so wurde z.B. durch die frühere Einführung der zweiten Fremdsprache der Wechsel zwischen den Schularten erschwert. Außerdem wurden auch in Baden-Württemberg die Ressourcen gekürzt, die Kommunen erhalten 10% weniger Mittel für die Schulen. Gleichzeitig steigen die Anforderungen an die Schulen, die als finanziell mangelhaft gedeckte Forderungen von der Politik kommen. So scheint man im Musterländle nicht begriffen zu haben, dass mit der Umstellung vom 9-jährigen zum 8-jährigen Gymnasium zunächst höhere Ausgaben verbunden sind. Während der Umstellungsphase läuft ein Doppeljahrgang durch die Schulen, für den z.B. eine Menge neuer Bücher beschafft werden müssen. Erst nach dem Doppelabitur 2012 wird G8 einen Einspareffekt erbringen. Die Liste der finanziell nicht ausreichend gedeckten Reformen des Landes ließe sich noch enorm verlängern. Einführung des Fächerverbundes Naturwissenschaft und Technik, Einführung teurer grafikfähiger Taschenrechner, ... . Folge: unsere Schule ist bereits Ende Oktober ins Minus gerutscht. Wir sind also pleite! Wenn ich hier lese, dass es Baden-Württemberg noch besonders gut geht, dann gute Nacht liebes Deutschland! Übrigens geht diese Politik der nicht bezahlten aber eingeforderten Leistungen natürlich auch massiv auf Kosten der Lehrer. Seit Jahren steigt die reale Arbeitszeit bei gleichzeitig sinkenden Reallöhnen. Klar, dieses Phänomen kennt der ganze Mittelstand. Dass aber unter solchen Voraussetzungen Lehrer nur noch begrenzt zu motivieren sind, wenn wieder einmal eine neue "Sau durch das Dorf getrieben wird" sollte auch klar sein. Mehr Pragmatismus und Augenmaß, das würde ich mir wünschen! Und wenn schon für kleine Reformen die Ressourcen fehlen, wie soll da eine Systemumstellung auf Gesamtschulen möglich sein. Lieber kleine und solide Schritte als große Sprünge ins Unbekannte, bei denen man nicht weiß, ob man das andere Ufer erreicht, oder im Graben landet.
dass endlich das selektive Bildungssystem abgeschafft wird.
Ich finde, dass auch Arbeiterkinder das Recht haben sollten, was richtiges zu lernen.
komisch, mein vater war arbeiter, meine mutter krankenschwester - und ich hatte ab 1962 nach der abschaffung des schulgeldes das recht, nach bestehen einer dreitägigen aufnahmeprüfung etwas richtiges zu lernen (obwohl die gesamte verwandtschaft samt großeltern väterlicherseits das unternehmen lachhaft und als zum scheitern verurteilt sah) - es gibt also schon längst jede menge möglichkeiten - in deutschland mindestens 30 -, um an ein abitur zu kommen.
dass man auf dem gymnasium schon damals gegen akademiker-söhne und deren vorabinformationen durch ältere brüder antreten musste, war nicht lustig, aber möglich, u.a. wegen der solidarität unter den schülern - und weil es eben schon einen großen anteil lehrer gab, denen die berufe der väter schnurzegal waren (ausnahmen gibt's immer), hatte ich auf dauer kaum das gefühl, jemand wolle meinen "auftstieg" in der schule z.b. verhindern. es kommt eben darauf an, was man daraus macht - mit oder gegen lehrer oder trotz deren "seltsamkeiten" - so what?!
und ein bedeutender teil meiner unkenntnisse (wie lernt man?) hatte ich meinem "volksschullehrer" zu verdanken, der das nicht so wichtig fand; der nun wieder fand es nicht lustig, wenn ihm von einer 43er klasse (4. jahrgang) nach weggang der leistungsträger (10-12) just jene blieben, die auch mit besten methoden schlecht weggekommen wären, weil sie zu hause keine oder nicht die richtige unterstützung bekamen - aber die fingen eben nach der 8. klasse als "ungelernte" oder "lehrjungen" an, damals konnte man auf diese weise durchaus "auskommen".
auf realschul- oder gymnasialniveau hätte man den größten teil der "zurückbleiber" nur bringen können durch rigororse trennung vom elternhaus und durch unterricht in gruppen zu max. 5... - und wer hätte denn damals - und heute - den mut und das geld dazu?
also, jede/r kann etwas "Richtiges" (???) lernen, dazu gehört allerdings auch ein gewisser wille, eine gewisse ausdauer und evtl. die sturheit, gegen das eigene elternhaus anzumarschieren.
mfg
mit der Einschränkung, dass sich die gesellschaftlichen Verhältnisse von vor über 40 Jahren mit denen heute nicht mehr vergleichen lassen. Damals galt für die Hauptschule das "Resterampeprinzip" längst nicht in dem Maße, wie das heute der Fall ist. Mit einem guten Hauptschulabschluss war man durchaus in der Lage einen reellen Ausbildungsplatz zu finden. Dem Schüler an der Hauptschule wurde nicht automatisch suggeriert, dass er der Loser der Gesellschaft ist. Selbstverständlich ist nicht jedes Kind zu einem Studium befähigt, gibt es Begabungsunterschiede. Die Selektion, die aber mit 10 Jahren an deutschen Schulen stattfindet ist mitnichten begabungsgerecht. Meines Erachtens ist kein Lehrer der Welt in der Lage, ein Kind in dem Alter auf sein Potential hin richtig und objektiv einzuschätzen. Ist das Kind dann erstmal auf der Hauptschule einsortiert, dann wird es in ALLEN Fächern auf geringerem Niveau unterrichtet, obwohl es durchaus Stärken in einigen Fächern aufweisen wird. Eine individuelle Förderung nach Stärken und Schwächen findet nicht statt, deswegen ist für mich die Dreigliedrigkeit die eigentliche Einheitsschule. Sie presst die Kinder in Schemata und ist nicht darauf ausgerichtet, die Kinder mit ihrem sozialen Hintergrund und ihren Talenten individuell zu fördern. Das ist der Grund, warum an Gymnasien u.U. nur noch besteht, wer die Eltern finanziell (wegen Nachhilfe) und zeitlich im Rücken hat. Sind diese Gegebenheiten nicht vorhanden, liegt die möglichereweise gleichhohe Intelligenz des Kindes brach, nur aufgrund seines sozialen Umfeldes. Dadurch geht viel Potential verloren, was nicht sein müsste. Das Bildungswesen müsste sich endlich von dem Grundgedanken verabschieden, die Kinder an sich anpassen zu wollen, es müsste vielmehr endlich dazu übergehen, sich den individuellen Talenten und Begabungen der Kindern anzupassen, sprich: individueller zu fördern und zu fordern. Gute Gesamtschulen beweisen schon heute, dass dann Potentiale zum Vorschein kommen, die ansonsten ungenutzt bleiben. Schüler können nur ernst nehmen, was sie selbst ernst nimmt.
mit der Einschränkung, dass sich die gesellschaftlichen Verhältnisse von vor über 40 Jahren mit denen heute nicht mehr vergleichen lassen. Damals galt für die Hauptschule das "Resterampeprinzip" längst nicht in dem Maße, wie das heute der Fall ist. Mit einem guten Hauptschulabschluss war man durchaus in der Lage einen reellen Ausbildungsplatz zu finden. Dem Schüler an der Hauptschule wurde nicht automatisch suggeriert, dass er der Loser der Gesellschaft ist. Selbstverständlich ist nicht jedes Kind zu einem Studium befähigt, gibt es Begabungsunterschiede. Die Selektion, die aber mit 10 Jahren an deutschen Schulen stattfindet ist mitnichten begabungsgerecht. Meines Erachtens ist kein Lehrer der Welt in der Lage, ein Kind in dem Alter auf sein Potential hin richtig und objektiv einzuschätzen. Ist das Kind dann erstmal auf der Hauptschule einsortiert, dann wird es in ALLEN Fächern auf geringerem Niveau unterrichtet, obwohl es durchaus Stärken in einigen Fächern aufweisen wird. Eine individuelle Förderung nach Stärken und Schwächen findet nicht statt, deswegen ist für mich die Dreigliedrigkeit die eigentliche Einheitsschule. Sie presst die Kinder in Schemata und ist nicht darauf ausgerichtet, die Kinder mit ihrem sozialen Hintergrund und ihren Talenten individuell zu fördern. Das ist der Grund, warum an Gymnasien u.U. nur noch besteht, wer die Eltern finanziell (wegen Nachhilfe) und zeitlich im Rücken hat. Sind diese Gegebenheiten nicht vorhanden, liegt die möglichereweise gleichhohe Intelligenz des Kindes brach, nur aufgrund seines sozialen Umfeldes. Dadurch geht viel Potential verloren, was nicht sein müsste. Das Bildungswesen müsste sich endlich von dem Grundgedanken verabschieden, die Kinder an sich anpassen zu wollen, es müsste vielmehr endlich dazu übergehen, sich den individuellen Talenten und Begabungen der Kindern anzupassen, sprich: individueller zu fördern und zu fordern. Gute Gesamtschulen beweisen schon heute, dass dann Potentiale zum Vorschein kommen, die ansonsten ungenutzt bleiben. Schüler können nur ernst nehmen, was sie selbst ernst nimmt.
mit der Einschränkung, dass sich die gesellschaftlichen Verhältnisse von vor über 40 Jahren mit denen heute nicht mehr vergleichen lassen. Damals galt für die Hauptschule das "Resterampeprinzip" längst nicht in dem Maße, wie das heute der Fall ist. Mit einem guten Hauptschulabschluss war man durchaus in der Lage einen reellen Ausbildungsplatz zu finden. Dem Schüler an der Hauptschule wurde nicht automatisch suggeriert, dass er der Loser der Gesellschaft ist. Selbstverständlich ist nicht jedes Kind zu einem Studium befähigt, gibt es Begabungsunterschiede. Die Selektion, die aber mit 10 Jahren an deutschen Schulen stattfindet ist mitnichten begabungsgerecht. Meines Erachtens ist kein Lehrer der Welt in der Lage, ein Kind in dem Alter auf sein Potential hin richtig und objektiv einzuschätzen. Ist das Kind dann erstmal auf der Hauptschule einsortiert, dann wird es in ALLEN Fächern auf geringerem Niveau unterrichtet, obwohl es durchaus Stärken in einigen Fächern aufweisen wird. Eine individuelle Förderung nach Stärken und Schwächen findet nicht statt, deswegen ist für mich die Dreigliedrigkeit die eigentliche Einheitsschule. Sie presst die Kinder in Schemata und ist nicht darauf ausgerichtet, die Kinder mit ihrem sozialen Hintergrund und ihren Talenten individuell zu fördern. Das ist der Grund, warum an Gymnasien u.U. nur noch besteht, wer die Eltern finanziell (wegen Nachhilfe) und zeitlich im Rücken hat. Sind diese Gegebenheiten nicht vorhanden, liegt die möglichereweise gleichhohe Intelligenz des Kindes brach, nur aufgrund seines sozialen Umfeldes. Dadurch geht viel Potential verloren, was nicht sein müsste. Das Bildungswesen müsste sich endlich von dem Grundgedanken verabschieden, die Kinder an sich anpassen zu wollen, es müsste vielmehr endlich dazu übergehen, sich den individuellen Talenten und Begabungen der Kindern anzupassen, sprich: individueller zu fördern und zu fordern. Gute Gesamtschulen beweisen schon heute, dass dann Potentiale zum Vorschein kommen, die ansonsten ungenutzt bleiben. Schüler können nur ernst nehmen, was sie selbst ernst nimmt.
Kein Lehrer ist imstande, eine begabungsgerechte Auswahl zu treffen?
Das stimmt so nicht. Jeder Grundschullehrer wird Ihnen am Ende der 4. Klasse Schüler benennen können, die definitiv aufs Gymnasium oder definitiv auf die Hauptschule "gehören".
Wenn die meisten Schüler schwer einzuordnen sind, dann deswegen, weil die Trennlinie zwischen Gymnasium und Realschule genau dort verläuft, wo sich die meisten Schüler tummeln. Bei der Normalverteilung, die z.B. einem Intelligenztest als Annahme zugrundeliegt, tummelt sich die Hälfte alles Schüler (!) in einem Bereich zwischen 90 und 110 Punkten. Will heißen: wo 40-50% eines Jahrgangs auf das Gymnasium kommen, ist der Leistungsabstand zwischen den "besten" 30% der Realschüler und den "schlechtesten" 30% der Gymnasiasten zuwangsläufig nur gering.
In diesem Bereich ist eine objektive Bewertung objektiv unmöglich.
Wenn es häufig heißt, daß "auch bei gleichen Noten" die Übertrittswahrscheinlichkeit für Gruppe X (z.B. Beamtenkinder) weit höher sei als für Gruppe Y (z.B. Arbeiterkinder), dann steckt dahinter genau dieser Effekt: die gewaltige Masse der Grenzfälle. Bei mindestens jedem dritten Kind fragt sich der Lehrer: wird es gerade so am Gymnasium mitkommen oder nicht? Lieber ein schlechter Gymnasiast oder ein guter Realschüler? Da ist es unvermeidlich und aus Lehrersicht auch verantwortungsbewußt, wenn andere Faktoren - etwa die Unterstützung, die im Elternhaus zu erwarten ist - die Empfehlung der Lehrer maßgeblich beeinflussen.
Nicht der Zeitpunkt der Trennung ist das Problem, auch nicht die prinzipielle Sinnhaftigkeit der Einteilung nach Leistungsfähigkeit. Sondern die Vorgaben für die einzelnen Schulformen. Eigentlich müßte es eine Mittelschule geben, die mindestens 50% der Schüler aufnimmt. In der heutigen Diktion wäre das die Realschule. Je 20% eines Jahrgangs kämen auf Gymnasium und Hauptschule, je 5% auf Hochbegabten- und Sonderschule. Dann hätte man eine relativ gute Unterscheidbarkeit und innerhalb der einzelnen Schulformen jeweils etwa 20 Intelligenzpunkte Leistungsunterschiede. Heute hingegen muß ein Gymnasium in Hamburg alles zwischen 100 und 180 Intelligenzpunkten abdecken; in Bayern reicht das Spektrum vielleicht von 105 bis 180.
Die bei weitem einheitlichste Schülerschaft hat derweil eine bayerische Realschule.
Kein Lehrer ist imstande, eine begabungsgerechte Auswahl zu treffen?
Das stimmt so nicht. Jeder Grundschullehrer wird Ihnen am Ende der 4. Klasse Schüler benennen können, die definitiv aufs Gymnasium oder definitiv auf die Hauptschule "gehören".
Wenn die meisten Schüler schwer einzuordnen sind, dann deswegen, weil die Trennlinie zwischen Gymnasium und Realschule genau dort verläuft, wo sich die meisten Schüler tummeln. Bei der Normalverteilung, die z.B. einem Intelligenztest als Annahme zugrundeliegt, tummelt sich die Hälfte alles Schüler (!) in einem Bereich zwischen 90 und 110 Punkten. Will heißen: wo 40-50% eines Jahrgangs auf das Gymnasium kommen, ist der Leistungsabstand zwischen den "besten" 30% der Realschüler und den "schlechtesten" 30% der Gymnasiasten zuwangsläufig nur gering.
In diesem Bereich ist eine objektive Bewertung objektiv unmöglich.
Wenn es häufig heißt, daß "auch bei gleichen Noten" die Übertrittswahrscheinlichkeit für Gruppe X (z.B. Beamtenkinder) weit höher sei als für Gruppe Y (z.B. Arbeiterkinder), dann steckt dahinter genau dieser Effekt: die gewaltige Masse der Grenzfälle. Bei mindestens jedem dritten Kind fragt sich der Lehrer: wird es gerade so am Gymnasium mitkommen oder nicht? Lieber ein schlechter Gymnasiast oder ein guter Realschüler? Da ist es unvermeidlich und aus Lehrersicht auch verantwortungsbewußt, wenn andere Faktoren - etwa die Unterstützung, die im Elternhaus zu erwarten ist - die Empfehlung der Lehrer maßgeblich beeinflussen.
Nicht der Zeitpunkt der Trennung ist das Problem, auch nicht die prinzipielle Sinnhaftigkeit der Einteilung nach Leistungsfähigkeit. Sondern die Vorgaben für die einzelnen Schulformen. Eigentlich müßte es eine Mittelschule geben, die mindestens 50% der Schüler aufnimmt. In der heutigen Diktion wäre das die Realschule. Je 20% eines Jahrgangs kämen auf Gymnasium und Hauptschule, je 5% auf Hochbegabten- und Sonderschule. Dann hätte man eine relativ gute Unterscheidbarkeit und innerhalb der einzelnen Schulformen jeweils etwa 20 Intelligenzpunkte Leistungsunterschiede. Heute hingegen muß ein Gymnasium in Hamburg alles zwischen 100 und 180 Intelligenzpunkten abdecken; in Bayern reicht das Spektrum vielleicht von 105 bis 180.
Die bei weitem einheitlichste Schülerschaft hat derweil eine bayerische Realschule.
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